5 altbekannte Boersenweisheiten auf dem Prüfstand

Lesedauer 4 Minuten

So manche altbekannte Boersenweisheiten stammen aus früheren Zeiten. Da stellt sich die Frage, ob sie heute noch gültig sind? Fünf altbekannte Boersenweisheiten auf dem Prüfstand.

1. Hin und Her macht Taschen leer

Altbekannte Börsenweisheiten

Kauf und Verkauf von Wertpapieren verursachen jedes Mal Transaktionskosten.

Wer also stets den neuesten Anlagetrends hinterherläuft, bei dem fallen übers Jahr gerechnet hohe Nebenkosten des Wertpapierhandels an.

Das freut die Bank, wirkt sich aber negativ auf die Netto-Rendite des betreffenden Anlegers aus.

Insofern gilt auch heute noch: Hin und Her macht Taschen leer.

Dabei kann man derzeit mithilfe von ETF-Sparplänen häufig börsengehandelte Indexfonds ohne jegliche Transaktionskosten erwerben, da verschiedene Online-Broker – unterstützt von den ETF-Anbietern – Sonderaktionen anbieten.

Beispielsweise bietet die OnVista Bank aktuell 88 verschiedene ETFs an, die man im Rahmen eines ETF-Sparplans kostenfrei erwerben kann.

Vergleiche hierzu auch meinen Blogartikel über Sparpläne der Online-Broker im Vergleich.

In diesem Fall fallen lediglich Ordergebühren beim Verkauf von ETFs an.

2. Lege nicht alle Eier in einen Korb

„Lege nicht alle Eier in einen Korb“ bedeutet, dass man seine Geldanlagen über verschiedene Wertpapiere und Anlageklassen streuen sollte.

In der Fachsprache nennt man das Diversifizieren.

Diversifikation bedeutet also Risikostreuung.

Es ist eine der zentralen Erkenntnisse der Modernen Portfoliotheorie, dass Risikostreuung über verschiedene Anlageklassen (Asset-Klassen) das Risiko verringert, ohne gleichzeitig die Renditechancen im gleichen Umfang zu senken.

Wie sinnvoll Risikostreuung ist, sieht man zum Beispiel bei der VW-Aktie oder der Deutsche-Bank-Aktie, die beide in jüngerer enorme Kursverluste erlitten haben und bei denen es ungewiss ist, ob und wann sie wieder auf die Beine kommen.

ETFs haben stets eine solide Risikostreuung, weil sie die Wertentwicklung eines ganzen Index abbilden.

Das sind im Falle des Dax nur 30 verschiedene Werte und im Falle des MSCI World Index über 1.600 verschiedene Aktien aus 23 Industrieländern.

Wenn man als Anleger dann noch in verschiedene Anlageklassen, wie

  • Aktien,
  • Anleihen,
  • Immobilien,
  • Rohstoffe und den
  • Geldmarkt

investiert, hat man sein Risiko mehr oder weniger optimal diversifiziert.

3. Greife nie in ein fallendes Messer

Altbekannte Boersenweisheiten

Eine Aktie, die gerade fällt, sollte man besser nicht kaufen, denn niemand weiß, wann der Boden des Kurssturzes erreicht ist.

Deshalb beißt sich diese Börsenweisheit mit der ebenfalls altbekannten Weisheit „Buy on bad news, sell on good news“ (Kaufe bei schlechten Nachrichten und verkaufe bei guten).

Es ist insbesondere für Laien kaum erkennbar, wann ein sogenannter Turnaround bei einem krisengeschüttelten Unternehmen erreicht ist und es wieder bergauf geht.

Deshalb kann es leicht passieren, dass der Kurs der betreffenden Aktie noch weiter absackt, auch wenn er schon deutlich gefallen ist.

Momentan kann man dieses Phänomen sehr schön u. a. bei der Deutsche-Bank-Aktie beobachten, bei der niemand genau weiß, wie lange die Krise noch andauern wird und ob es jemals wieder vorangehen wird.

Derzeit jagt dort eher eine Hiobsbotschaft die andere und auch ich als studierter BWLer traue mir nicht ansatzweise zu zu beurteilen, wann es bei der Deutschen Bank wieder aufwärts gehen könnte.

Deshalb ist Laien unter den Anleger zu empfehlen, besser nicht in ein fallendes Messer zu greifen.

Wer ETFs kauft, muss den Kurseinbruch von Unternehmen nicht fürchten, da diese in der Regel nur mit einem kleinen Prozentsatz im Index vertreten sind und Kurseinbrüche einzelner Aktien oft durch die positive Entwicklung anderer Unternehmen im Index kompensiert werden.

Die aktuellen Entwicklungen bei der Deutschen Bank haben sogar dazu geführt, dass die Aktie aus dem Index Euro Stoxx 50 herausgefallen ist.

4. Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen

Diese Börsenweisheit korreliert oft mit der ebenfalls altbekannten Börsenweisheit „Gier frisst Hirn“.

Wenn es um Geld geht, setzt bei manchen Menschen der gesunde Menschenverstand vielfach aus.

Wie könnte es sonst sein, dass Anleger regelmäßig in Scharen auf Angebote des „Grauen Kapitalmarktes“ hereinfallen, in denen ihnen Geldanlagen mit einer hohen Rendite – manchmal gar zweistellig – angeblich ohne jegliches Risiko – angepreist werden.

Wer den Zusammenhang von Rendite und Risiko kennt – Risiko ist der Preis für Rendite und Rendite ohne Risiko ist nicht denkbar – weiß sofort, dass solche Angebote nicht seriös sein können.

Doch bei manchen Menschen setzt der Verstand scheinbar aus, wenn es darum geht, auf einen Schlag reich werden zu können.

Manche lassen sich auch zu risikoreichen Investments hinreißen, wenn sie damit Steuern sparen können.

Für beide Fälle gilt: Beim Denken ans Vermögen darf auf keinen Fall das Denkvermögen leiden.

Investments in ETFs sind dagegen in der Regel völlig unspektakulär:

Man zielt mit seinen Geldanlagen darauf, den Durchschnitt – nämlich die Marktrendite – zu erreichen und landet mit hoher Wahrscheinlichkeit so über dem Durchschnitt aller Anleger.

5. Investiere nur in Wertpapiere, die du auch verstehst

In Unternehmen, deren Geschäftsmodell du nicht verstehst, solltest du besser nicht investieren.

Warren Buffet – der erfolgreichste Anleger der Welt – hat sich bisher stets an diese Regel gehalten.

Und das gilt erst recht für komplizierte Geldanlageprodukte wie komplexe Derivate und Zertifikate.

Lass dir solche Produkte nie von deinem Banker aufschwatzen, der dir vielleicht sagt:

„Das Produkt ist zwar kompliziert, aber gut für dich.“

Leider gilt das inzwischen auch für spezielle ETFs, die zu den sogenannten Smart-Beta-ETFs gehören.

Sie sind oft komplizierte Konstruktionen, die nur schwer oder auch für Laien gar nicht zu verstehen sind und das Ziel haben, den Markt zu schlagen.

Viele Experten raten derzeit von Investments in diese Smart-Beta-ETFs ab.

Es bleibt erstmal abzuwarten, ob sie ihre selbstgesteckten hohen Ziele auch erreichen.

Fazit: Altbekannte Boersenweisheiten gelten auch heute noch

Wie wir gesehen haben, gelten viele altbekannte Boersenweisheiten auch heute noch.

Was Anlegern aber enorm hilft, ist ein gut funktionierender gesunder Menschenverstand und die Lektüre des einen oder anderen Börsenbuches.

Eines sei an dieser Stelle zum Thema Boersenweisheiten empfohlen:

Jessica Schwarzer: Sell in May and go away?: Was die Boersenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen*, 240 Seiten, Börsenmedien AG, Kulmbach 2013, 24,90 EUR.

 

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3 Gedanken zu „5 altbekannte Boersenweisheiten auf dem Prüfstand“

  1. Hallo Jürgen,

    ich liebe es Weisheiten zu hinterfragen. Wenn alle Menschen sich an dieses Wissen halten, dann haben alle das gleiche Ergebnis. Erfolgreich kann man auch sein, wenn zum beispiel antizyklisch investiert wird. Besonders gut finde ich den Punkt :“Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen.“. Das basiert auf den Fehler Geld zu investieren, welches eigentlich gebraucht wird. Dieser Punkt ist sehr wichtig.

    Ich habe auch mal ein paar Anti-Weisheiten zusammengetragen unter :

    http://selbst-schuld.com/finanzielle-freiheit-meine-ungewoehnlichen-7-boersenweisheiten-2016/

    kannst du sie nachlesen. Vielleicht interessieren sie dich oder die Leser des Kommentars?

    Grüße

    Christian

    Antworten
  2. Ich kaufe seit Jahren „fallende Messer“ und fahre damit sehr gut. Letzter Kauf war Linkedin – extremer Kurssturz nach Bekanntgabe der Quartalszahlen, die die Erwartungen übertroffen hatten…

    Antworten

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