Serie über Börsenindizes: Rohstoffindizes

Lesedauer 4 Minuten

Seit es bei Schwellenländern wie China, Brasilien oder Indien wirtschaftlich bergauf geht, ist die Nachfrage nach Rohstoffen rasant gestiegen – und die Preise sind in die Höhe geschnellt. Daran können auch Privatanleger unter anderem mit ETFs auf Rohstoffindizes teilhaben.

„Obwohl Rohstoffpreise sehr volatil (schwankend, Anm. d. Verf.) sind, kann ein Rohstoff-Investment den disziplinierten und geduldigen Anleger belohnen.“

Larry Swedroe, Forschungsdirektor von Buckingham Asset Management und Finanzbuchautor

Wie sich Rohstoffpreise bilden

Rohstoffindizes

Rohstoffe unterscheiden sich stark von anderen Anlageformen. So können die meisten Rohstoffe im Gegensatz zu Aktien nicht einfach physisch gehandelt werden. Welcher Anleger kauft schon hunderte Kilos Kakao und lagert diese in der Garage?

Deshalb werden Rohstoffe an sogenannten Warenterminbörsen gehandelt. Dort gibt es unter anderem den Handel mit Terminkontrakten (Futures).

Dabei ist ein Terminkontrakt (Future) eine Liefervertrag über einen Rohstoff mit einer

  • fest definierten Menge,
  • einer standardisierten Qualität,
  • einem festgelegten Lieferzeitpunkt und
  • dem Ort, an den die Lieferung erfolgt.

Der Zeitpunkt der Lieferung liegt ebenso wie der Zeitpunkt der Bezahlung in der Zukunft. Deshalb müssen sich die Marktteilnehmer nur noch auf den zu zahlenden Preis für den Futurekontrakt einigen.

Natürlich hat ein Anleger kein Interesse an einer Lieferung des Rohstoffes. Er möchte vielmehr an dessen Preisentwicklung teilhaben.

Die Hauptaufgabe von Rohstoffindizes

Die Hauptaufgabe von Rohstoffindizes ist, den Anlegern die Möglichkeit zu geben, das Marktgeschehen zu beobachten und einzuschätzen.

Hierzu fassen die Rohstoffindizes die Preisbewegungen von mehreren Rohstoffen zusammen, wobei die entsprechenden Futurepreise verwendet werden. Dabei tritt ein schwerwiegendes Problem auf:

Rohstofffutures haben nur eine begrenzte Laufzeit. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, wird am Laufzeitende eines Futures einfach auf einen demnächst fälligen Futurekontrakt gewechselt.

Hierzu wird das Geld , das durch den Verkauf des auslaufenden Futures eingenommen wird, einfach wieder in den nächst fälligen Futurekontrakt investiert. Dieses Vorgehen nent man Roll Over.

Roll Over-Effekte beim Wechsel von Futurekontrakten

Dieses Vorgehen setzt voraus, dass zu jeder Zeit mehrere Futures mit demselben Rohstoff am Markt vorhanden sind, die sich durch unterschiedliche Laufzeiten unterscheiden.

Für jede einzelne Laufzeit der verschiedenen Futurekontrakte  bildet sich nun der Preis zu jedem Zeitpunkt separat durch Angebot und Nachfrage.

Dabei können die Preise der Futurekontrakte im Zeitablauf steigen oder fallenund lösen folgende Effekte aus:

Backwardation (Kursabschlag) beschreibt das Phänomen, dass dass die Futurepreise von weiter in der Zukunft liegenden Lieferterminen niedriger als die zeitlich näher liegenden sind.

Und Contango (Kursaufschlag) beschreibt das umgekehrte Phänomen, nämlich dass die weiter in der Zukunft liegenden Futurepreise höher als die zeitlich näher liegenden sind.

Damit haben diese beiden Effekte Auswirkungen auf den Ertrag eines Futureinvestments.

ETFs auf Rohstoffindizes

Es gibt verschiedene Arten von ETFs, die die Preise von Rohstoffen nachvollziehen. Zum einen gibt es solche auf Rohstoffexplorer wie beispielsweise Minengesellschaften oder Ölförderer. Das sind ganz einfach Aktienfonds auf Explorerindizes.

Zum anderen gibt es aber auch ETFs, die direkt den betreffenden Rohstoff oder einen Rohstoffindex abbilden.

Trotzdem kaufen diese ETFs keine Rohstoffterminkontrakte und häufen auch den betreffende Rohstoff nicht an.

In den ETFs auf Rohstoffe ist jedoch meist nicht das drin, was draufsteht, denn in Wirklichkeit enthalten sie irgendwelche Wertpapiere, in der Regel Aktien. Durch ein Tauschgeschäft (Swap) wird dann das Ergebnis, das die Aktienanlage erzielt, mit dem gewünschten Ergebnis der Rohstoffpreisentwicklung getauscht.

ETFs, die Rohstoffindizes abbilden, tun dies also immer synthetisch. Wie das genau fuktioniert, können Sie gerne nocmal in meinem Artikel „Wie ETFs einen Index abbilden“ nachlesen.

3 wichtige Rohstoffindizes im Überblick

Folgende Rohstoffindizes sind derzeit wegen ihrer Größe und Wichtigkeit am Markt besonders hervorzuheben:

1. Reuters Jeffries CRB Index

Dies ist der älteste Rohstoffindex überhaupt und seine Wurzeln gehen bis ins Jahr 1957 zurück.

Das bei weitem größte Gewicht in diesem Index hat das Rohöl neben Heizöl, Benzin und Erdgas. Diese Energieträger machen allein 39 Prozent des Indexgewichts aus.

Agrarrohstoffe (Mais, Soja, Rinder, Zucker, Baumwolle, Kakao, Kaffee, Weizen, Schweine und Orangensaft) kommen sogar auf 41 Prozent.

Industriemetalle (Aluminium, Kupfer und Nickel) tragen 13 Prozent zur Indexentwicklung bei und Edelmetalle (Gold und Silber)  7 Prozent

Zurzeit sind in dem Index 19 verschiedene Rohstofffutures enthalten und neben dem Hauptindex gibt es noch weitere Subindizes, mit deren Hilfe Anleger auch gezielt auf einzelne Rohstoffsegmnente setzen können.

Auf den Reuters Jeffries CRB Index erhält man hauptsächlich ETFs, aber auch Indexzertifikate.

2. S&P Goldmann Sachs Commodities Index (S&P GSCI)

Der Indexstart war 1991, aber Rückrechnungen sind bis zum Jahr 1979 vorhanden, da der Brechnungsstart auf den 02.01.1970 mit 100 Punkten festgelegt wurde.

Im Jahr 2007 verkaufte Goldmann Sachs den Goldmann Sachs Commodities Index (GSCI) an die Ratingagentur Standar & Poor´s.

Der Index enthält 24 Rohstoffe aus den Rohstoffklassen Energie, Agrarwirtschaft, Industrie- und Edelmetalle. Gewichtet werden diese Rohstoffe gemäß ihrer Bedeutung für die Weltproduktion.

Der Rohölpreis macht dabei rund 50 Prozent des Indexgewichtes aus und das Gewicht aller fossilen Energieträger in diesem Index liegt bei etwa 70 Prozent.

Neben dem Hauptindex gibt es noch eine ganze Reihe an Subindizes.

Auch für den S&P GSCI und seine Subindizes werden ETFs angeboten, aber auch ETCs und Indexzertifikate.

3. Rogers International Commodity Index (RICI)

Dies ist der am breitesten aufgestellte Rohstoffindex. Der von Jim Rogers erdachte RICI-Index startete am 31.07.1998 mit 1.000 Punkten.

Dabei sind deutlich mehr Rohstoffe im RICI enthalten als in den beiden oben vorgestellten Rohstoffindizes, nämlich rund 40, wobei die exakte Anzahl schwankt.

Insgesamt sind diese Rohstoffe an verschiedenen Warenterminbörsen in fünf verschiedenen Ländern gelistet und notieren in US-Dollar.

Auch weniger gehandelte Rohstoffe sind im RICI enthalten, so zeitweise zum Beispiel Schurwolle oder Naturkautschuk.

Die Zusammensetzung im Index wird einmal im Jahr überprüft und gegebenfalls geändert, wenn ein Rohstoff plötzlich deutlich mehr verbraucht wird als vorher.

Den RICI gibt es als sehr energieträgerlastigen Gesamtindex, aber auch zerlegt in die 3 wichtigsten Rohstoffklassen:

  • RICI Energy
  • RICI Agriculture
  • RICI Metals (Industrie – und Edelmetalle).

Dabei gibt es für den RICI und seine Subindizes auch eine rolloptimierte Variante, bei dem Rollverluste und Rollgewinne nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Royal Bank of Scotland hat sich auf ETFs und Indexzertifikate auf die RICI-Indizes spezialisiert. Andere Lizenznehmer für diesen Index gibt es derzeit nicht.

Fazit

Dadurch, dass Rohstoffe von den großen Schwellenländern in den letzten Jahren vermehrt nachgefragt wurden, sind auch ihre Preise zum Teil deutlich gestiegen.

Anleger können daran teilhaben, indem Sie ETFs auf Rohstoffindizes kaufen, die nicht in Futures investieren, sondern den jeweiligen Index synthetisch mittels Swap nachbilden.

In der vorherigen Folge der Serie über Börsenindizes ging es übrigens um Rentenindizes und in der nächsten Folge wird es um Immobilienindizes gehen.

 

 

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