ETF-Kosten – Wie der Wettbewerb sie sinken lässt

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ETF-Kosten: Es wird immer schwieriger, mit Geld Geld zu verdienen. Dies ist vor allem schlecht für Finanzvertriebe, vor allem für Strukturvertriebe. Doch gut für Privatanleger.

Das Problem

Fondsgesellschaften stehen vor einer schwierigen Wahl:

Sollen sie auf den Trend zu passiven Produkten mit sinkenden ETF-Kosten aufspringen?

Das würde ihnen eine Menge Wachstum an Volumen und an Kunden bringen:

Experten schätzen, dass sich das europaweit angelegte Vermögen in ETFs von aktuell 700 Mrd. EUR in den kommenden Jahren verdreifachen wird.

Aber möglicherweise graben sich damit die Fondsgesellschaften ihre eigenen Gewinnquellen ab?

Denn passive Fonds, die lediglich Indizes abbilden, bringen auch aufgrund sinkender ETF-Kosten viel weniger Geld ein als aktiv gemanagte, klassische Investmentfonds.

Der Passiv-Trend gefährdet daher die Gewinne der Fondsgesellschaften und die Jobs der Kapitalmarktanalysten.

Hinzu kommt noch etwas:

Klassische Fonds können über den Ausgabeaufschlag auch den Vertrieb mitfinanzieren.

Bei passiven Fonds ist da weitaus weniger drin.

Denn die ETF-Kosten sinken seit Jahren.

Daher ist für diese Produkte eine völlig andere Marketingstrategie nötig.

ETFs mit hohem Wachstum

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland ETFs zugelassen.

Pionier in Europa war die Deutsche Börse, die als erste europäische Börse den Handel aufnahm.

Heute können dort über 1.500 (Stand: Februar 2020) ETFs von 25 verschiedenen Anbietern erworben werden.

Dabei sind ETFs das am schnellsten wachsende Anlagesegment.

Das weltweit angelegte Vermögen in ETPs (Exchange Traded Products) beträgt mittlerweile über 6.350 Mrd. USD (Stand: Dezember 2019).

ETP-Wachstum weltweit

Und ein Ende des Wachstums ist noch lange nicht in Sicht.

Dieses Wachstum erklärt sich durch die wachsende Beliebtheit dieser Anlageform:

  • Niedrige Kosten,
  • hohe Liquidität und
  • ein entfallenes Emittentenrisiko (ETFs sind als Sondervermögen geschützt)

zählen dabei u. a. zu den Vorteilen.

Die guten Aussichten locken neue Unternehmen auf den Markt.

Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 7.000 investierbare ETFs.

Eine Möglichkeit, als Anbieter auf den größeren Wettbewerb zu reagieren, liegt beim Ausbau der Produktpalette.

Dem ETF-Markt steht auch in den nächsten Jahren ein großes Wachstum bevor.

Der Wettbewerbsdruck unter den Anbietern wird zunehmen und zu weiteren Produktinnovationen führen.

Privatanleger erhalten die Chance, zu gleichen Konditionen wie institutionelle Investoren ihre Portfolien mit neuartigen ETFs auszustatten und damit manchem überteuerten aktiven Fonds aus dem Weg zu gehen – wohlwissend der Besonderheiten bei ETFs.

Durch sinkende ETF-Kosten profitieren Anleger

Die ETF-Kosten sinken

Die niedrigen Kosten von ETFs sind ein großer Vorteil dieser Anlageform.

ETFs auf große Indizes wie den S&P 500 fangen schon bei 0,07 Prozent Jahresgebühr an und mehr als 0,5 Prozent werden auch bei kleineren ETFs selten fällig.

Aktiv gemanagte Investmentfonds kosten dagegen oft ein bis eineinhalb Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr, manche auch zwei Prozent.

Außerdem kommt meist ein einmaliger Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent hinzu.

Doch zwischen den ETF-Anbietern herrscht ein starker Wettbewerb, der zu Preissenkungen führt.

So gab im vergangenen Jahr mit Vanguard ein Low-Cost-Pionier einen weiteren Schritt seiner Expansion nach Deutschland bekannt.

Vanguard will die Geldanlage in Deutschland vereinfachen und die Kosten für deutsche Anleger senken.

ETF-Kosten sinken seit Jahren

Beispielsweise hat der Vanguard S&P 500 UCITS ETF (WKN: A1JX53) lediglich Verwaltungskosten in Höhe von 0,07 Prozent p. a.

Zudem bietet Vanguard ab sofort deutschen Anlegern ein ETF auf den Dax an.

Mit einer Gesamtkostenquote von nur 0,10 Prozent ist er sogar einer der günstigsten Dax-ETFs

Und seit Kurzem werden fünf sogenannte Core-ETFs, also Standard-ETFs, von Blackrock günstiger angeboten:

Betroffen sind davon iShares-ETFs mit europäischem Fokus sowie mit Bezug auf Schwellenländer. Die Gebühren reduzieren sich zum Teil auf ein Drittel.

So reduziert sich die Gesamtkostenquote beim iShares MSCI Europe (Dist.) von 0,35 auf 0,12 Prozent.

Ebenso 0,12 Prozent werden künftig die laufenden Kosten für den iShares MSCI Europe (Acc.) (zuvor: 0,33 Prozent) sowie für den iShares MSCI EMU (zuvor: 0,33 Prozent) betragen.

Weniger gravierend sinken die Gebühren indes bei den Produkten iShares EURO STOXX 50 (Dist.) und iShares Core MSCI EM IMI.

Hier sinken die Belastungen für Anleger von 0,16 auf 0,10 Prozent bzw. von 0,25 auf 0,18 Prozent.

Blackrock wolle mit den Preisänderungen verdeutlichen, dass das Haus die Fähigkeit besitze, die Größe der eigenen Plattform zu nutzen, um entsprechend Effizienz für die Kunden zu schaffen, heißt es in einem Bericht von citywire.de.

Die iShares Gebührensenkungen im Überblick:

  • iShares MSCI Europe (Dist.) von  0,35 % auf 0,12 %
  • iShares MSCI Europe (Acc.) von 0,33 % auf 0,12 %
  • iShares MSCI EMU von 0,33 % auf 0,12 %
  • iShares EURO STOXX 50 (Dist.) von 0,16 % auf 0,10 %
  • iShares Core MSCI EM IMI von 0,25 % auf 0,18 %

Der größte der genannten ETFs ist der iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (WKN: A111X9).

Der zugrundeliegende MSCI Emerging Markets IMI (USD) Index bildet die Wertentwicklung von großen-, mittel- und kleinen Aktienunternehmen der Emerging Markets ab.

Der Index notiert in US-Dollar.

ETF-Kosten seit Jahren rückläufig

ETF-Kosten sinken

Dass ein ETF-Anbieter die Gebühren für einen ETF senkt, ist zunächst nicht weiter spektakulär.

Im Gegenteil:

Die ETF-Kosten in Europa sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken, und zwar in allen Anlageklassen.

Sehr zur Freude der ETF-Investoren.

Beliefen sich die Durchschnittskosten für Aktien-ETFs im Jahr 2014 noch auf 0,43 Prozent, so waren es ein Jahr später 0,41 Prozent, und 2016 mussten Investoren im Schnitt nur noch 0,39 Prozent für einen Aktien-ETF berappen.

Mittlerweile sind wir hier bei durchschnittlich 0,34 Prozent angelangt.

Bei Rohstoff-ETFs gingen die Kosten im selben Zeitraum von 0,43 Prozent auf 0,36 Prozent zurück, die Gebühren für alternative ETFs sanken zwischen 2014 und 2016 von 0,43 auf 0,4 Prozent.

Bei Bond-ETFs ist das Bild nicht so klar:

Hier stagnieren die Gebühren seit 2014 bei 0,21 Prozent.

Interessant ist, dass die Gebühren von ETFs viel stärker gesunken sind als die von aktiv verwalteten Fonds, und das, obwohl die Nachfrage nach Indexprodukten dynamischer ist.

Des Rätsels Lösung ist, dass der Wettbewerb bei ETFs besser funktioniert.

Trotz des stagnierenden Geschäfts bei aktiv verwalteten Fonds, sind deren Manager viel eher in der Lage, ihre Preisvorstellungen gegenüber Kunden durchzusetzen.

Hier spielen die aus Anlegersicht nach wie vor dysfunktionalen Vertriebsstrukturen in Europa eine wichtige Rolle:

So lange der Retail-Vertrieb nicht das Kundeninteresse in den Mittelpunkt rückt, dürfte der Verkauf gleichermaßen überteuerter wie durchschnittlicher Allerweltfonds eher die Regel als die Ausnahme bleiben.

Denn Banker und Finanzberater verkaufen wesentlich lieber klassische Investmentfonds als Exchange Traded Funds (ETFs) – weil es daran mehr zu verdienen gibt.

Doch weist der nach wie vor institutionell geprägte ETF-Markt deutlich mehr Elastizität auf, in deren Folge die ETF-Kosten sinken.

Als Grund für die Gebührensenkungen wird zum Teil der deutliche Anstieg des verwalteten Vermögens in den ETFs und die sich daraus ergebenden Skaleneffekte genannt.

Inzwischen beträgt beispielsweise das Fondsvolumen des iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (WKN: A111X9) rund 13.962 Mio. USD.

ETF-Kosten: Aktive vs. passive Fonds aus Anbietersicht

Passive Fonds: ETF-Kosten sinken

Aus Anlegersicht muss man den Gegensatz von aktiv und passiv nicht allzu ideologisch sehen.

Meist sind passive Fonds besser, weil sie einfach niedrigere Kosten haben.

Insgesamt bleibt Dank der niedrigen Verwaltungsgebühren von ETFs Anlegern mehr von ihrer Rendite, sodass sie ihre Sparziele schneller erreichen können.

Aus Sicht der Anbieter aber tobt zwischen beiden Gruppen ein gnadenloser Kampf.

Auf lange Sicht wird der Markt sich wohl immer weiter aufspalten:

Der passive Bereich wird weiter wachsen.

Auf der aktiven Seite werden die Fonds zu immer ausgefeilteren Methoden greifen, um überdurchschnittlich abzuschneiden und damit auch höhere Gebühren zu rechtfertigen.

Wie schwierig das ist, hat das in den vergangenen Jahren zum Teil schlechte Abschneiden von Hedgefonds gezeigt.

Die Mitte des Marktes, aktive Fonds ohne herausragende Besonderheiten, wird es dagegen immer schwerer haben und in Zukunft an Bedeutung verlieren.

Und die Finanzvertriebe, die damit lange Zeit gut verdient haben, stehen unter Druck.

Denn es wird immer schwieriger, mit Geld Geld zu verdienen.

Das wiederum sind jedoch gute Nachrichten für Privatanleger.

Erste komplett kostenfreie Indexfonds

Erste komplett kostenfreie Indexfonds

Am 02.08.2018 erschien im Handelsblatt ein Artikel, in dem beschrieben wurde, dass es jetzt die ersten beiden völlig kostenfreien Indexfonds gibt.

Aber eben Indexfonds – die nicht an der Börse gehandelt werden – also keine ETFs – , sondern nur über Fidelity direkt beziehbar sind.

Und die nur auf dem US-Markt angeboten werden und nicht in Deutschland und Europa.

Doch da stelle ich heute die Vermutung an, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es auch bei uns erste Indexfonds ohne jegliche Kosten geben wird.

Und das wird die Investmentbranche vollkommen auf den Kopf stellen.

So werden Indexfonds erst recht die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

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1 Gedanke zu „ETF-Kosten – Wie der Wettbewerb sie sinken lässt“

  1. Zum Artikel muss ich nicht viel sagen: sehr ausführlich, informativ, wichtig und sehr relevant! Zudem sehr verständlich, sodass man die Inhalte sehr schnell aufnehmen kann als Leser. In diesem Sinne: vielen Dank!

    Wenn man sich das beschriebene Problem auf einer höheren Meta-Ebene betrachtet (jetzt klinge ich schon wie mein damaliger Professor meines Studiums), geht es wie so oft um die Gewinn- bzw. Geldmaximierung. Wenn man so will, ist das wohl das oberste Ziel eines jeden Unternehmens mit wirtschaftlichen Zielen. Schon im BWL-Studium wird stets gepredigt: Gewinnmaximierung.

    Und wie maximiert man den Gewinn? Gewinn = Erlös – Kosten. Diese doch recht simple Formel ist universell anwendbar und unter Strich auch richtig. Wenn man sich die Formel genauer anschaut, heißt das auch, dass es zwei Optionen gibt.
    Entweder man erhöht den Erlös, sodass der Gewinn steigt. Doch was macht man auf gesättigten Märkten, auf denen der höchste Preis schon abgeschöpft wird? Richtig: Option zwei. Man versucht die Kosten zu reduzieren? Und wie? Ja… wenn die Frage doch so leicht wäre. Und genau deshalb gibt es Firmen, die ihr Wissen teilen, und Unternehmensberatung im Einkauf anbieten. Es geht dann darum, wie man seine Einkaufspolitik verbessern kann, sodass man Einsparungen realisieren kann. Und wenn man das geschafft hat, greift die obige Formel und der Gewinn kann maximiert werden. Und da sagen die Leute, Mathe wäre so kompliziert… kleiner Scherz am Rande!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Hektor O.

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