Gold als Inflationsschutz – Schützt Gold wirklich vor Inflation?

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Durch die Krisen der vergangenen Monate und Jahre rechnen Experten mit einer erhöhten Inflationsrate. Hört man sich um, wird einem in diesem Zusammenhang immer wieder zu einer Investition in Gold als Inflationsschutz geraten.

Warum? Weil Gold seit Jeher als besonders stabile Wertanlage gilt. Doch auch das Edelmetall ist nicht unbedingt ein hinreichender Inflationsschutz. Zudem unterliegt es Schwankungen. Es empfiehlt sich daher, nicht blauäugig in Gold zu investieren, sondern sich eingehend mit dem Zusammenhang zwischen der Inflation und Gold als Inflationsschutz zu beschäftigen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Punkte für angehende Anleger zusammen.

Gold als Inflationsschutz: Was bedeutet Inflation?

Der Begriff Inflation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Aufblähung“. Im Zusammenhang mit Geld und Währungen bezieht es sich auf den Verlust der Kaufkraft von Geldeinheiten. Eines der weltbekanntesten Beispiele für eine extreme Inflation in einem Industriestaat hat sich in den Jahren 1914 bis 1923 im Bundesgebiet abgespielt:

Damals verlor die deutsche Währung so stark an Wert und damit an Kaufkraft, dass nur eine Währungsreform – also die schnelle Einführung einer neuen Währung – das Ende der sogenannten Hyperinflation herbeiführen konnte. Grund der großen Inflation war vor allem die Finanzierung der 1. Weltkrieges. An diesem Beispiel erkennt man, dass Inflation in Zusammenhang mit Überschuldung steht:

Müssen Regierungen aufgrund unerwarteter Ereignisse große Summen an Geld als Kredit aufnehmen, führt das zu einem Überangebot von Geld auf dem Markt. Dieses Überangebot, also das Aufblähen der Geldmenge, sorgt dann unweigerlich zu einem graduellen Wertverlust der jeweiligen Währung. Gleichzeitig herrscht häufig Knappheit an wichtigen Gütern, was parallel zum Kaufkraftverlust die Preise in die Höhe treibt. Man bekommt also weniger für sein Geld.

Ein gewisses Maß an Inflation ist vollkommen normal. Pro Jahr sollte dabei ein Prozentsatz von 0 – 2% jedoch nicht überschritten werden. Durch eine ausgeklügelte Währungs- und Preispolitik steuert die EZB höheren Raten in der Regel entgegen, indem sie die Geldmenge im Umlauf bei Bedarf nach unten hin anpasst. In Ausnahmesituationen kann aber auch die EZB mit ihren Regulationsmaßnahmen den Inflationstrend nicht vollständig ausbremsen. Im März 2022 wurde deshalb bereits eine Inflationsrate von 7,3% für Deutschland registriert – für viele Bundesbürgerinnen und -bürger ein erschreckend hoher Wert.

Zusammenhang zwischen Inflation und Gold

Krisen spielen sich in der westlichen Welt vor allem anfangs überwiegend auf Fernsehbildschirmen oder im Smartphone ab. Die Inflation macht Krisen jedoch greifbar, indem Bürger die Auswirkungen einer Krise am eigenen Leib erfahren: Sie können mit ihrem Geld weniger kaufen, weil alles teurer wird.

Angst macht sich breit. Davor, in eine Hyperinflation wie 1914 bis 1923 zu geraten. Angst davor, die Kaufkraft seines gesamten Vermögens durch die Inflation zu verlieren. Wegen dieser Angst neigen viele Menschen dazu, in Zeiten hoher Inflationsraten auf vermeintlich wertstabilere Anlagen als den Euro zu setzen. Gold ist dabei der Klassiker.

Nicht selten informieren sich Personen dann darüber, wieviel Gold Schmuck wert ist. Während derartige Recherchen ohne Inflation meist dazu dienen, vorhandenen Goldschmuck zu liquidieren, dienen sie in Krisenzeiten eher der Rückversicherung: Was bleibt mir, wenn mein Geld nichts mehr wert ist?

Doch was genau unterscheidet Gold von Geld? Geld existiert überwiegend auf dem Papier. Es besitzt nur einen geringen intrinsischen Wert. Durch äußere Umstände kann der dem Geld zugeschriebene Wert sich verändern. Beim Gold sieht das ein wenig anders aus. Das Edelmetall ist wertvoll. Es existiert. Und es ist greifbar. Gold speichert Wert in sich, nicht auf dem Papier. Wer einen Goldbarren besitzt, besitzt also einen reellen Wert. Der Goldpreis kann zwar auch teils hohen Schwankungen unterliegen, dennoch wird Gold seinen Wert niemals komplett verlieren.

Aktuell bedrohen nicht nur steigende Zinsen das Wirtschaftswachstum. Auch der Krieg in der Ukraine sowie Chinas anhaltenden Kampf gegen die Corona-Pandemie hemmt die Erholung. Je schlechter die Entwicklung hier ist, desto attraktiver wird Gold.

Früher gab es Goldverbote bei hoher Inflation

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Hochinflationsphasen. Häufig war in diesen Phasen der Privatbesitz von Gold verboten. Erworbenes Gold musste an die Regierung übergeben werden – so auch im Dritten Reich. Wer unerlaubt Gold versteckte, um sich vor der Inflation zu schützen und dabei aufflog, musste sogar mit der Todesstrafe rechnen.

Besonders in kapitalistischen Ländern wie China waren Goldverbote lange Zeit die Regel. So ist es chinesischen Staatsbürgern erst sein 2003 möglich, überhaupt Gold als Wertanlage zu erwerben. Goldverbote waren Maßnahmen von Regierungen, die während Krisenzeiten mit allen Mitteln finanziell handlungsfähig bleiben mussten.

Gold als Inflations- und Krisenschutz?

Gold-ETFs

Es liegt in der Natur des Goldes, dass es Wert und Kaufkraft besser speichern kann als Geld und andere Arten der Geldanlage. Gerade in Krisenzeiten kann es daher sinnvoll sein, sein Kapital möglichst gut vor der Inflation zu schützen. Auf der Bank oder in der Sparbüchse ist dies nicht wirklich möglich. Oft bleibt also der Kauf wertstabiler Dinge die effektivste Möglichkeit, um sein Vermögen zu schützen. Dabei stehen vor allem Immobilien und Gold im Fokus von Anlegern.

Doch es gibt auch Negativpunkte, die man kennen sollte. Diese Punkte sorgen dafür, dass Gold als Inflationsschutz leider nicht immer das hält, was es verspricht:

Gold ist ein spekulativer Wert. Auch wenn es einen inneren Wert besitzt, bedeutet das nicht automatisch, dass man als Anleger diesen Wert jederzeit abrufen kann. Unterliegt der Goldpreis also beispielsweise einem Abwärtstrend, ist es vollkommen egal, wie viel das Edelmetall an sich wert ist. Das einzige, das eine Rolle spielt, ist der Preis, den potentielle Käufer dafür an der Börse bezahlen würden.

Ein stark steigender Goldpreis kann auch zum Problem werden. Beispielsweise dann, wenn man gerne verkaufen möchte, sich aber keine kaufkräftigen Investoren finden, die einem den aktuellen Preis bezahlen können.

Auch wenn es durch die gute Preispolitik der EZB unwahrscheinlich ist, dass es zu einer Hyperinflation kommt, besteht das Restrisiko, dass es in der Zukunft wieder zu Goldverboten kommen könnte. Würde solch ein Szenario eintreten, bliebe von der wertvollsten Anlage nur ein fader Nachgeschmack übrig.

Goldpreisentwicklung der letzten Jahrzehnte

Sieht man sich die Goldpreisentwicklung vergangener Jahrzehnte an, stellt man fest, dass dieser im letzten Jahrhundert bis auf kleinere Einbrüche stark angestiegen ist. Er befindet sich aktuell auf einem Hoch.

Gold als Inflationsschutz: Preisentwicklung der letzten 10 Jahre
Quelle: https://www.scheideanstalt.de/edelmetallbarren/goldbarren/gold-charts/

Wie lange dieses Hoch noch anhalten oder sich sogar noch steigern wird, ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass auf Hochs häufig Tiefs folgen. Für Anleger bedeutet das: Ob die Goldanlage lukrativ ist, steht in den Sternen.

Gold eignet sich nicht für kurze Zeiträume

Anlegern sollte außerdem bewusst sein, dass Edelmetalle wie Gold sich nicht für das kurzfristige Trading eignen. Dazu sind ihre Wertschwankungen zu gering. In der Vergangenheit haben vor allem Investoren auf Gold gesetzt, die den Wert ihres Kapitals langfristig speichern wollten. Große Wertsteigerungen, die zu einem schnellen Plus im Portfolio führen, sind also eher unwahrscheinlich. Auch der Inflationsschutz tritt in der Regel erst rund fünf Jahre nach dem Goldkauf ein. Wer in Gold investiert, sollte also einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen.

Gold als Inflationsschutz: Tipps für die Anlage in Gold

Ganz unabhängig vom Thema Inflation kann ein langfristig angelegter Goldkauf Teil einer guten Anlagestrategie sein. Wer in Gold investieren möchte, sollte dabei aber ein paar Dinge beachten:

Auf dem Markt gibt es Gold in unterschiedlichen Reinheiten. Je unreiner das Gold ist, desto günstiger kann man es erwerben, aber desto schwieriger ist auch der Wiederverkauf. Es empfiehlt sich daher, nur in Gold mit einer Reinheit von 99,99% zu investieren. Soll das Gold als Inflationsschutz dienen, ist es außerdem sinnvoll, Barren zu erwerben. Beim Kauf von Goldbarren müssen Anleger nicht nur auf den Goldgehalt, also auf die Reinheit, sondern auch auf Gewicht und Preis achten.

Hohes Risiko beim Investment in Gold

Gold ist ein Edelmetall, das ebenso an der Börse gehandelt wird wie andere Rohstoffe oder auch Aktien, Kryptowährungen & Co. Es ist also eine spekulative Wertanlage, die sich durch Volatilität auszeichnet und die daher Wertschwankungen unterliegt. Auch wenn es sinnvoll sein kann, einen Teil seines Kapitals in Gold anzulegen, sollte man niemals alles auf eine Karte setzen – viel zu groß wäre dabei das Risiko, dass der Goldpreis plötzlich einbricht und man hohe Verluste verbucht. Wie bei anderen Börsenwerten gilt auch bei Gold: Diversifikation ist das A und O. Anstatt also nur in Gold zu investieren, sollte man sein Kapital auf eine breite Auswahl anderer Werte verteilen.

Fazit: Das Vermögen besser breit streuen – aber auch Gold als Inflationsschutz

ETF mit hoher Rendite

Doch weshalb ist Streuung eigentlich so wichtig? Wer alles auf eine Karte setzt, dabei aber die falsche Wahl trifft, geht das Risiko ein, hohe finanzielle Verluste zu verbuchen. Bei einer guten Kapitalstreuung hingegen sinkt dieses Risiko automatisch:

Wenn einer der erworbenen Werte nicht gut performt, können andere im Portfolio lagernde Börsenwerte diese Verluste auffangen. Die Kapitalstreuung ist also ein maßgebliches Instrument zur Kapitalstreuung. Besonders gut gelingt die Streuung durch eine Investition in ETFs. Weil die börsengehandelten Fonds einen gesamten Markt oder Index abbilden und keine Einzelwerte, profitieren Anleger von der Gesamtperformance des Marktes.

Eine Übersicht über die Anbieter von ETF-Sparplänen findest du hier:

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