Boersencrash: Wie du bei einer Baisse richtig reagierst

Lesedauer 5 Minuten

Vor einem Boersencrash hat jeder Anleger Angst. Doch wie reagierst du beim Crash richtig? Hier findest du Empfehlungen für das richtige Verhalten, wenn die Kurse stärker einbrechen.

Auch bei Turbulenzen an den Börsen sollten Anleger die Ruhe bewahren. Das gilt auch für den aktuellen Boersencrash anlässlich der Ausbreitung des Coronavirus.

Auch, wenn es schwer ist, dann nichts zu tun.

Aber zu verkaufen wäre das Falscheste, was du dann tun könntest.

Doch hier zunächst eine Übersicht über den Artikel:

[lwptoc]

Aktien sind langfristig die rentabelste Anlageform

Mit Aktien-ETFs dem Boersencrash trotzen.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass ein global diversifiziertes Aktienportfolio für Privatanleger langfristig die rentabelste Anlageform ist.

Rentabler als

  • Staatsanleihen,
  • Unternehmensanleihen,
  • Sparbücher,
  • Eigenheime,
  • Gewerbeimmobilien,
  • Rohstoffe,
  • Gold

und von diesen Anlageklassen abgeleitete Produkte wie Kapital-Lebensversicherungen, Investmentzertifikate, geschlossene Fonds sowie Anteile an Private-Equity- und Hedge-Fonds sind.

Das war im Durchschnitt der letzten 150 Jahre so und wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft so bleiben:

Denn die risikoreichste Anlageklasse Aktien muss auch den höchsten Ertrag bringen.

Ein Boersencrash kann jederzeit kommen

Unter einem Boersencrash soll hier ein allgemeiner Aktienmarkteinbrauch um mehr als 30 Prozent innerhalb von 24 Monaten verstanden werden.

Diese sind mehr oder minder normal.

Typischerweise gehen Aktienmärkte drei Schritte vorwärts und dann zwei – und gelegentlich auch mehr – Schritte zurück.

Es hat immer Kursstürze gegeben und es wird sie immer wieder geben, wobei die Ursachen vielfältig sein können:

Sie reichen von Fehlentscheidungen wichtiger Entscheidungsträger (z. B. Politiker oder Zentralbanker)  bis zum Herdenverhalten der Anleger, die in Spitze der Hausse (Börsenaufschwung) alle kaufen und in der Baisse (Börsenabschwung) alle verkaufen.

Boersencrash schockt Anleger

Dabei waren die letzten hundert Jahre eine Aneinanderreihung von Megakrisen und Katastrophen:

Man denke nur an den 1. Weltkrieg, die Weltwirtschaftkrise von 1929, den 2. Weltkrieg, die Ölkrisen in den 70er Jahren, die geplatzte Dotcom-Blase im Jahre 2000 und die Finanz- und Eurokrise von 2008/2009.

Deshalb sollte sich niemand, der in Aktien investiert, sich jemals über einen Boersencrash wundern.

Dieser kann sich über zwei bis drei Jahre oder auch mehr Jahre erstrecken und ist eine Art Selbstreinigungsprozess der Märkte.

Die Erholung der Börse kann dann durchaus länger dauern.

Kein Experte kann einen Boersencrash treffsicher voraussagen

Börseneinbruch

Einen Boersencrash anders als mit Glück richtig vorauszusagen ist unmöglich.

Zwar verkünden in den Medien vor allem selbst ernannte Gurus immer wieder den bevorstehenden Crash und wenn dieser da war dann das nächste Allzeithoch.

Doch kein Experte dieser Welt kann einen Crash treffsicher vorhersagen.

Denn das Investment in Aktien beruht auf Risiko.

Risiko ist der Preis für Rendite

Gäbe es kein Risiko in Form drastischer Kursverluste, könnte es auch keine Anlageklasse geben, die langfristig mehr Rendite bringt als sichere Anlagen wie kurzfristige Staatsanleihen oder Sparbücher erzielen.

Deshalb ist Risiko der Preis von Rendite.

Und Rendite gibt es nicht trotz, sondern wegen des mit ihr einhergehenden Risikos.

Deshalb tritt Risiko auch stets überraschend auf.

Zum Beispiel dann, wenn die Aktienmärkte schon seit langem nur eine Richtung kennen – nämlich nach oben – und in der Bild-Zeitung heiße Aktientipps gehandelt werden.

Oder der Taxifahrer dir erzählt, welche Aktien er gerade gekauft hat.

Verhaltensempfehlungen für den Crash

Verhaltensempfehlungen beim Börsencrash

Jetzt wissen wir also, dass wir jederzeit mit einem Boersencrash rechnen müssen.

Wenn wir langfristig in Aktien bzw. ETFs investieren, werden wir aller Voraussicht nach nicht von einem Crash verschont bleiben.

Da stellt sich natürlich die Frage:

Was tun im Boersencrash?

Und die Antwort lautet:

Nichts. Gar nichts.

Auf keinen Fall verkaufen.

Denn dann würden ja aus den Buchverlusten reale Verluste.

Statt dessen bietet ein Börsencrash eine gute Möglichkeit zum Nachkaufen, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken.

Doch das ist leichter gesagt als getan, weil vielen Menschen ihre Psyche einen Strich durch die Rechnung macht, weil sie ihre Risikotragekapazität falsch eingeschätzt haben.

Denn die Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten, wenn die Kurse über längere Zeit fallen und immer neue Tiefststände auf unseren Depotauszügen markieren, ist leichter gesagt als getan.

Deshalb gilt:

Investiere nur in Aktien, wenn du

  1. glaubst, dass die globalen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen während deiner geplanten Anlagedauer aus heutiger Sicht nicht wesentlich schlechter sein werden als im Durchschnitt der letzten 100 Jahre,
  2. wenn du von der langfristigen Regression zum Mittelwert am Aktienmarkt überzeugt bist,
  3. damit rechnest, dass jederzeit ein Börsencrash kommen kann,
  4. in einen Mix aus risikobehafteten und risikofreien Anlagen investiert hast, die deiner Risikotragekapazität entsprechen und du in einer Krisensituation keine Änderungen an deinem Investment vornehmen wirst.

So sicher der nächste Crash kommt, so sicher geht es nach einem Boersencrash auch irgendwann wieder aufwärts:

„Aktienmärkte unterliegen einer unaufhaltsamen Tendenz der Regression zum Mittelwert. Das bedeutet, dass sie irgendwann zu ihrem `wahren` Wert zurückschwingen; daher werden überteuerte Märkte schließlich einmal absacken und unterbewertete Märkte irgendwann einmal wieder zulegen.“

Burton Malkiel, Wirtschaftsprofessor an der Princeton University

Fazit: Bei einem Boersencrash nicht in Panik verkaufen

Börseneinbruch an den Märkten der Welt

Die Börsen dieser Welt sind durch ein stetiges Auf und Ab gekennzeichnet.

Nach Phasen langfristigen Aufwärtstrends kommt also irgendwann auch wieder ein Einbruch oder gar ein Boersencrash.

Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Und nach längeren Abwärtsphasen kommt irgendwann wieder ein Aufschwung, vielleicht mit einem neuen Allzeithoch.

Zumindest galt das für die vergangenen 100 Jahre, die wirklich reich an Krisen waren.

Trotzdem waren Aktien in dieser Zeit die Anlageklasse mit der höchsten Rendite.

Weil sie von allen Anlageklassen auch das höchste Risiko haben.

Wichtig ist, dass du dir – bevor du investierst – über deine Risikotragekapzität im Klaren wirst.

Wie lange hältst du es aus, dass deine Aktien(-ETFs) von Tag zu Tag weniger an Wert aufweisen, ohne dass du in Panik verfällst und den größten Fehler machst, den du machen kannst:

Nämlich zu verkaufen und damit deine Verluste zu realisieren?

Darüber musst du dir klar werden, bevor du als ETF-Investor ein Portfolio aus Wertpapieren aufbaust.

Eine Börsenregel lautet übrigens:

Buy on bad news.

Kaufe also bei schlechten Nachrichten.

Und bei dem aktuellen Zinsniveau gibt es eigentlich kaum ein Alternative zu Aktien.

Natürlich in Form von ETFs.

Wann kaufst du deinen ersten ETF?

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8 Gedanken zu „Boersencrash: Wie du bei einer Baisse richtig reagierst“

  1. ja, das stimmt schon dass man eine Crash nicht voraussagen kann – aber VORAUS AHNEN kann man ihn schon..
    Viele denken ja immer, bei dem vielen billigen Geld da können ja die Indizes gar nicht einbrechen – was aber wenn jetzt infolge der chinesischen Coronagrippe ein weltweites Debakel ausgelöst wird ? Alleine die ganzen amerikanischen Firmen die wegen ihrer Aktienrückkäufe auf ganz dünnem Eis stehen..
    Was wenn da ein paar wenige alle anderen in ein düsteres Loch hinabziehen aus dem niemand mehr jemals ans Tageslicht zurück findet ???

    lg

    Antworten
    • Und was ist, wenn Morgen die Welt untergeht?

      Als Anleger sollte man schon einigermaßen optimistisch in die Zukunft schauen. 🙂

      Und etwas zu ahnen hilft gar nichts, denn:

      „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

      (Helmut Schmidt)

      Antworten
  2. Ruhig bleiben ist der beste Rat, wenn es an der Börse hoch her geht. Deswegen halte ich auch nichts davon, alles aus eine Karte zu setzen und nur Aktien zu kaufen. Eine ausgewogene Asset Allokation macht sich auch bei Niedrigzinsen bezahlt. Wenige Anleihen und auch Rohstoffe helfen dabei, ein Depot krisenfest aufzustellen. Dann kann man auch einen Crash aushalten.

    Antworten
  3. Hallo Herr Nawatzki,

    vielen Dank für diesen sehr gut geschrieben Artikel, mir gefällt eigentlich den ganzen Blog, danke für Ihre Zeit und Arbeit!

    D.

    Antworten
  4. Sehr guter Leitfaden für das beschriebene Szenario.

    Halte es deshalb immmer für notwendig, genügend Liquidität innerhalb des eigenen Kapitals zu haben, um auf das Martkgeschehen zu reagieren.

    Antworten

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