Honorarberatung: Wie sie funktioniert und ab wann sie sich lohnt

Lesedauer 5 Minuten

Honorarberatung führt in Deutschland noch ein Schattendasein. Wie funktioniert sie und ab wann lohnt sie sich? Und wie findet man einen qualifizierten Honorarberater?

Das Problem

Geldanlage, Immobilien oder Versicherungen:

Von den Millennials befasst sich nur rund ein Drittel mit dem Thema Finanzen.

Viele recherchieren Informationen dazu im Internet.

Der Rest interessiert sich nicht fürs Thema.

Da finanzielle Bildung weder an Schulen noch an Universitäten vermittelt wird, sind rund zwei Drittel der Generation Y Laien in finanzieller Hinsicht.

Sie hören darauf, was ihre Eltern ihnen mit auf den Weg geben oder vertrauen ihrem Bank- bzw. Finanzberater.

Das aber könnte ein Fehler sein.

Denn der Bankberater ist ebenso wie der Finanzberater eher ein Verkäufer, der sich über Provisionen finanziert.

Die Ist-Situation in der konventionellen Bankberatung

Wo bei einer Bank Beratung draufsteht, ist in Wahrheit oft Verkauf drin.

Lässt sich der Kunde von einem Banker beraten, werden ihm meist Produkte angeboten, an denen die Bank dank hoher Provisionen gut verdient.

Denn die „Berater“ stecken oft in einem Dilemma:

Sie müssen ihre Ausgaben decken oder die Verkaufsvorgaben ihrer Arbeitgeber erfüllen und können dem Kunden deshalb nicht die beste Empfehlung geben.

Das für den jeweiligen Kunden beste Produkt ist nämlich häufig nicht das, das der Bank auch die höchste Provision einbringt.

Ein Banker ist kein Honorarberater

Ausgabeaufschläge und sonstige Gebühren, die beispielsweise für klassische Investmentfonds fällig werden, fressen dann oft schon einen beträchtlichen Teil der Rendite auf.

Eine Alternative dazu ist die Honorarberatung.

Doch das klassische Vorurteil dazu lautet:

Sie lohne sich nur für sehr große Vermögen.

Doch stimmt das?

Wie funktioniert Honorarberatung?

Ein Honorarberater verdient sein Geld dadurch, dass er seinen Klienten sein Fachwissen und seine Zeit zur Verfügung stellt.

Dafür bekommen seine Kunden im Anschluss eine Rechnung – ähnlich wie bei einem Rechtsanwalt oder Steuerberater.

Dadurch das seine Kunden ihn direkt bezahlen, kann er auch wirklich in ihrem Sinne handeln.

Dieses System offenbart den großen Vorteil der Honorarberatung:

Honorarberater unterliegen keinem Interessenkonflikt, weil sie ein festes Honorar pro Stunde erhalten.

Es gibt auch andere Vergütungsmodelle, doch davon rate ich entschieden ab.

Übrigens sollte das Erstgespräch mit einem Honrarberater in der Regel nichts kosten.

Ab wann lohnt sie sich?

Ab wann lohnt sich Honorarberatung?

Wenn du dir von einem Provisionsvermittler einmal die Provisionen offen legen lässt, die in den üblichen Finanzprodukten insgesamt enthalten sind, dann wirst du feststellen, dass du in den meisten Fällen weniger Honorar als Provisionen bezahlst.

Für eine Anlage von 10.000 EUR in einem Aktienfonds fallen schnell mal bis zu 500 EUR (5 Prozent) Ausgabeaufschlag an.

Hinzu kommt kommt die jährliche Bestandsprovision von bis zu einem Prozent, was noch einmal bis zu 100 EUR ausmacht.

Wie lange dauert für gewöhnlich eine Honorarberatung?

Für eine umfassende Finanzberatung, die nicht nur aus dem Gespräch an sich besteht, solltest du als Gesamtaufwand zunächst einen halben bis ganzen Tag einkalkulieren.

Dabei gilt die Faustregel:

Je größer das Vermögen, desto umfangreicher und zeitlich umfassender die Honorarberatung.

Für eine umfassende Bedarfsanalyse, das Beratungsgespräch, Vor- und Nachbereitung kommen leicht 5 bis 6 Stunden á 150 EUR zusammen.

Das macht ca. 750 bis 900 EUR.

Ein guter Honorarberater kostet zwischen 120 und 180 EUR pro Stunde, wobei es mit einer Stunde selten getan ist.

Beispielrechnungen zeigen, dass du dich mit einer Honorarberatung im Vergleich zur provisionsbasierten Beratung in vielen Fällen deutlich besser stellen könntest.

Wer etwa über 10 Jahre monatlich 400 EUR in einen klassischen Aktienfondssparplan einzahlt, der kann davon direkt 2.400 EUR abziehen:

5 Prozent Ausgabeaufschlag Monat für Monat entsprechen den gesamten Einzahlungen des ersten Halbjahres.

Soviel würde eine Honorarberatung bei weitem nicht kosten, bei der am Ende beispielsweise ein ausgeklügelter ETF-Sparplan als Ergebnis herauskäme.

Ab wann sich eine Honorarberatung lohnt, lässt sich nur schwer allgemeingültig formulieren.

Als Faustregel gilt aber:

Bei Einmalbeträgen unter 10.00 EUR dürfte die Honorarbeartung in der Regel zu teuer sein.

Insgesamt wird das Ganze sich aber ab Beträgen von 20.000 bis 30.000 EUR rechnen.

Vor- und Nachteile der Honorarberatung

Während Provisionen und Ausgabeaufschläge erst nach und nach anfallen, fällt das Honorar unmittelbar nach der Beratung an.

Daduch entstehen für das Honorar betriebswirtschaftlich formuliert Opportunitätskosten in Form eines entganagenen Zinseszinseffektes für das gezahlte Honaorar.

Die Provisionen verspürt der Kunde dagegen nicht unmittelbar, da sie erst nach und nach anfallen.

Zudem werden diese auch nur selten in voller Höhe offengelegt.

Ein weiterer Nachteil der Honorarberatung ist, dass Anleger sie nicht von der Steuer absetzen können.

Überhaupt ist die Bereitschaft der Sparer, ein Honrar zu zahlen, nicht sehr ausgeprägt:

Nach einer aktuellen Umfrage der Sparda-Bank wäre nur etwa jeder 5. Sparer bereit ein Honorar zu zahlen und dann auch nur maximal 35 Euro pro Stunde.

Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Fakt ist:

Eine Honorarberatung kostet in vielen Fällen weniger als die Vergütung über Provisionen.

Trotz der hier erwähnten Nachteile.

Doch wie findet man eigentlich einen guten Honorarberater?

Wie findet man einen qualifizierten Honorarberater?

Wie man einen Honorarberater findet

Die Bezeichnung „Honorarberater“ ist in Deutschland außer im Bereich Geldanlage leider noch nicht geschützt oder gesetzlich geregelt.

Deshalb kann sich prinzipiell jeder Vermittler so nennen.

In einer Erstinformation zu Beginn der Beratung und auch im Impressum seiner Website muss der Berater dir mitteilen, welcher Art von Vermittlern er angehört und welchen gesetzlichen Status er hat.

Geschützt sind seit dem 1. August 2014 nur die Bezeichnungen

  • Honoraranlagenberater und
  • Honorar-Finanzanlagenberater,

die sich beide ausschließlich auf den bereich der Geldanlage beziehen.

Zunächst muss der Verbraucher aber erst einmal einen Berater finden, der tatsächlich nur vom Honorar seiner Kunden lebt.

2014 gab es etwa 243.000 registrierte Finanzvermittler in Deutschland, von denen weniger als 2.000 Honorarberater waren.

Ein Kriterienkatalog, um gute von schlechten Honorarberatern zu unterscheiden, lautet folgendermaßen:

  1. Formale Qualifikation / Ausbildung (hervorragende Experten sind u. a. Certified Financial Planner (CFP))
  2. Erfahrungsschatz / Praxiserfahrung
  3. Wissensbreite / Know how / Verständnis der verschiedenen Produkte
  4. Persönlicher Eindruck

Anlaufstellen, um einen geeigneten Honorarberater zu finden, sind für

Was bisher fehlt, sind klare gesetzliche Regeln für einen Honorarberater, damit er ganzheitlich beraten kann.

Fazit

Honorarberatung hat sich bei Weitem noch nicht flächendeckend durchgesetzt.

Das liegt auch an mangelnder Aufklärung der Verbraucher.

Dabei ist Honorarberatung in den meisten Fällen günstiger als die bisher übliche Vergütung der „Bankberater“ über Provisionen.

Doch tatsächlich ist das Thema Geldanlage bis zu einem gewissen Grad keine exakte Wissenschaft, sondern eher eine Mischung aus Handwerk, Erfahrung und Bauchgefühl für zukünftige Entwicklungen.

Ein Restrisiko von Falschberatung besteht daher auch bei einer Honorarberatung – das muss man ganz klar sagen.

Deshalb solltest du prüfen, od dein Honorarberater über eine entsprechende Berufshaftpflichtversicherung verfügt und dir deren Abschluss nachweisen lassen.

 

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6 Gedanken zu „Honorarberatung: Wie sie funktioniert und ab wann sie sich lohnt“

  1. Sehr geehrter Herr Nawatzki,

    ich habe eben Ihren Artikel gefunden und bitte Sie um eine Einschätzung. Ich habe mich kürzlich an einen Honorarberater gewandt, der mir von vertrauenswürdigen Menschen empfohlen wurde. Es geht um einen Anlagebetrag im mittleren sechsstelligen Bereich. Der Kontakt war unkompliziert und offen. Das Vergütungsmodell sieht für die aktive Betreuung des Depots ein jährliches Honorar i.H.v. 1% der Depotsumme vor. Das sind natürlich erst mal happige Kosten. Der Berater verwies darauf, dass evtl. „Kickbacks“ der Fondgesellschaften direkt meinem Depot gutgeschrieben würden und sich der tatsächliche Auwand so realistischerweise auf ca. 0,5 % reduzieren würde. Meinen Sie, dass dies seriös und lohnend ist, oder sollte ich besser versuchen, auf der Basis eines Stundenhonorars ausreichend Empfehlungen zu erhalten, um die Geldanlage doch selbst zu managen? Ich bin leider nicht wirklich erfahren in Sachen Geldanlage und habe schon mal durch eine riskante Fehlentscheidung größeres Lehrgeld bezahlen müssen.

    Vielen Dank für Ihren Rat!

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
  2. Hallo Jürgen,
    wieder mal ein sehr interessanter Artikel. Auch das Thema ist ja brisant für die Provisionsvermittler. 🙂
    Die Grundlagen der Geldanlagen wie Depoteröffnung und ein Portfolio aufzubauen, kann jeder problemlos alleine bewältigen.
    Die wenigsten Anleger sind aber jetzt in der Lage mit dem behavior gap umgehen. Geschweige denn mit einer Krise, weil viele diese noch nicht erlebt haben. Die, die es erlebt haben, handeln häufig auch nicht anders.
    Liebe Grüße
    Henning

    Antworten
    • Hallo Henning,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      In der Tat könnten viele Menschen einen guten Honorarberater brauchen, doch hat es sich noch nicht so richtig durchgesetzt, diesen aufzusuchen und dafür Geld zu bezahlen.

      Aber ich denke, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird.

      Liebe Grüße

      Jürgen

      Antworten
  3. Hallo,
    interessanter Artikel. Generell sind Honorarberater eine gute Alternative zu den klassischen Provisions-Beratern (Verkäufern). Diese würden einem normalerweise niemals einen ETF empfehlen oder raten sogar davon ab. Klar: Daran verdienen sie ja nicht.

    Ich war allerdings auch noch nie bei einem Honorarberater sondern habe mich selbständig im Internet informiert und wickle bisher alle meine Finanzangelegenheiten selber ab.

    Ich würde aber darauf achten, dass der Berater wirklich nur Empfehlungen gibt und nicht auch den Verkauf eines Finanzprodukts abwickelt. Andernfalls wäre ich mir unsicher, ob der Berater wirklich nur auf Honorarbasis beraten hat oder nicht doch wieder eine Provision kassiert. Da habe ich anscheinend einen relativ schlechten Eindruck von der Berater-Branche, ganz gleich ob Finanzprodukt oder Versicherung.

    Viele Grüße
    der Finanzfisch

    Antworten
    • Besten Dank für diesen Kommentar. Honoraranlagenberatern und Honorar-Finanzanlagenberatern ist es übrigens gesetzlich verboten, Provisionen für vermittelte Produkte entgegenzunehmen. Bei anderen Honorarberatern, die sich so nennen, aber nicht zu diesen beiden Kategorien zählen, kann man sich da nicht sicher sein, dass sie nicht doch heimlich Provisionen kassieren.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten

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