Die große Macht der ETF Anbieter als Problem

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Macht der ETF Anbieter: Finanzriesen wie Blackrock halten Anteile an fast allen wichtigen Unternehmen dieser Welt. Auch in Deutschland ist die Fondsgesellschaft mit Abstand der größte Aktionär. Da stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die damit einhergehende Machtkonzentration auf den Wettbewerb hat.

Nach der Finanzkrise rückten die leicht zu verstehenden und tendenziell neutralen Indexfonds (ETFs) langsam aber sicher immer mehr in den Vordergrund.

Macht der ETF-Anbieter

Neutral vor allem deshalb, weil sie die Zusammensetzung eines Indizes wie beispielsweise dem DAX lediglich nachbilden, aber nicht aktiv auf einzelne Unternehmen setzen.

Verständlich sind sie vor allem deshalb, weil jeder Anleger leicht nachvollziehen kann, welche Bedeutung es für seinen Kontostand hat, wenn er in den Nachrichten hört, dass der DAX oder der Dow Jones gestiegen ist.

Indexfonds gelten als willkommene Alternative zu komplexen und aggressiven Hedgefonds, die den Markt nur selten schlagen, aber hohe Gebühren kosten.

Ebenso zu klassischen Investmentfonds, die in der Regel einen Ausgabeaufschlag kosten und deutlich höhere Verwaltungskosten haben als die kostengünstigen ETFs.

Dass Indexfonds also eine attraktive Anlageform für Sparer sind, bestreitet heute niemand mehr.

Weltweit sind rund 3.300 Milliarden US-Dollar in ETFs angelegt.

Davon über 500 Milliarden in Europa und das Investitionsvolumen wächst Monat für Monat.

Aber was ist mit der Macht der ETF-Anbieter, die bei Unternehmen wie

  • Blackrock,
  • Vanguard oder
  • State Street

zum Teil stark konzentriert ist?

Die unheimliche Macht der ETF-Anbieter

Die großen drei Blackrock, Vanguard und State Street sind die größten Anteilseigner von 438 der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen.

Das haben Forscher der Universität Amsterdam jüngst publik gemacht.

In Deutschland ist Blackrockdie größte Fondsgesellschaft der Welt – bei rund einem Drittel der DAX-Unternehmen größter Aktionär.

Das Unternehmen hält rund 5 Prozent aller DAX-Unternehmen – mehr als jeder andere Pensionsfonds oder Vermögensverwalter.

Blackrock verwaltet insgesamt unvorstellbare 4.900 Milliarden US-Dollar.

Und Vanguard – in Deutschland weitgehend unbekannt, aber in den USA eine große Nummer – hat allein 2015 236 Milliarden Dollar an Anlegergeldern eingesammelt.

Damit haben die großen Fondsgesellschaften unbestreitbar auch eine große Macht, die sie u. a. in Form von Stimmrechten bei Aktionärsversammlungen geltend machen können

Da stellt sich doch die Frage, wozu sie diese Macht nutzen?

Blackrock und die Bankenbranche

Beispielsweise ist Blackrock der größte Anteilseigner von vier der fünf größten amerikanischen Banken.

Daher liegt Konkurrenz in dieser Branche nicht in ihrem primären Interesse:

Denn nach den Ökonomen Ockenfels und Schmalz ist der Gewinn einer ganzen Branche dann am größten, wenn der Konkurrenzdruck jedes einzelnen Unternehmens auf die anderen Unternehmen wirksam ausgeschaltet wird.

Dies hemmt den Wettbewerb und wirkt negativ auf den Wohlstand der Nationen, da die Kunden dann zu hohe Preise zahlen.

Auf diese Problematik angesprochen, heißt es bei Blackrock:

„Die Sorgen der ökonomischen Studien teilen wir nicht. Unsere Kunden haben uns Geld anvertraut, damit wir es in einen Index investieren, und nicht, damit wir für sie Anlageentscheidungen treffen.“

Diese Bedenken gegenüber der Frage, wie ETF-Anbieter ihre Macht nutzen, sind damit allerdings noch nicht ausgeräumt.

So vorteilhaft Indexfonds also für einzelne Anleger sind, ist noch lange nicht garantiert, dass sie auch aus Sicht des Gemeinwohls stets nützlich sein werden.

Fazit

ETFsExchange Traded Funds – sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

Sind sie für einzelne Anleger absolut nützlich und vorteilhaft, ist das aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive leider nicht garantiert.

Schuld daran ist die enorme Machtkonzentration bei den großen Fondsgesellschaften, die über ihre Stimmrechte in Aktinärsversammlungen Druck auf einzelne Unternehmen und sogar auf ganze Branchen ausüben können.

Es bleibt abzuwarten, wie die Macht der ETF-Anbieter in Zukunft einsetzt wird und ob der Nutzen für die Allgemeinheit unter der Machtkonzentration leiden wird.

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2 Gedanken zu „Die große Macht der ETF Anbieter als Problem“

  1. Die Überschrift gab es letzten Oktober bereits in der FAS, aber ich bin ehrlich gesagt skeptisch gegenüber dieser Idee von „unheimlich.“ Unheimlich im Sinne von Geisterhaus? Genauso könnte ich behaupten, dass Banken unheimlich sind – denn sie verwalten Gelder. Und haben andere Interessen als ihre Kunden! Es wäre erstmal zu belegen, wo genau BlackRock Einfluß nimmt und wie sich dieser ausgestaltet. Insofern hat die Firma wirklich erstmal Recht diese Anschuldigungen als haltlos zurückzuweisen. Bisher jedenfalls. Wie auch immer: ein kontroverses Thema, das sich zu diskutieren lohnt 😉

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