Für Börsenkurse gilt die Regression zum Mittelwert. Was versteht man darunter und warum ist sie für Anleger wichtig? Wichtige Informationen zu einem realen Börsenphänomen.
[lwptoc]
Was sich hinter der Regression zum Mittelwert verbirgt

Was verbirgt sich hinter diesem wenig anschaulichen Begriff aus der Theorie der Statistik?
Es ist eine faszinierende Gesetzmäßigkeit, die sich auf die langfristige Entwicklung der Rendite von Kapitalanlagen auswirkt.
Die mächtige Tenden zum Durchschnitt bewirkt, dass die Bruttorendite (Rendite vor Kosten) deines Wertpapierdepots irgendwann zu einem langfristigen Marktdurchschnitt zurückpendelt.
Egal, ob die Ausgangsrenditen nun positiv oder negativ waren.
Mit anderen Worten:
Es existieren nur wenige Portfolios, die 20 Jahre oder mehr deutlich über dem Durchschnitt ihrer Risikoklasse (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe etc.) liegen und genauso wenige, die 20 Jahre oder mehr eine unterdurchschnittliche Performance aufweisen.
Schon die Anzahl der Portfolios, die nur 5 Jahre ununterbrochen über oder unter diesem Mittelwert („Durchschnitt“) liegen, ist erstaunlich gering.
Dieses Phänomen bezeichnet die Statistik – ein eigenständiger Zweig der Mathematik – als Regression zum Mittelwert.
Warum Regression zum Mittelwert für dich wichtig ist
Langfristige Regression zum Mittelwert kann inbesondere für Unternehmensgewinne nachgewiesen werden, denn auf lange Sicht werden Aktienkurse von diesen – genauer von den Dividenden – bestimmt.
Dieses Phänomen wird vom Wettbewerbsprinzip in der Marktwirtschaft ausgelöst:
Markte und Unternehmen, die besonders hohe Renditen erzielen, locken andere Unternehmen – also neue Wettbewerber – an, die damit von der Tendenz her zu einer Senkung dieser Renditen beitragen.

Ursache dafür ist also der Konkurrenzdruck.
Und da, wo besonders niedrige Renditen erzielt werden, verlassen Unternehmen tendenziell den Markt und verursachen damit von der Tendenz her eine nachfolgende Erholung der Renditen.
Als langfristig orientierter Anleger lässt dich der Effekt der Regression zum Mittelwert ruhiger schlafen und du kannst mit diesem Wissen kurzfristige Schwankungen an der Börse – und auch einen eventuellen Crash – besser aussitzen.
Was bedeutet Regression zum Mittelwert für die Praxis?
Sowohl unterdurchschnittliche als auch überdurchschnittliche Renditen von
- Wertpapierportfolios,
- Investmentfonds und
- Wertpapierindizes
nähern sich langfristig tendenziell wieder dem für die jeweilige Anlageklasse oder Portfolio durchschnittlichen Wert (arithmetischer Durchschnitt) an.

Über- und Unterrenditen haben also nahezu immer nur vorübergehenden Charakter.
Das gilt vor allem für Zeiträume von mindestens sieben Jahren und mehr.
Auf eine kurze Sicht von weniger als 5 Jahren und bezogen auf einzelne Aktien lässt sich das Phänomen der Regression zum Mittelwert nicht nachweisen.
Fazit: Die Kurse werden auch wieder steigen

Wer Regression zum Mittelwert – also ein kurzfristig nicht prognostizierbares Auf und Ab von Wertpapierkursen um den langfristigen Durchschnitt herum – versteht und akzeptiert, hat zwei Vorteile:
- Er wird von vornherein die besseren Anlageentscheidungen treffen, weil er nicht versuchen wird, kurzfristiger Outperformance hinterherzujagen (Hin und her macht Taschen leer!) und
- er wird ruhiger schlafen, weil er kurzfristige Schwankungen besser einordnen kann und weniger Gefahr läuft, emotionsgetriebene Entscheidungen zu treffen, die letztlich meist nur viel (Lehr-)Geld kosten.
Dieses Wissen hilft gerade auch bei einem Börsencrash, die Dinge richtig einzuordnen und so lassen sich falsche und übereilte Entscheidungen besser vermeiden.
Insgesamt spricht dieses Phänomen für die Anlagestrategie Buy and Hold und dafür, dass die aktuelle Überreaktion der Märkte auf das Corona-Virus sich mittel- bis langfristig wieder ausgleicht.
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