Norwegischer Staatsfonds: Stabile Renditen mit ETFs?

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Norwegischer Staatsfonds: Der Fonds zur Veranlagung der Öleinnahmen des Landes ist der erfolgreichste Staatsfonds der Welt. Das weckt natürlich das Interesse von Privatinvestoren. Kann man als Privatanleger eine ähnliche Strategie verfolgen?

Und mit einer Art ETF auf den Norwegischen Staatsfonds eine vergleichbare Rendite erwarten? Das ist in der Tat möglich und wir zeigen dir wie.

Herkunft und Geschichte des Norwegischen Staatsfonds

Der nationale Versicherungsfonds wurde bereits 1967 gegründet. Bei diesem Fonds handelte es sich um eine klassische kapitalgedeckte Altersvorsorge zur Veranlagung der Beitragszahlungen.

Ein zweiter Fonds wurde 1990 aufgesetzt und dient der Investition der Erträge aus dem Öl- und Gasgeschäft. Norwegen gehört seit den 1970er Jahren zu den größten Förderländern dieser fossilen Rohstoffe. Die Produktion stieg ab den 70er Jahren und erreichte um das Jahr 2000 einen Höhepunkt. Seitdem nimmt die Fördermenge ab.

Der Ölfonds sollte die Erträge aus Öl- und Gasverkäufen so investieren, dass Norwegen auch nach dem Versiegen dieser fossilen Rohstoffe aus dem Ertrag des Fonds einen dauerhaften wirtschaftlichen Vorteil erzielen kann.

Öl und Gas werden also gegen Anteile an Unternehmen, Anleihen und Immobilien eingetauscht, deren Ertrag langfristig stabiler als das Rohstoffgeschäft ist.

Im Jahr 2006 wurden beide Fonds zum Staatlichen Pensionsfonds oder Norwegischen Staatsfonds zusammengeführt. Dieser Fonds ist der größte Staatsfonds der Welt und erreichte im Jahr 2017 einen Wert von einer Billion US-Dollar. Weil der Fonds auch eine hohe Rendite erzielt, findet er und sein Management regelmäßig das Interesse von Privatanlegern.

Wie wird der Norwegische Staatsfonds verwaltet?

Norwegische Flagge

Das Ziel der Verwaltung ist ein langfristiger und stabiler Ertrag. Die Verwaltung des Fonds erfolgt durch eine Abteilung der Norges Bank, also der Norwegischen Zentralbank.

Die Zusammensetzung des Fonds ist öffentlich bekannt, die Details kannst du auf der Webseite der Norges Bank einsehen.

Seit 1998 investiert der Ölfonds auch in Aktien und erzielte damit bis heute bessere Ergebnisse als der DAX. Das ist darum bemerkenswert, weil der Norwegische Staatsfonds wesentlich breiter aufgestellt und in tausende Aktien in aller Welt investiert ist. Das bedeutet also, dass der Staatsfonds trotz höherer Rendite auch ein geringeres Risiko als der DAX aufweist. Bis heute beträgt der langfristige Ertrag etwa 6 Prozent pro Jahr. Die Norwegische Regierung fordert vom Fondsmanagement einen Mindestertrag von 4 Prozent.

Norwegischer Staatsfonds: Gibt es einen ETF auf diesen Fonds?

Es wäre an sich naheliegend, den Norwegischen Staatsfonds mit einem ETF zu replizieren. Das ist aber praktisch kaum umsetzbar. Zum einen werden die Investitionen erst nach einem Kauf veröffentlicht. Das Management eines ETFs würde die entsprechenden Wertpapiere also nur mit Zeitverzögerung kaufen können. Der Norwegische Staatsfonds ist so groß, dass seine Käufe und möglicherweise auch das Signal eines solchen Kaufs an andere Marktteilnehmer den Preis bewegen können. Außerdem enthält der Norwegische Staatsfonds auch ganze Immobilien, an denen sich ein ETF nicht beteiligen könnte, da keine Anteile gehandelt werden.

Norwegischer Staatsfonds: Kann man als Anleger einen ETF selbst aufsetzen?

Eine genaue Replikation ist nicht möglich, schon aus den für ein ETF Management geltenden Gründen. Für Privatanleger mit durchschnittlichem Kapital sind die Gebühren für Handel mit Wertpapieren dazu noch sehr wichtig, während das bei den von einem Staatsfonds bewegten Summen keine Rolle spielt.

Zusätzlich zu den Schwierigkeiten für ein ETF-Management hätte ein Privatanleger auch noch das Problem, dass einige Wertpapiere so hohe Kurse erreicht haben, dass schon ein einziges unerschwinglich sein kann. Die breite Diversifizierung des Norwegischen Staatsfonds ist gerade seine Stärke und auch mit weit überdurchschnittlichem Privatkapital kaum zu erreichen.

Hat man als Privatanleger auch Vorteile gegenüber dem Management des Norwegischen Staatsfonds?

Es mag dich überraschen, aber solche Vorteile gibt es tatsächlich. Sie beziehen sich hauptsächlich auf Einschränkungen, die dem Staatsfonds von der norwegischen Politik auferlegt werden. Du hast die Freiheit, dich für oder gegen diese Einschränkungen zu entscheiden.

Einschränkungen aus ethischen Gründen

Restriktionen gelten aus ethischen Gründen für bestimmte Unternehmen. Ausgeschlossen sind beispielsweise Unternehmen aus dem militärischen Bereich, die als Massenvernichtungswaffen angesehene Systeme herstellen. Weil dazu auch Flugzeuge als Trägersysteme für Nuklearwaffen gezählt werden, kommt für den Norwegischen Staatsfonds eine Investition in Airbus oder Boeing nicht in Frage.

Eine weitere Einschränkung betrifft Unternehmen aus der Tabakindustrie. Das Management des Norwegischen Staatsfonds hat eigene Berechnungen darüber angestellt, welche Auswirkungen die geltenden Einschränkungen haben. Der Verzicht auf Güter aus den Bereichen der Rüstung und des Tabaks hatte demnach spürbar negative Auswirkungen auf den Ertrag des Fonds.

Einschränkungen aus ökologischen Gründen

Anders verhält es sich mit bestimmten ökologischen Einschränkungen. Der Rückzug aus Investitionen im Bereich der Kohle und des Palmöls hatte tatsächlich positive Auswirkungen auf das Fondsergebnis.

Ökologisch plausibel, wirtschaftlich nicht unbedingt sinnvoll

Es ist durchaus plausibel, dass Investitionen mit einer Betonung auf Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich bessere Ergebnisse bringen. In diesem Fall gibt es also keinen Konflikt zwischen dem ethischen und dem geschäftlichen Interesse. Es lässt sich aber feststellen, dass die Entscheidung nicht immer so klar sein dürfte. Es wird noch einige Zeit dauern, bis fossile Brennstoffe ganz aus dem Energiemix entfernt werden können. Solange ist ein Verkauf aller solcher Investitionen vielleicht ein wünschenswertes politisches Statement, aber nicht unbedingt wirtschaftlich sinnvoll.

Weitere ethisch wenig wünschenswerte Branchen

Letztlich kommen ja die Einnahmen des Norwegischen Staatsfonds selbst aus Öl und Gas.
Was Investitionen in Waffen, Tabak und vielleicht auch noch Alkohol, legalisiertes Cannabis und Glücksspiel betrifft, bleibt ein Engagement deine persönliche Entscheidung. Aktuelle Entwicklungen in Europa legen verschiedene Antworten auf die Frage nahe, ob die Herstellung von Rüstungsgütern wirklich immer moralisch fragwürdig ist.

Wo du als Privatanleger in deiner Entscheidung frei bist

Es gibt noch einen Punkt, in dem du als Privatanleger mehr Freiheiten genießt als das Management eines großen Staatsfonds. Der ursprünglich aufgesetzte Ölfonds Norwegens investierte nur im Ausland, weil Investitionen sehr großer Summen im Inland eine Überhitzung der Norwegischen Wirtschaft auslösen könnten. Diese Überlegung spielt für Privatanleger natürlich keine Rolle.

Praktische Möglichkeiten zur Replikation eines ETFs Norwegischer Staatsfonds

ETFs auf den norwegischen Staatsfonds

Eine erste Möglichkeit ist ein Sample. Aus den Wertpapieren im Norwegischen Staatsfonds wählst du einzelne aus, die repräsentativ für die Gesamtstrategie sind. Das ist aber mit einigem Aufwand verbunden. Ein diversifiziertes Aktienportfolio erfordert mindestens ein halbes Dutzend Aktien. Um deren Entwicklung musst du dich kümmern und schon die Auswahl dürfte einige Arbeit verursachen.

Eine wesentlich bessere Methode ist die Umsetzung mit einigen ETFs, von denen jeder einen Teil des Staatsfonds abbildet. Damit profitierst du schon einmal von den bekannten Vorteilen von ETFs. Sie verrechnen nur niedrige Gebühren und ermöglichen den Aufbau von Kapital durch Sparpläne.
Wir skizzieren hier einige Möglichkeiten, einen privaten ETF Norwegischer Staatsfonds zu konstruieren.

  • Aktienquote. In einem ETF Norwegischer Staatsfonds beträgt sie wie im Fonds selbst 66 Prozent. Diese sind auf über 9.000 Unternehmen in über 70 Ländern aufgeteilt. Der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF mit der ISIN IE00B3YLTY66 und der WKN A1JJTD bildet den All Countries World Investable Markets Index ab und damit 99 Prozent der international handelbaren Aktien. Der Fonds ist noch relativ klein (knapp 450 Mio. USD), damit weniger liquide als größere Fonds und verrechnet leicht überdurchschnittliche Gebühren von 0,4 Prozent pro Jahr.
  • Die Aktienquote in einem ETF Norwegischer Staatsfonds lässt sich auch mit den folgenden zwei ETFs abbilden. Dabei handelt es sich um den iShares MSCI ACWI UCITS ETF mit Gebühren von 0,2 Prozent und den Xtrackers MSCI AC World ESG Screened UCITS ETF, der 0,25 Prozent verrechnet.
  • Anleihenquote. Sie beträgt 30 Prozent und kann mit den folgenden zwei ETFs für eine Gebühr von 0,2 Prozent dargestellt werden. Der Xtrackers Global Government Bond UCITS ETF 5C mit ISIN LU0908508731 und WKN DBX0NM enthält staatliche Anleihen, der iShares Global Corporate Bond UCITS ETF mit ISIN IE00B7J7TB45 und WKN A1J0YD deckt den Bereich der Unternehmensanleihen ab.
  • Immobilienquote. Sie beträgt zwar nur 3 Prozent, du solltest sie aber trotzdem nicht vernachlässigen. Eine Darstellung eines ETF Norwegischer Staatsfonds kann sich auf Immobilienfonds stützen. In Frage kommen dafür der SPDR Dow Jones Global Real Estate UCITS ETF und der iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF mit ISIN IE00B1FZS350 und WKN A0LEW8.

Fazit: Norwegischer Staatsfonds ETF: Was für und gegen ihn spricht

Norwegischer Staatsfonds

Mit der Nachbildung des Norwegischen Staatsfonds verfolgst du eine Anlagestrategie, die auf bewährten Prinzipien beruht und über drei Jahrzehnte eine attraktive Rendite erzielt hat. Die Kombination der von uns angeführten ETFs ist einfach zu handhaben. Anpassungen könntest du vornehmen, was die für den Norwegischen Staatsfonds geltenden Einschränkungen betrifft.

Du hast noch kein Depot? Dann findest du hier eine Übersicht über die Anbieter von ETF-Sparplänen:

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