ETF Rating: Rezension und Interview mit Dr. Markus Thomas zum ETF-Anlegerbuch

Lesedauer 6 Minuten

ETF Rating: Dr. Markus Thomas betreibt eine ETF-Rating-Agentur und ist Autor eines sehr lesenswerten Buches über ETFs. Hier findest du ein Interview mit ihm sowie eine Rezension seines aktuellen Buches „Das ETF-Anlegerbuch – Alles über börsengehandelte Indexfonds. So funktionieren ETFs, Börsenhandel und Sparpläne mit ETFs“.

Herr Thomas, Sie haben kürzlich „Das ETF-Anlegerbuch“ veröffentlicht, dass ich mit großem Interesse und Gewinn gelesen habe. Es hat doch deutlich andere Schwerpunkte als die „ETF-Bibel“ von Gerd Kommer. Den größten Vorteil Ihres Buches sehe ich in den konkreten ETF-Empfehlungen, die Sie abgeben.

ETF Rating

Interview

  • Wie sind Sie als studierter Volkswirt und promovierter Historiker überhaupt auf das Thema ETFs gekommen?
    MT: Mein Studium habe ich „diversifiziert“ gestaltet: Volkswirtschaft, Politik und Geschichte. Meine erste Anstellung erfolgte bei einer Fondsgesellschaft. So bin ich Schritt für Schritt vom Investmentfonds-Spezialisten zum ETF-Experten geworden.
  • Sie haben vor einigen Jahren XENIX gegründet, eine Ratingagentur für ETFs. Wie ist die Idee dazu entstanden?
    MT: XENIX führt nicht ohne Grund zweimal den Buchstaben X im Firmennamen. Wir konzentrieren uns auf ETFs und bewerten jeden einzelnen ETFs nach seiner Qualität. Das unterscheidet uns von allen anderen Anbietern, die ETFs rein quantitativ nach Performance bzw. Kosten miteinander vergleichen.
  • Wie funktioniert das Rating im Detail?
    MT: Das XENIX-Qualitätsrating ist mehrdimensional. Wir untersuchen pro ETF u.a. die Qualität des Index, die Nachbildungsgenauigkeit des ETFs sowie die Kosten des ETF-Börsenhandels. Im Ergebnis können Anleger anhand der XENIX STARS mit eins bis fünf Sternen erkennen, ob ein ETF überdurchschnittlich gut gemäß den Indexvorgaben investiert.
  • Inwiefern kann das Rating für Privatanleger von Nutzen sein?
    MT: Da das XENIX-Qualitätsrating viele Aspekte wie z.B. die Tracking Difference, die Transparenz der Anbieter, aber auch die Kosten des ETF-Börsenhandels auf Xetra berücksichtigt, können Anleger darauf vertrauen, dass ETFs mit drei oder vier XENIX STARS langfristig besser abschneiden als ETFs, die nur zwei Sterne erhalten.
  • Kostet Ihre Dienstleistung etwas für Privatanleger?
    MT: Unsere ETF-Ratings erstellen wir v. a. für Banken, aber auch auf Anfrage für private Anleger. Wir erstellen z. B. individuelle ETF-Rating-Reports, damit Anleger auf der Zinsseite mit Anleihen-ETFs guter Qualität ihr Portfolio ertragsstärker aufstellen können. Ins „Anleger-Mentoring“ fließen auch unsere ETF-Ratings ein, wenn es darum geht, die geeignete Portfolio-Strategie und passende ETF-Sparpläne zu finden. Für die Rating-Reports und das Mentoring berechnen wir ein Honorar ähnlich wie Steuerberater oder Anwälte.
  • Wann werden Privatanleger auf die Datenbank von Xenix zugreifen können?
    MT: Unsere ETF-Ratings zu ausgewählten Anlagesegmenten veröffentlichen wir schon regelmäßig in unterschiedlichen Medien. Privatanleger können über individuelle ETF-Rating Reports kostenpflichtig die Ergebnisse unserer Datenbank für rund 2.000 ETF-Ratings nutzen.
  • In Ihrem Buch, Das ETF-Anlegerbuch, gehen Sie auf verschiedene Anlageklassen ein, die Sie ggfs. in ein Portfolio aufnehmen würden:

Sie gehen ein auf

  • Anleihen,
  • Aktien,
  • Immobilien, die in einem Weltaktienindex bereits ausreichend vorhanden sind und
  • den Geldmarkt.

Nicht jedoch auf Rohstoffe.

Rohstoffe

Können Sie Privatanlegern nicht empfehlen, ihr Risiko zusätzlich mit der Anlageklasse Rohstoffe zu diversifizieren?

MT: Die Anlageklasse „Rohstoffe“ ist für ETF-Anleger nur über Rohstoff-Derivate investierbar. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu Anleihen- oder Aktien-ETFs. Deshalb kann man die Anlagestrategie „Rohstoff-Derivate“ als spekulativ und damit als ungeeignet für Privatanleger betrachten. Zudem haben ETFs mit Rohstoff-Derivaten den großen Nachteil, dass sie keine regelmäßigen Erträge wie Zinsen oder Dividenden erwirtschaften.

  • In Ihrem Buch widmen Sie ein ganzes Kapitel dem Thema „Börsenhandel“. Worauf sollten Privatanleger achten, wenn sie eine Direktbank bzw. einen Online-Broker auswählen?
    MT: Im Prinzip sollten ETF-Anleger bei der Auswahl ihrer Bank, bei der sie ihre ETFs verwahren lassen möchten, auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis achten. Für ETFs bedeutet dies, dass eine Bank Anlegern ermöglichen sollte, über mehrere Börsenplätze handeln zu können. Zudem sollten Anleger darauf achten, dass sie zu niedrigen Bankkosten monatliche ETF-Sparpläne abschließen können.
  • Sie empfehlen ja primär in breite Weltaktien- und Weltanleihen-ETFs zu investieren. Wie stehen Sie zu Themen-ETFs, auch Megatrend-ETFs genannt, wie zum Beispiel Blockchain-ETFs oder ETFs zum Thema Gesundheit oder Technologie – um nur einige Themen zu nennen, die zum Teil in der letzten Zeit eine hohe Performance hingelegt haben?
    MT: Es ist richtig, dass ich Anlegern grundsätzlich einen Vermögensaufbau mit marktbreiten und globalen ETFs für Anleihen und Aktien empfehle. Das Streben nach maximaler Diversifikation bringt erfahrungsgemäß Anlegern viel mehr als „engen Trends“ hinterherzurennen, die meist deutlich höhere Kosten und auch Risiken für Anleger bedeuten.
  • Ein anderes Schwerpunktthema ist aktuell das Thema Nachhaltigkeit. Worauf sollten Privatanleger bei der ETF-Auswahl achten, denen dieses Thema besonders am Herzen liegt?
    MT: Das Label „Nachhaltigkeit“ wird bei ETFs oft mit den Akronymen „ESG“ oder „SRI“ abgekürzt. Es gibt im Prinzip drei Arten von nachhaltigen ETFs: 1: ETFs, die wirklich nur wenige nicht nachhaltige Unternehmen ausschließen. 2: ETFs, die rund 50 % des Marktes mit nachhaltigen Unternehmen abdecken wollen. 3: ETFs, die sich auf die rund 10 % nachhaltigsten Unternehmen konzentrieren.
  • Ein Kapitalmarktexperte hat einmal vor einigen Jahren ETF-Sparpläne als „größte Finanzinnovation des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Wie sehen sie ETF-Sparpläne? Sind sie tatsächlich der „Heilsbringer“ für Kleinanleger, die sich ein privates Vermögen aufbauen wollen?
    MT: ETF-Sparpläne für deutsche Anleger sind in den letzten Jahren von einer anlegerfreundlichen Ansparmethode zu einem Standard-Angebot vieler Banken geworden. Das ist wirklich bemerkenswert und erfreulich. ETF-Anleger sollten aber besonders auf die „technischen Details“ von ETF-Sparplänen achten, wie z.B. Transaktionskosten der Bank sowie gegebenenfalls zusätzliche Börsenhandelskosten. Da gibt es erhebliche Unterschiede, selbst zwischen den bekannten Direkt- und Onlinebanken.
  • Haben Sie eigentlich weitere Buchveröffentlichungen geplant, Herr Thomas?
    MT: Ich arbeite schon am nächsten ETF-Anlegerbuch. Ich plane, dann vor allem über ETFs mit überdurchschnittlich guter Qualität zu schreiben, damit Anleger leichter Qualitäts-ETFs bei Anleihen und Aktien für ihr Portfolio kombinieren können. Da gibt es einen großen Nachholbedarf, insbesondere bei Anleihen-ETFs aber bei auch nachhaltigen ETFs, deren Indexmethoden viele Anleger oft überfordern.
  • Und zum Abschluss eine Frage, die sicherlich viele meiner Leser interessiert: Wie würden Sie 10.000 oder 20.000 EUR anlegen, wenn die das Fundament Ihrer privaten Altersvorsorge sein sollen?
    MT: Ihre Leser sollten meines Erachtens zehn Jahre lang mit 100 EUR pro Monat in zwei globalen Anleihen- und Aktien-ETFs mit ETF-Sparplänen investieren. Dies entspricht einer Anlagesumme von 12.000 EUR. Anleger beachten zu selten, dass es mehrere Faktoren für den Anlageerfolg mit ETFs zusammenkommen müssen. Neben Qualitäts-ETFs und niedrigen Bankkosten bestimmt jeder Anleger durch die Anlagedauer und damit durch sein persönliches Verhalten wie erfolgreich seine private Altersvorsorge mit ETFs sein wird.

ETF Rating: Das ETF-Anlegerbuch

Den Lesern von ETF-Blog.com, die tiefer in die Materie ETFs, Börsenhandel und Sparpläne mit ETFs einsteigen wollen, sei das folgende Buch von Markus Thomas ans Herz gelegt:

Thomas, Markus: Das ETF-Anlegerbuch – Alles über börsengehandelte Indexfonds. So funktionieren ETFs, Börsenhandel und Sparpläne mit ETFs, XENIX Media, Berlin 2020, 263 Seiten, EUR 27,80.

Buchbesprechung

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln und zwei Anhängen und umfasst 263 Seiten. Zum Einstieg in Kapitel 1 wird erläutert, nach welchen Kriterien Anleger eine geeignete Online-Bank aussuchen, wie sie einen ETF erwerben und wie sich ein globales ETF-Portfolio für Einsteiger und für fortgeschrittene Anleger zusammensetzen sollte.

Kapitel 2 befasst sich mit den Nobelpreisträgern Markowitz und Sharpe und behandelt die moderne Portfoliotheorie als Grundlage für passives Investieren. Unter anderem geht es um das Verhältnis von Risiko und Rendite.

Im 3. Kapitel werden einige häufig anzutreffende grundsätzliche Auswahl- und Verhaltensfehler von Menschen betrachtet, die ihr Geld in Wertpapieren aller Art anlegen.

Kapitel 4 geht auf zwei Persönlichkeiten ein, die mit ihren Fonds und Büchern über das Investieren nicht nur neue Anlagemöglichkeiten eröffnet haben. Es geht um den Gründer der Investmentgesellschaft Vanguard, John Bogle, der den ersten Indexfonds auflegte und Prof. Martin Weber mit seinem Weltfonds.

In Kapitel 5 erfährt der Leser, welche Rolle die Staatsverschuldung und die Leitzinsen der Zentralbanken spielen. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk der Null- oder gar Negativzinspolitik einiger Zentralbanken in den Industrienationen.

Während sich Kapitel 6 mit dem ETF-Angebot in Europa befasst, geht es im 7. Kapitel um den Börsenhandel von ETFs. Denn um mit ETFs erfolgreich zu sein, muss man wissen, wie eine Aktienbörse funktioniert und welche Besonderheiten der ETF-Handel aufweist. Gerade in diesem Kapitel kommt dem Autor seine Berufserfahrung in Fondsgesellschaften und bei ETF-Anbietern besonders zugute.

Kapitel 8 befasst sich dann mit den Machern von Indizes wie Dow, MSCI oder STOXX und unterschiedlichen Konzepten für Aktien- und Anleiheindizes.

Ab Kapitel 9 wird es dann sehr konkret: Hier geht es um ein ETF-Strategie-Portfolio mit zwei globalen Basis-ETFs.

Um Anleihen-ETFs geht es dann konkret in Kapitel 10, während es in Kapitel 11 um verschiedene Kategorien von Aktien-ETFs geht. In Kapitel 12 geht es dann schließlich um Geldmarkt-ETFs und Misch-ETFs, während Kapitel 13 als Schlussbetrachtungen dieses Buch beschließt.

Auch Anhang A ist für Privatanleger sehr interessant, denn hier geht es um das Thema ETF und Steuern, während der Leser in Anhang B das Literaturverzeichnis findet.

Fazit: ETF Rating und das neue ETF-Anlegerbuch

Insgesamt ist das Buch „Das ETF-Anlegerbuch – Alles über börsengehandelte Indexfonds“ wesentlich praxisorientierter als Kommers „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“. Während Kommer kaum konkrete ETFs empfiehlt, finden sich bei Thomas zahlreiche ETF-Empfehlungen mit der dazugehörigen ISIN bzw. WKN.

Kommers Werk liefert sozusagen den perfekten theoretischen Background, während das Buch von Thomas konkrete Hilfestellung bei der Auswahl in Frage kommender ETFs bietet. Ich halte es für unverzichtbar, wenn man fundiert in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) investieren möchte.

Thomas, Markus: Das ETF-Anlegerbuch – Alles über börsengehandelte Indexfonds. So funktionieren ETFs, Börsenhandel und Sparpläne mit ETFs, XENIX Media, Berlin 2020, 263 Seiten, EUR 27,80.

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