Index abbilden: 3 Verfahren im Überblick

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Den Index abbilden wollen ETFs möglichst genau. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich drei verschiedene Methoden zur Indexnachbildung (Replikationsmethoden) am Markt etabliert: die volle Nachbildung, die teilweise Nachbildung und die synthetische Nachbildung.

Im Folgenden wird dargestellt, welche Methoden es gibt, um den Index abbilden zu können und welche Stärken und Schwächen sie jeweils haben.

1 Den Index durch vollständige Replikation abbilden

Mit ETFs den Index abbilden

Die einfachste Methode, um einen Index nachzubilden, ist der Kauf aller im Index enthaltenen Wertpapiere mit der identischen Gewichtung wie im Index.

Zum Beispiel beinhaltet der DAX (Deutscher Aktienindex) 30 verschiedene Aktien mit einem jeweils unterschiedlichen Gewicht.

Alle voll replizierenden DAX-ETFs enthalten diese 30 Aktien in der gleichen Gewichtung wie im Index.

Dabei ergibt sich das jeweilige Gewicht einer Aktie im Index aus der Anzahl der ausgegebenen Aktien, multipliziert mit ihrem jeweiligen Börsenkurs (Kapitalmarktgewichtung).

Diese Methode ist einfach und bei Indizes mit einer überschaubaren Anzahl an Wertpapieren naheliegend, doch sie stößt an ihre Grenzen, wenn ein Index eine hohe Zahl von Wertpapieren enthält, weil die Umsetzung der vollständigen Replikation im Portfoliomanagement häufig mit erhöhten Kosten und administrativem Aufwand bei Indexanpassungen verbunden ist.

Ein anderer Weg, um die Kosten der Nachbildung von Indizes zu mindern, ist, nur einen Teil der Wertpapiere im Index zu kaufen.

2 Indexabbildung mit der repräsentaiven Sampling-Methode

Bei Indizes mit einer hohen Anzahl an Wertpapieren wenden ETF-Anbieter zur Abbildung des Index im Falle der physischen Replikation oft die Sampling-Methode an.

Dabei wird eine Teilauswahl der Wertpapiere bei der Selektion und Gewichtung so optimiert, dass die Abweichungen zum zugrunde liegenden Index im Hinblick auf Wertentwicklung und Schwankungsintensität möglichst gering ausfallen.

Der sogenannte Tracking Error als Maß für die Genauigkeit der Indexabbildung wird dadurch allerdings erwartungsgemäß höher sein als im Fall der vollständigen Replikation.

Den Index mit der Sampling-Methode abbilden

Ein bekannter Index, der sich im ETF nicht durch vollständige Replikation darstellen lässt, ist beispielsweise der MSCI All Countries World Index.

So hält der iShares MSCI ACWI (ISIN DE000A1JS9A4) nur rund 700 Aktien, obwohl der Index etwa 2.500 Einzeltitel umfasst.

Doch gerade bei Indizes mit einer hohen Anzahl an Wertpapieren kann die Sampling-Methode zu Ungenauigkeiten bei der Indexabblidung führen.

Deshalb gibt es noch ein drittes Verfahren zur Indexabbildung: die synthetische Abbildung mit Swaps.

3 Die synthetische Abbildung mit Swaps

Die dritte marktübliche Methode im Portfoliomanagement von ETFs ist die synthetische Indexabbildung über einen Swap.

Um dieses Verfahren umzusetzen, investiert der Swap-ETF in einen Aktienkorb (Aktien-ETF) oder Rentenkorb (Renten-ETF) sowie in einen Index-Swap.

Dieser Swap-Vertrag ist ein Tauschgeschäft zwischen dem Sondervermögen des ETFs und einer Bank und sorgt dafür, dass die Wertentwicklung des Wertpapierkorbes gegen die des abzubildenden Index getauscht wird und der ETF-Investor tatsächlich an der Wertentwicklung des Index teilnimmt.

Swaps sind Tauschgeschäfte

Der Tauschpartner (der sogenannte Swap-Kontrahent) ist in der Regel eine Bank (meistens das Kreditinstitut, dessen Tochter den ETF aufgelegt hat), die sich dazu verpflichtet, die Performance des Indizes auf täglicher Basis bereitzustellen.

Dabei wird der Wert des Swaps zwischen ETF und Swap-Kontrahent börsentäglich in bar ausgeglichen, um das Risiko gegenüber dem Kontrahenten möglichst gering zu halten.

Swap-basierte ETFs sind unter anderem in der Lage, bessere Ergebnisse als die Sampling-Methode zu liefern, da die Swap-Gegenpartei vertraglich verpflichtet ist, exakt die  Indexperformance im Austausch gegen die des Wertpapierkorbes zu liefern.

Gemäß der Vorschriften der UCITS (Abk. für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities, eine Richtlinie, die auf eine Vereinheitlichung des europäischen Investmentrechts zielt) ist der Anteil des Index-Swaps auf 10 Prozent des Nettoinventarwertes des jeweiligen ETFs beschränkt.

Kritiker sagen zu ETFs, die einen Index synthetisch mittels Swaps abbilden:

„Sie stellen nicht den zugrunde liegenden Index des ETFs dar, sondern verbriefen, vereinfacht ausgedrückt, nur noch das Recht auf die Auszahlung der prozentualen Veränderung des Indexes. Wie dies geschieht, bleibt dem Anleger verschlossen.“

Den Index abbilden: Das Risiko von Index-Swaps

Risiken von Swaps

Natürlich stellt sich die Frage, welches Risiko Index-Swaps haben?

Sie bergen ein Risiko in sich, das dem Anleger nicht unmittelbar ins Auge springt. Zwar zählt die Einlage im ETF zum Sondervermögen des Emittenten und bleibt somit auch bei einer Pleite erhalten.

Doch auf den zweiten Blick erkennt man, dass ein Index-Swap nichts anderes ist als eine Schuldverschreibung.

Deshalb gibt es ein Emittentenrisiko innerhalb des ETFs, dass darin besteht, dass der Swap gefährdet ist, wertlos zu werden, wenn der Swap-Kontrahent insolvent geht.

Dieses Risiko hat auch der Gesetzgeber erkannt und deshalb die Verwendung von Swaps in einem ETF auf 10 Prozent des Nettoinventarwertes begrenzt.

Das heißt:

Mindestens 90 Prozent des eingesetzten Kapitals unterliegen keinem „Kontrahentenrisiko“.

Genau dieses Kontrahentenrisiko macht den Anlegern seit der Lehman-Brothers-Pleite zunehmend Sorgen.

Die ETF-Anbieter reagieren zum Teil darauf, indem sie ETFs übersichern.

Sollte der Swap-Partner ausfallen, kann so auf zusätzliche Sicherheiten zurückgegriffen werden, womit das Kontrahentenrisiko bei einem Swap-ETF praktisch ausgeschaltet wird.

Fazit: Wie ETFs den Index abbilden können

Den Index abbilden

Es gibt verschiedene Methoden, einen Index innerhalb von ETFs abzubilden.

Während die vollständige Replikation nur bei kleinen Indizes praktikabel ist, werden Sampling-Methode und synthetische Verfahren vor allem bei größeren Indizes eingesetzt.

Dabei ist ein Vorteil von Swap-ETFs, dass mit Hilfe von Swaps exotische Märkte und Anlagestrategien wie zum Beispiel Emerging Markets, Währungen oder Rohstoffe kostengünstig abgebildet werden können.

Unter dem Strich können Swap-ETFs effizienter einen Index abbilden und weisen einen niedrigeren Tracking Error auf als alle anderen Formen der Indexnachbildung.

Dadurch sind sie auch kostengünstiger.

Doch Swap-ETFs sind vielen Anlegern suspekt und daher geht der Trend zu physisch replizierenden ETFs.

 

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