Anlagestrategie: Wie du mit ETFs verschiedene Strategien umsetzt

Lesedauer 7 Minuten

ETFs bieten zahlreiche Möglichkeiten, um verschiedenste Anlagestrategien zu realisieren. Erfahre hier mehr darüber.

Eine Anlagestrategie beschreibt die Strategie des Kaufens und Verkaufens von u. a. Aktien, ETFs, Anleihen, Immobilien, Rohstoffen und Geldmarktfonds durch eine gezielte, längerfristig ausgerichtete Vorgehensweise zur Erzielung eines möglichst gewinnbringenden Anlageerfolgs an den weltweiten Finanzmärkten.

Weil wir erst nach Ablauf einer bestimmten Zeitperiode sagen können, welche Anlagestrategie die beste gewesen wäre, streuen wir besser zu Beginn das Risiko, indem wir auf verschiedene Pferde – sprich Anlageklassen, Regionen, Branchen und Themen etc. setzen.

Es gibt normalerweise drei verschiedene Anlagetypen, wobei  diese auch eng mit dem Anlagehorizont zusammenhängen, also der geplanten Dauer des eigentlichen Investments:

  • den spekulativen Typen,
  • den mittelfristigen Anleger, und den
  • konservativen Anlegertyp.

Diese unterscheiden sich sehr stark durch die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen, in die sie investieren.

Generell geht es darum, das Risiko bei der Geldanlage zu streuen.

Anlagestrategie zur Kombination verschiedener Anlageklassen

Verschiedene Anlagestrategien realisieren

Mit ETFs kannst du ganz einfach verschiedene Anlageklassen kombinieren und so dein Risiko gemäß Moderner Portfoliotheorie senken.

Denn die Rendite eines Portfolios wird zu ca. 90 Prozent durch die Kombination verschiedener Anlageklassen bestimmt.

Folgende Anlageklassen kannst du mit Indexfonds ganz einfach kombinieren:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe (u. a. Agrarrohstoffe, Edelmetalle, Industriemetalle, Energie, Nutzvieh)
  • Geldmarkt.

Anlagestrategie zur Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse

Auch innerhalb einer Anlageklasse kannst du leicht diversifizieren.

Zum Beispiel kannst du Aktien der entwickelten Industrieländer weltweit kombinieren mit Aktien aus Schwellenländern.

Bekannte Indizes wären hier der MSCI World Index (Aktien aus 23 Industrieländern) und der MSCI Emerging Markets Index (Aktien aus 24 Schwellenländern).

Hier ein Link zu einer Übersicht von Aktien-ETFs nach Regionen:

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&region=all

Weiterhin kannst du Indizes auf einzelne Länder in dein Portfolio aufnehmen, wenn du glaubst, dass bestimmte Regionen – zum Beispiel China –  sich besonders gut entwickeln werden.

Hier ein Link zu einer Übersicht von Aktien-ETFs nach Ländern:

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&country=all

Darüber hinaus ist es problemlos möglich, Schwerpunkte auf verschiedene Branchen, wie zum Beispiel

  • Banken,
  • Finanzen,
  • Technologie,
  • Gesundheit und
  • Energie

zu setzen, wenn du der Auffassung bist, dass sich diese besonders gut entwickeln werden.

Hier ein Link zu einer Übersicht von Aktien-ETFs nach Branchen (Sektoren):

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&sector=all

Und schließlich kannst du einen Schwerpunkt auf bestimmte Themen setzen, wie zum Beispiel Wasser.

So gibt es Stimmen, die behaupten, die nächsten Kriege würden um Wasser geführt und so ist es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile auch einen ETF gibt, der dieses Thema zum Schwerpunkt hat:

iShares Global Water UCITS ETF (WKN A0MM0S ).

Weitere Themen werden durch sogenannte Megatrends definiert, wie zum Beispiel

  • Überalterung der Gesellschaft,
  • Klimawandel oder
  • Automatisierung,

um nur einige zu nennen.

Mit einem ETF auf Gesundheitsaktien, erneuerbare Energien oder Internettechnologie lassen sich diese Bereiche gut ins Depot holen – und das zu überschaubaren Kosten.

Diese sind zwar etwas höher als bei ETFs auf die großen, etablierten Aktienindizes (z. B. MSCI World Index), aber immer noch deutlich unter denen von aktiv gemanagten Fonds.

Darüber hinaus kannst du auf verschiedene Faktoren setzen, die die Rendite von Aktien maßgeblich bestimmen, wie zum Beispiel Value, Quality, Size oder Momentum.

Dabei gibt es u. a.

  • Einfaches Multi-Faktor-Investing mit Single Faktor-ETFs und
  • integriertes Multi-Faktor-Investing mit Multi-Faktor-ETFs.

Die Idee dahinter:

Auf Basis bestimmter Faktoren in Aktien zu investieren, um langfristig die im Vergleich zur Benchmark besseren Anlageergebnisse zu erzielen.

So zeigen langfristige Zahlenreihen, dass es mit gängigen Faktoren durchaus möglich war, Überrenditen zu erzielen.

Hier ein Link zu einer Übersicht über Faktor-ETFs:

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&equityStrategy=Multi%2BFactor

Auch die Dividende kann ein Thema sein und so gibt es ETFs, die das Thema dividendenstarke Unternehmen – teils noch nach Regionen gestaffelt – als Schwerpunkt haben.

Hier ein Link zu einer Übersicht von Aktien-ETFs mit dem Schwerpunkt Dividende:

https://etf1.de/etf-suche/?_sort=dividend_yield_desc

Und ein weiterer wichtiger Trend ist das Thema Nachhaltigkeit, sowohl im ökologischen als auch im ethisch-sozialen Bereich.

Hier ein Link zu einer Übersicht von Aktien-ETFs zum Thema Nachhaltigkeit:

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?assetClass=class-equity&groupField=index&equityStrategy=Social%2B/%2BEnvironmental

Auch hier werden inzwischen zahlreiche einschlägige ETFs angeboten.

Die unter dieser Überschrift genannten Diversifikationsmöglichkeiten gibt es vor allem für die Anlageklasse Aktien.

Doch auch Anleihen- und Immobilien-ETFs können u. a. mit unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten erworben werden.

Diese hier genannten Grundstrategien können dabei durchaus miteinander kombiniert werden:

So sind zum Beispiel Dividenden-ETFs verfügbar, die sich auf Unternehmen aus den USA oder Europa spezialisiert haben.

Oder du kannst beispielsweise Aktien-ETFs kaufen, die einen Schwerpunkt auf US-amerikanische Banktitel legen und somit Region und Branche miteinander kombinieren.

Weiterhin können verschiedene Fonds bzw. ETFs zu sogenannten Core-Satellite-Stategien miteinander kombiniert werden.

Core-Satellite-Anlagestrategie

Als Core-Satellite-Strategie bezeichnet man im Portfoliomanagement die Aufteilung eines Portfolios auf eine breit diversifizierte Kerninvestition („Core“), die eine Grundrendite mit ausreichender Sicherheit bieten soll, und mehrere Einzelinvestitionen („Satellite“) mit höherem Risiko und Renditepotenzial, die zur Renditesteigerung angehängt werden.

Die Core-Satellite-Strategie untergliedert das Portfolio in einen

  • Kernbereich (den Core) und die
  • Umgebung (Satellite).

Im Kern des Portfolios befinden sich die ETFs, die gleichsam den Kern und den Ankerpunkt des Depots ausmachen.

Anlagestrategie: Core-Satellite-Strategie

Der Core-Satellite-Ansatz als Erweiterung der Portfoliotheorie

Die rendite- und risikoadäquate Strukturierung von Anlageportfolios ist eine Kernaufgabe in der Vermögensverwaltung, zu deren Bewältigung die Moderne Portfoliotheorie nach Harry M. Markowitz vielfach eingesetzt wird.

Aus deren Anwendung resultieren jedoch häufig zu einseitig strukturierte Portfolios.

Mit dem Core-Satellite-Ansatz als Weiterentwicklung der Modernen Portfolio-Theorie ist es möglich, strategische Beteiligungen, regulatorische Restriktionen oder auch individuelle Bedürfnisse privater Investoren in die Optimierung der Kapitalanlagestrategie aufzunehmen.

Kern des Portfolios

Der Kern des Portfolios sorgt dafür, dass die Wertentwicklung mit Hilfe der Indexfonds zuverlässig an die Märkte angekoppelt wird.

Der Core sollte der Großteil des Anlagevermögens sein.

Auch hier hängt die Gewichtung von den individuellen Rendite- und Risikopräferenzen ab.

Die Peripherie können einerseits Anlagen bilden, die du selbst verwaltest.

Das können unter anderem

  • Einzelaktien,
  • Anleihen,
  • Rohstoffe oder
  • Immobilien

sein.

Diese individuelle Auswahl soll dazu dienen, die Rendite deines Gesamtportfolios zu erhöhen.

Andererseits können diese Satelliten aber auch ETFs sein, wozu ich aus Gründen der Risikostreuung eher raten würde.

Die Satelliten

Die Satelliteninvestments stellen jeweils nur einen geringen Anteil am Gesamtportfolio dar.

Sie sind meist aktiv gemanagte Teilportfolios, welche ausgewählte Bereiche abdecken, die überdurchschnittliche Renditebeiträge liefern sollen und aufgrund geringer Korrelationen mit dem Core-Investment diversifizierend wirken.

Für die Anreicherung bzw. Diversifizierung des Kernportfolios eignen sich zum Beispiel Satelliteninvestments wie geographische Regionen, bestimmte Anlageklassen oder bestimmte Fondsmanagementstile/-strategien.

Deine Satellitenstrategie kann sich auf einzelne chinesische Aktien, aktiv gemanagte Investmentfonds (z.B. im Bereich der Nano- oder Biotechnologie), Euroanleihen oder High-Yield-Bonds (Hochzinsanleihen) erstrecken.

Du solltest allerdings genau überlegen, wie groß der Anteil der Core-Investments sein soll.

In gewisser Weise ähnelt dieser Ansatz der Pareto-Regel, die ein Verhältnis von 80 zu 20 beschreibt.

Nach dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto erzielen die meisten Unternehmen mit 20 Prozent der wichtigsten Kunden 80 Prozent des Umsatzes; 20 Prozent der Unternehmen haben 80 Prozent der Marktanteile.

Diese 20-zu-80-Regel trifft natürlich auch auf Investments zu, so dass man im Normalfall mit 20 Prozent der Investments 80 Prozent der Wertsteigerung erreicht.

Die Core-Investments dienen dazu, eine kontinuierliche, durchschnittliche Rendite zu bekommen, die den Sockel der Investments bilden.

Die Satelliten sollen dagegen für einen Renditeschub sorgen und stellen gleichsam das Sahnehäubchen auf dieser Anlagestrategie dar.

Buy-and-Hold Anlagestrategie

Buy-and-Hold steht für eine passive Anlagestrategie, die auf Schwankungen am Aktienmarkt überhaupt nicht reagiert.

Dabei bedeutet passiv, dass es sich um ETFs handelt, die jeweils einen bestimmten Börsenindex passiv – also ohne Fondsmanager – nachbilden.

Stattdessen übernimmt ein entsprechend programmierter Computer die Nachbildung des Börsenindex.

Es erfolgt keine aktive Auswahl von Einzeltiteln (Stock-Picking).

So sind in der reinen Index-Lehre auch keine Stopp-Loss-Orders zugelassen.

Die Buy-and-Hold Strategie bezeichnet die Vorgehensweise von ETF-Investoren mit langfristigem Zeithorizont.

Ziel ist nicht die kurzfristige Erzielung von Kursgewinnen durch Verkauf über Einstandskurs, sondern ein langfristiger Vermögenszuwachs durch nachhaltige Kurssteigerungen der erworbenen Papiere.

Hold-and-Buy heißt also:

Kaufen und lange, sehr lange halten.

Die Short-Selling Anlagestrategie

Unter Short Selling oder Leerverkauf versteht man den Verkauf eines Wertpapiers, das der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt gar nicht besitzt. Der Verkäufer profitiert von dem Leerverkauf, wenn der verkaufte Titel im Preis sinkt.

Ein Leerverkauf kann als Kassageschäft ausgestaltet sein, bei dem der Verkäufer die Wertpapiere bei einem Broker leiht und in relativ kurzer Frist (2-3 Tage) nachliefern muss, oder als Termingeschäft erfolgen.

Bei den Termingeschäften unterscheidet man in unbedingte Termingeschäfte durch Forwards und Futures und bedingte Termingeschäfte durch Optionen, wobei die Lieferung jeweils erst in der Zukunft erfolgt.

Was sind Short-Selling Fonds?

Short-Selling Fonds, leihen sich nach ihrer Einschätzung überbewertete Aktien für eine festgelegte Zeit und verkaufen diese sofort am Markt.

Sie rechnen damit, die Aktien zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückkaufen und dann ihr Konto bei dem Verleiher (Broker) glattstellen zu können.

Die aus dem Verkauf der Aktien erlösten Mittel werden in der Regel in anderen Papieren angelegt, die dann vor allem der Besicherung des Rückkaufs der Wertpapierleihe dienen.

Einen Verlust erleidet ein Short Seller, wenn er sich in seinen Annahmen geirrt hat, und die geliehenen Aktien an Wert zulegen.

Dann muss er diese Papiere zu einem höheren Kurs zurückkaufen.

Absicherung mittels Leerverkauf (Short-Selling)

Neben der Spekulation eignet sich der Leerverkauf von Wertpapieren auch als Absicherungsgeschäft von Positionen.

So gleichen sich die Verluste einer Long-Position mit den Gewinnen der Short-Position aus oder umgekehrt.

Eine weitere Möglichkeit der Nutzung besteht in der Ausnutzung von Preisinkonsistenzen zwischen Kassa- und Terminmarkt.

Hält man den Preis am Terminmarkt für unterbewertet, geht man beispielsweise heute am Kassamarkt Short und am Terminmarkt Long, kauft also in der Zukunft (nach Abzug von Zins- und Lagerkosten=Convenience Yield) günstiger das Wertpapier als es verkauft wurde und kassiert so einen Arbitragegewinn.

Mit Short-ETFs auf einen fallenden Aktienmarkt setzten

Anlagestrategie: Short-Selling-Strategie

Der Xtrackers EURO STOXX 50 Short Daily Swap UCITS ETF 1C (WKN DBX1SS) bildet die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index invers nach.

Der EURO STOXX® 50 Short Index bildet die inverse Wertentwicklung des EURO STOXX® 50 Index auf täglicher Basis ab. Der EURO STOXX® 50 Index bietet Zugang zu den 50 größten Unternehmen der Eurozone.

Eine negative Entwicklung des Dow Jones EURO STOXX 50 Index führt zu einer positiven Entwicklung des Index und umgekehrt.

Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,40% p.a. Die Wertentwicklung des Index wird im Fonds synthetisch durch Finanz-Tauschgeschäfte (Swaps) nachgebildet.

Der Xtrackers EURO STOXX 50 Short Daily Swap UCITS ETF 1C hat ein Fondsvolumen von 247 Mio. Euro. Der ETF ist älter als 5 Jahre und in Luxemburg aufgelegt.

Eine Übersicht über Short & Leveraged ETFs auf Aktien findest du übrigens hier:

https://www.justetf.com/de/find-etf.html?productGroup=epg-shortAndLeveraged&query=short-etf&assetClass=class-equity

Fazit: Mit ETFs ist so manche Anlagestrategie möglich

Mit ETFs lassen sich zahlreiche Anlagestrategien umsetzen.

Dabei empfehle ich dem Durchschnittsanleger, der kein Millionenvermögen verwaltet, eher eine übersichtliche Anzahl an ETFs im Portfolio.

Für kleine Vermögen bis 25.000 EUR reichen m. E. durchaus drei bis fünf verschiedene ETFs aus. Bei Vermögen zwischen 25.000 und 100.000 EUR reichen meist 5 bis 10 ETFs und darüber max. 15.

So gelingt es dir stets, den Überblick zu bewahren.

Aber bedenke:

Aktive Anlagestrategien werden zwar Kosten verursachen, doch ob sie zu einer Überrendite führen, bleibt fraglich.

Am besten fährst du mit einer Buy-and-Hold Strategie mit ETFs auf breite, weltweit streuende Indizes.

Viel Erfolg! 🙂

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2 Gedanken zu „Anlagestrategie: Wie du mit ETFs verschiedene Strategien umsetzt“

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