Absolute Global Markets: Auch in Geldanlagen erfahrene Finanzblogger sind nicht gegen Negativerfahrungen gefeit. Vor allem dann nicht, wenn man – vielleicht etwas naiv – auf eine Mail mit einem Link zu einem Video hereinfällt, dass einem ein quasi passives Einkommen durch den Handel mit Kryptowährungen verspricht . . .
Doch der Reihe nach:
Eine Mail als Auslöser mit der Überschrift: Das neue große Start-Up nach Google und Facebook, das Sie in 7 Tagen reicht macht!
Und dem Zusatz: „(Und es funktioniert tatsächlich)“.
Vor knapp zwei Wochen erhielt ich eine Mail mit dem Betreff „Das neue große Start-Up nach Google und Facebook“ vom Absender „Neues Start-Up“:

Dort ging es um eine App, die mit dem Handel von Kryptowährungen angeblich automatisch Geld verdient, “ . . . indem sie eine einzigartige Software anwendet . . .“, die angeblich von Experten von Google und Apple entwickelt wurde.
„Ein Nutzer muss zu Beginn nur ein Guthaben von 250 EUR bei BitQT aufladen, um den vollautomatisierten Prozess zu starten.“ (Originalzitat aus der erhaltenen E-Mail).

In der Mail ist ein Video verlinkt, in dem der angebliche Journalist, der diese Software im Demomodus testete, in gut 5 Minuten mit dem Einsatz seiner 250 EUR über 40 EUR verdiente.
Dabei wurden in diesen 5 Minuten mindestens 10 verschiedene Trades mit jeweils kleinen Summen durchgeführt, von z. B. 3 EUR, 5 EUR oder 10 EUR.

Nicht jeder Trade war erfolgreich, aber die deutliche Mehrzahl.
Anschließend ließ sich der Journalist seinen Gewinn auszahlen und konnte bezüglich der Auszahlung unter mehreren Varianten wählen, unter anderem zwischen einer Banküberweisung und der Auszahlung auf sein Paypal-Konto.
Er entschied sich für das Paypal-Konto und zeigte auf diesem anschließend die erfolgreich durchgeführte Auszahlung an.
So weit, so gut.
Das hörte sich vielversprechend an und da ich früher selbst programmiert habe, konnte ich mir vorstellen, dass kluge Programmierer, die sich bestens im Währungs- und Kryptohandel auskennen, einen entsprechend cleveren Algorithmus entwickeln können.
In der Mail gab es dann noch den Hinweis, dass man – wenn man sich angemeldet hat – zwecks Verifikation etc. einen Anruf erhält.
Mittlerweile (08.12.2019 um 07:00 Uhr morgens) ist die Website mit dem Artikel über „Neues Start-Up“ (https://www.pikurilla.site/germanybitcoin/) übrigens nicht mehr aufrufbar.
Bitcoin-Circuit und Absolute Global Markets: Wie es dann tatsächlich war – leider ganz anders als in Aussicht gestellt
Als ich in der Mail auf den Link BitQT klickte, um zukünftig ein regelmäßiges passives Einkommen durch den automatisierten Handel mit Kryptowährungen zu generieren, wurde ich zur Website
https://the-bitcoin-circuit.net/app
weitergeleitet, wo ich mich anmeldete und meine Einzahlung von 250 EUR per Kreditkartenzahlung vornahm.
Dort war als Broker AGM angegeben, mit vollem Namen Absolute Global Markets mit Sitz in Bern (Schweiz).
Allerdings hat die Website (https://agmarkets.io) ihre Domain in dem British Indian Ocean Territory und auf meiner Kreditkartenabrechnung sah ich, dass meine Einzahlung in russische Rubel umgetauscht worden war.
Angeblich weil Bitcoin am billigsten an der russischen Börse gekauft werden können, wie der Kundenberater Leon Lombardi mir später wortreich erklärte.
Denn einige Zeit später erhielt ich einen Anruf aus einem Callcenter von einer Dame mit starkem Akzent, die mir erstmal sagte, dass ich mit einer Einzahlung von 250 EUR nicht Millionär werden könnte und mich nach meinen Vorerfahrungen fragte.
Darauf verband sie mich mit dem Kundenberater Leon Lombardi, angeblich Italiener, der aber ebenfalls einen starken Akzent hatte, den ich nicht einordnen konnte.
Auch dieser wollte mich zunächst dazu motivieren, mehr einzuzahlen, ich aber sagte ihm, dass mir regelmäßige Einnahmen aus meiner Einzahlung von 250 EUR für den Anfang völlig ausreichen würden.
Vielleicht würde ich mehr einzahlen, wenn ich das System mindestens vier Wochen erfoglreich getestet hätte.
Herr Lombardi stellte mir erfolgreiche Deals in Aussicht, von einer automatisch handelnden Software war plötzlich keine Rede mehr.
Stattdessen stellte er mir regelmäßige Telefonate in Aussicht, auf die ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte; zumal ich ihn nur zu ca. 80 Prozent wegen seines starken Akzents verstand.
Diese erste Telefonat fand am Montag statt und er machte dann zwei Trades für mich, wodurch mein Guthaben auf 273,54 EUR anwuchs:

Am Dienstag rief er mich wieder an und ich fragte ihn nach dem Zugang zu der automatischen Software, die aber – so wie ich ihn verstand – darin bestand, dass er für mich Deals machen würde und dabei auch auf Tools und Fundamentalanalyse zurückgreifen würde.
Am Dienstag machte er dann keine weiteren Trades für mich und ich beschloss am späten Abend, meinen Versuch mit Absolute Global Markets zu beenden, da das, was mir in dem Werbevideo in Aussicht gestellt worden war, so gar nichts mit der vorgefundenen Realität in Form von Kundenberater Leon Lombardi gemein hatte.
Also stellte ich mein Guthaben von 273,54 EUR zur Auszahlung, wobei wohl nur ganze Euros ausbezahlt werden, denn die 54 Cent verschwanden nach Eingabe des Betrages schon mal im Nirwana:

Die Auszahlung meines Guthabens bei Absolute Global Markets und Bitcoin-Circuit
Am Dienstag vergangener Woche beantragte ich also gegen 22:30 Uhr die Auszahlung meines Guthabens und dort steht es heute (Mittwoch, den 04.12.2019) noch immer zur Auszahlung vorgemerkt.
Nichts ist seitdem passiert.
Herrn Lombardi hatte ich eine Mail mit der Ankündigung der Beendigung der Zusammenarbeit geschickt und er hat sich erwartungsgemäß nicht mehr gemeldet.
Auch habe ich mittlerweile eine Mail an den Support – es gibt eine Extra-Mail-Adresse, um den Support anzuschreiben – aber die haben sich bisher auch nicht gemeldet.
Und dann ist da Frau Niki Johansson von der Rechtsabteilung, der ich einige Unterlagen wie Personalausweis, Kreditkarte (mit teilweise verdeckten Ziffern), eine Erklärung über meine Auszahlung etc. zugeschickt hatte, damit sie mich für den Handel über den Bitcoin-Circuit verifizieren konnte.
Da scheinen sie es sehr genau zu nehmen.
Auch Frau Johansson habe ich angeschrieben, doch auch sie ist auf Tauchstation gegangen.
Meine 273,00 EUR sind also seit dem 26.11.2019 zur Auszahlung vorgemerkt, wurden aber bis heute nicht ausgezahlt.
Ich glaube, solche Firmen wie Absolute Gobal Markets nennt man schlicht und ergreifend Arschlochfirmen.
Das ist schon regelrecht kriminell, was die machen und ich habe heute (05.12.2019) Anzeige bei der Polizei in NRW (online) und bei der Staatsanwaltschaft in Bern, Schweiz, (schriftlich) gegen Absolute Global Markets (AGM) wegen Betrugs erstattet.
Ob ich mein Geld – das ich schließlich nicht verzockt habe – jemals wiederkriege?
Wer weiß das schon . . .
Absolute Global Markets (AGM) sind tatsächlich Betrüger
Hatte ich bisher zumindest die leise Hoffnung, dass ich mein Geld wiederkriegen würde, weiß ich seit Freitag dem 13.12.2019, endgültig, dass dies nicht der Fall sein wird.
Vor dem Anruf von Sarah Smith von AGM, der übrigens aus Zypern kam, hatte ich zwei Einzahlungen auf meinem Konto, die ich mir nicht erklären konnte.
Zunächst 590 EUR am 12.12.2019:

Und dann 560 EUR am 13.12.2019:
Mein Kontostand beim Bitcoin-Circuit mit dem Broker Absolute Gobal Markets im Hintergrund wies am Freitag, den 13.12,2019, also plötzlich einen Saldo von 2.383,54 EUR zu meinen Gunsten aus.
Dann erhielt ich per WhatsApp die Nachricht, dass Sarah Smith von AGM mich sprechen wollte. Kurz darauf rief sie mich an.
Es ging darum, welche finanziellen Ziele ich hätte und ob ich nicht mehr Geld einzahlen wolle, wo es doch mit dem angeblich automatischen System – dass mir neue Gewinne eingebracht hätte – so gut lief.
Als ich Frau Smith sagte, dass ich die Zusammenarbeit abbrechen möchte und mein Guthaben ausgezahlt haben wolle, wurde sie regelrecht ungehalten.
Sie verlangte nach Erklärungen und ich sagte ihr, dass ich ihr keine Rechenschaft schuldig sei.
Daraufhin beschimpfte sie mich als „blöden Mann“ und sagte mir, dass ich mein Geld nicht wiederbekommen würde und dass sie mein Konto bei Absolute Global Markets gerade gelöscht hätte.
Und tatsächlich:
Kurze Zeit später zeigte mein Konto beim Bitcoin-Circuit kein Guthaben mehr an.
Wahrscheinlich waren das alles Luftbuchungen mit dem Ziel, mir noch mehr „echtes Geld“ aus der Tasche zu locken.
Jetzt scheue ich mich nicht mehr, die Firma AGM öffentlich als Betrüger zu bezeichnen.
Mal sehen, was Polizei bzw. Staatsanwaltschaft mir zu Bitcoin-Circuit und AGM sagen können . . .
Jedenfalls habe ich mich dazu entschlossen, nach meinen beiden Anzeigen zum einen bei der Polizei in Deutschland und zum anderen bei der Staatsanwaltschaft in Bern auch noch die schweizerische Finanzaufsichtsbehörde FINMA zu informieren.
Irgendwie muss man dieser Firma mit ihrem betrügerischen Handwerk ja Einhalt gebieten.
Inzwischen habe ich Nachricht von der Staatsanwaltschaft in Bern:
Die haben das Verfahren eingestellt, weil sie nicht zuständig sind. Die angegebene Postadresse von AGM in Bern ist keine gültige Postadresse und ansonsten wechseln sie öfter den Server, damit sie nur schwer zurückverfolgt werden können. Sie existieren lediglich irgendwo im weltweiten Internet.
Von der Polizei in NRW habe ich schlicht und ergreifend noch nichts gehört (20.02.2020) und die Schweizer Finanzaufsicht FINMA hat AGM, die übrigens keine eingetragene Firma sind, auf ihre Warnliste gesetzt.
Und in der Zwischenzeit haben mich darüber hinaus mehrere weitere Opfer kontaktiert, die zum Teil über 70.000 EUR an AGM verloren haben.
Anscheinend ist es heute möglich, so eine Betrugsmasche ohne ernsthafte Konsequenzen durchzuziehen, weil schlicht und ergreifend niemand dafür zuständig ist.
Das ist im Netz ein bisschen so, wie es früher im „Wilden Westen“ wahr.
Kaum zu glauben, aber anscheinend wahr.
Allerdings müssen sich alle „Opfer“ auch eingestehen, dass sie einfach zu leichtfertig waren.
Und das gilt auch für mich.
Übrigens ist dies nicht das erste Lehrgeld, dass ich in meinem Leben gezahlt habe. Auch in der Dotcom-Blase damals war ich investiert und habe einiges an Geld verloren . . . Die Telekom-Aktie lässt grüßen.
Pressemeldung: Schlag gegen Internetbetrüger
Am 7. April 2020 lese ich zum ersten mal etwas in der Presse über Internetbetrug im Zusammenhang mit Kryptowährungen.
Die Süddeutsche Zeitung hat einen Artikel gebracht mit der Headline:
Schlag gegen Internetbetrüger – Zehntausende Anleger betroffen
Über Webseiten wie XTraderFX oder Cryptopoint sollen Anleger um mehr als 100 Millionen Euro geprellt worden sein. Nun wurden zwei Tätergruppen ausgehoben.
„Es ist der bislang größte Schlag gegen Internetbetrüger, die über Plattformen mit Namen wie XTraderFX, Cryptopoint, SafeMarkets oder OptionStarsGlobel Zehntausende Anleger um ihr Geld bringen. In einer groß angelegten Aktion haben Polizei und Staatsanwaltschaften aus Deutschland, Österreich, Serbien und Bulgarien, sowie der europäischen Justizbehörde Eurojust zwei internationale Tätergruppen ausgehoben, die Tausende Anleger um mehr als 100 Millionen Euro geprellt haben sollen. Neun Tatverdächtige wurden verhaftet, darunter ein 36-jähriger Deutscher.
. . .
Die Verdächtigen arbeiteten nach Erkenntnissen der Ermittler für zwei Tätergruppen. Die eine betrieb Internet-Handelsplattformen mit den Namen XTraderFX, Cryptopoint, SafeMarkets, OptionGlobalStars und GoldenMarkets. Die andere Bande unterhielt die Seiten Trade Capital, Fibonetix, Nobel Trade und Forbslab. All diese Internetseiten wurden inzwischen von den Behörden stillgelegt. Über diese Plattformen werden Anleger geködert, ihre persönlichen Daten zu hinterlegen und anschließend einen überschaubaren Geldbetrag – in der Regel 250 bis 300 Euro – zu investieren. Ihnen wird vorgegaukelt, dass das Geld in Kryptowährungen oder Finanzinstrumente wie CFD und Forex investiert wird. Tatsächlich landet jeder Euro umgehend in den Taschen der Kriminellen. „Die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt, die für den Kunden sichtbare Handelsplattform ist ebenso wie das angebliche Kundenkonto reine Täuschung“, so die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.
Speziell geschulte, angebliche „Broker“ animieren die Anleger telefonisch zu immer höheren Geldanlagen. Es gibt Fälle, in denen Opfer sechsstellige Geldbeträge investiert haben. Wer aussteigen will dem werden Verluste vorgegaukelt, die angeblich nur mit weiteren „Investitionen“ rückgängig gemacht werden können. Die angeblichen Broker sind in Wahrheit Mitarbeiter in Call-Centern, die vorwiegend in Osteuropa angesiedelt sind. Genau hier setzte die Aktion der Fahnder am „Action Day“ an.
. . . „
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kryptowaehrungen-betrug-xtraderfx-cryptopoint-1.4871092
Zwar konnte ich dem Artikel nicht entnehmen, ob auch AGM von den Ermittlungen betroffen ist – die Wesite ist nach wie vor online – , doch ist es zumindest beruhigend zu wissen, dass die Justiz in diesem Fall nicht untätig war.
Jedenfalls habe ich abermals gelernt, dass es keine Abkürzung auf dem Weg zu Wohlstand und Reichtum gibt. 🙂
Wenn du also reich werden willst, dann probiere es besser mit einem soliden ETF-Sparplan und regelmäßigen Einzahlungen, zum Beispiel auf ein Depot bei der Consorsbank.
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