Anlageberatung: Wie du zeitlich gestaffelte Sparziele realisierst

Lesedauer 5 Minuten

Wer spart, hat häufig unterschiedliche Sparziele. Und diese beziehen sich oft auf verschiedene Zeithorizonte. Lerne hier, wie du diese Sparziele koordinierst und die erforderliche Gesamtsparquote ermittelst.

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Sparer haben oft mehrere Sparziele, die sie gleichzeitig verfolgen wollen.

Aufgabe einer Anlageberatung ist dann u. a., die Ziele zu strukturieren und die jeweils erforderlichen Sparquoten sowie die Gesamtsparquote zu ermitteln.

Darüber hinaus müssen für Sparziele mit unterschiedlichen Zeithorizonten auch die jeweils geeigneten Sparformen (Geldanlageinstrumente) gefunden werden.

Wie du dabei am besten vorgehst, sei an einem Beispiel erläutert.

Unterschiedliche Sparziele bei einer Anlageberatung herausarbeiten

Sparziele bei einer Anlageberatung herausarbeiten

Da ist einerseits kurzfristig die nächste Fernreise in die USA, die in 7 Monaten stattfinden soll.

Andererseits ist in 5 Jahren ein neues Auto fällig (mittelfristig).

Und langfristig soll eine private Altersvorsorge aufgebaut werden.

Das heißt, dass Sparer oft ein Konzept für ihre Geldanlage brauchen, das zeitlich unterschiedlich gestaffelte Sparziele berücksichtigt.

Dabei sollte auch klar sein, dass solche Sparziele nicht mit lediglich 50 Euro pro Monat zu realisieren sind.

Da muss die Sparrate schon deutlich dreistellig sein.

Doch wie kannst du die erforderliche Sparquote möglichst exakt ermitteln?

Der Zeitstrahl zur Ermittlung verschiedener Sparziele

Ein graphisches Instrument, um individuelle Sparziele im Zeitablauf bei einer Anlageberatung zu strukturieren, ist der Zeitstrahl.

Diesen habe ich früher als MLP-Berater oft in meinen Geldanlageberatungen eingesetzt.

Der Zeitstrahl ergibt ein sehr übersichtliches Bild.

Ein Beispiel:

Heute    7  Monate                                    5 Jahre                                                                      35 Jahre

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Fernreise                                         neuer PKW                                                       private Altersvorsorge

USA                                                 15.000 EUR                                                            270.000 EUR

3.000 EUR

Zusätzliche Sparziele können auf diesem Zeitstrahl jederzeit problemlos eingefügt werden.

Ermittlung der Sparraten für die jeweiligen Sparziele

Sparraten bei einer Anlageberatung ermitteln

Im nächsten Schritt sind die erforderlichen Sparraten für die jeweiligen Sparziele zu ermitteln.

Kurzfristige Sparziele

Für kurzfristige Sparziele kommt am ehesten Tagesgeld als Sparform in Betracht.

Ein Blick auf den Tagesgeldvergleich bei zinspilot.de  zeigt, dass wir momentan (September 2020) einen Zinssatz von 0,3 Prozent erhalten können.

Mit Hilfe des Sparrechners können wir errechnen, dass wir bei einem Zinssatz von 0,3 Prozent jeden Monat 428,14 EUR für die Fernreise in die USA in 7 Monaten zurücklegen müssen, um die gewünschten 3.000 EUR anzusparen.

Mittelfristige Sparziele

In ca. 5 Jahren soll ein neues Auto gekauft werden, wofür 15.000 EUR zur Verfügung stehen müssen.

Es kann gerne ein guter Gebrauchter  sein und für den dann zu verkaufenden jetzigen PKW gibt es schätzungsweise noch 3.500 EUR.

Das bedeutet, dass ich nur noch 15.000 – 3.500 EUR = 11.500 EUR ansparen muss.

Bei einem zeitlichen Horizont von 5 Jahren bin ich bezüglich der Anlageform hin und her gerissen:

Und zwar zwischen Tages- oder Festgeld mit entsprechend niedrigen Zinsätzen (lediglich 0,25 Prozent bei Tagesgeld) und einer Anlage in Aktien-ETFs, die mir voraussichtlich durchschnittlich 6 Prozent p. a. bringen wird.

Allerdings habe ich bei Aktien-ETFs das Risiko, dass es jederzeit zu einer Kurskorrektur an den Börsen dieser Welt kommen kann.

Entscheide ich mich trotzdem für Aktien-ETFs, muss ich bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent p. a. monatlich 164,65 EUR zurücklegen, um nach 5 Jahren 11.500 EUR zur Verfügung zu haben.

Würde ich dagegen auf einem Tagesgeldkonto sparen, müsste ich bei einem Zins von aktuell 0,25 Prozent p. a. (z. B. weltsparen.de) 190,45 EUR pro Monat zurücklegen.

Langfristige Sparziele

Mein langfristiges Sparziel möge die private Altersvorsorge sein.

Und zwar möchte ich in 35 Jahren (heutiges angenommenes Alter 32 Jahre) eine private Zusatzrente von 1.000 EUR monatlich für mindestens 35 Jahre (dann wäre ich im Beispiel 102 Jahre alt) mit einer jährlichen Dynamik von 2 Prozent (Inflationsausgleich) haben.

Zur Berechnung meines erforderlichen Kapitals nutze ich den Entnahmeplan, der ergibt, dass ich in 35 Jahren ein Kapital von rund 270.000 EUR benötige, um monatlich 1.000 EUR an privater Rente mit einer Dynamik von 2 Prozent p. a. (Inflationsausgleich) zur Verfügung zu haben.

Dabei gehe ich davon aus, dass ich das Alterskapital zu 3 Prozent anlegen kann. Dies ist zugegeben reine Spekulation, denn was in 35 Jahren ist, kann heute niemand sicher voraussagen.

Wenn ich dieses Kapital mit Aktien-ETFs bei einer durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent p. a. anspare, muss ich monatlich 195,56 EUR zurücklegen.

Ermittlung der Gesamtsparsumme als Aufgabe einer Anlageberatung

Wieviel muss ich insgesamt pro Monat sparen, um alle drei Sparziel jeweils zu ihrem anvisierten Zeithorizont zu erreichen?

Sparziel Benötigtes Kapital Monatliche Sparsumme
Fernreise USA 3.000 EUR 428,14 EUR
Gebrauchtwagen 11.500 EUR 164,65 EUR
Private Altersvorsorge 270.000 EUR 195,56 EUR
Summe Sparraten   788,35 EUR

Insgesamt muss ich also in diesem Beispiel 788,35 EUR pro Monat sparen, um alle drei Sparziele jeweils zum gewünschten Zeitpunkt zu erreichen.

Dabei sind übrigens der Einfachheit halber noch keine Steuern und keine Inflation berücksichtigt worden.

Fazit

Langfristige Sparziele mit ETFs realisieren

Wenn du mehrere Sparziele verfolgst, macht es Sinn, diese zunächst auf einem Zeitstrahl einzutragen mit ihrer jeweiligen monetären Größenordnung.

Im nächsten Schritt sind die entsprechenden Sparformen auszusuchen, mit denen ich mein jeweiliges Sparziel realisieren kann.

Für kurzfristige Sparziele sind dies vor allem Tages- und / oder Festgeld und mittel- bis langfristig vor allem Aktien-ETFs bzw. eine Kombination verschiedener Anlageklassen (siehe Portfoliotheorie).

So kannst du als ETF-Investor in der noch immer andauernden Niedrigzinsphase noch eine ordentliche Rendite bei zugegeben höherem Risiko erzielen.

Wobei das Risiko vor allem in einem plötzlichen Einbruch an den Weltbörsen besteht.

Ob er dieses Risiko eingehen möchte, muss jeder Sparer selbst für sich entscheiden.

Im nächsten Schritt ermittle ich dann mit dem Sparrechner und dem Entnahmerechner die jeweiligen Sparraten.

Diese beiden kostenlos im Internet zur Verfügung stehenden Rechner haben mir schon oft wertvolle Dienste bei einer Anlageberatung oder für mich selbst geleistet.

Auf diese Weise kann ich mehrere Sparziele

  • strukturieren,
  • koordinieren und die
  • insgesamt erforderliche Sparquote ermitteln.

Übrigens sparen die Deutschen im Schnitt etwa 10 Prozent ihres Einkommens.

Nur, dass sie es noch immer gerne auf dem Sparbuch oder als Tagesgeld / Festgeld anlegen und eher selten in Aktien.

Doch auch das ändert sich langsam.

Erfreulicherweise ist vor allem bei den Jüngeren der Anteil der Aktienbesitzer im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

„Besonders groß war der Sprung bei den 25- bis 34-Jährigen, wo der Anteil bereits bei 33 Prozent liegt“,

sagt Björn Andersen, Head of Product Management bei der Consorsbank.

Doch nach zwei Jahren steigenden Aktionärszahlen ist der positive Trend 2019 ins Stocken geraten.

Insgesamt gab es 2019 in Deutschland rund 9,7 Millionen Menschen, die Aktien oder Aktienfonds besaßen.

Im Vergleich zum Vorjahr kehrten damit knapp 660.000 Anleger der Börse den Rücken.

Lediglich 15,2 Prozent oder knapp jeder siebte Bundesbürger, der älter als 14 Jahre ist, besitzt demnach Aktien oder Aktienfonds (Quelle: Deutsches Aktieninstitut).

Die Jüngeren können bei langfristigen Sparzielen – wie zum Beispiel der privaten Altersvorsorge – einen möglichen Crash an der Börse besonders leicht aussitzen.

Insgesamt steigt aber die Anzahl der Aktien- bzw. Fondsbesitzer in 2020 an. Vor allem ETFs erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Ein erfreulicher Lichtblick bei der ansonsten eher spärlich ausgeprägten Aktienkultur in Deutschland.

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