Börsenindizes für Anleger ab 60: Wie ETFs den Index abbilden

Lesedauer 5 Minuten

ETFs bilden Börsenindizes nach; jeweils einen bestimmten Börsenindex. Dies können sie auf unterschiedliche Art und Weise tun. Dabei birgt eine Art der Indexnachbildung zumindest eine theoretische Gefahr für Anleger.

Was versteht man unter einem Börsenindex?

Und wie bilden ETFs einen Böersenindex nach?

Gibt es da mehrere Varianten?

Und was bedeuten sie jeweils für Privatanleger?

All diese Fragen beantwortet der folgende Blogartikel.

Hier zunächst eine Übersicht über den Artikel:

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Börsenindizes als Basis für ETFs

Börsenidex aks Basis für ETFs

Es gibt zahlreiche Börsenindizes, zu denen laufend neue hinzukommen.

Es gibt Hunderte und Tausende.

Dabei entspricht ein Börsenindex einer errechneten Größe, die sich auf ein bestimmtes und genau definiertes Börsensegment bezieht.

So gesehen ist ein Börsenindex kein empirischer, real existierender Marktwert, sondern eine abstrakte, veränderliche konzeptionelle Größe.

So definiert Wikipedia den Begriff Börsenindex.

Die Berechnung von Börsenindizes erfolgt stets nach klar definierten Regeln.

So wird die Nachvollziehbarkeit sichergestellt.

Anbieter von Indizes sind in der Regel

  • Finanzverlage,
  • Börsen,
  • Banken oder
  • Ratingagenturen.

Der ursprüngliche Zweck eines Index war die Funktion als Marktbarometer.

Unter anderem dient ein Börsenindex Fondsmanagern und Vermögensverwaltern im Rahmen der Performancemessung als Vergleichsmaßstab bei der Leistungsbeurteilung (Benchmark).

Dabei können sich Börsenindizes auf unterschiedliche Anlageklassen beziehen:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien,
  • Rohstoffe und den
  • Geldmarkt,

um nur die für Privatanleger wichtigsten Anlageklassen zu nennen.

Beispiele für Aktienindizes wären der Deutsche Aktienindex DAX, der die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften umfasst.

Doch der DAX ist ein sehr kleiner Index.

Zumindest im Vergleich zum MSCI World Index, der ca. 1.650 Unternehmen aus 23 Industrienationen enthält.

Dabei lässt sich leicht erkennen, dass eine Investition in einen großen, viele verschiedene Unternehmen umfassenden Börsenindex eine gewisse Risikostreuung mit sich bringt.

Anders als ein Investment in Einzelaktien investiert man bei einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) in eine Vielzahl an Unternehmen.

Dies ist ein ganz entscheideneder Vorteil von ETFs im Vergleich zu einem Investment in Einzelwerte.

Und in einen ETF kann man bei bestimmten Online-Brokern bereits ab 25 EUR pro Monat investieren.

Das bedeutet, dass man jeden Monat ab 25 EUR in – im Falle des MSCI World Index – ca. 1.650 verschiedene Unternehmen investiert und an deren Wertentwicklung partizipiert.

Dabei können ETFs ihren Börsenindex auf unterschiedliche Art und Weise nachbilden.

Wie ETFs einen Index abbilden

Es gibt drei unterschiedliche Methoden, wie ETFs einen Index abbilden können.

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile.

Im Einzelnen handelt es sich um

  • die physische Replikation,
  • die Sampling-Methode und
  • die synthetische Replikation.

Einen Index abbilden: Die physische Replikation

Bei der physischen Replikation kauft ein Index alle Aktien entsprechend ihrem jeweiligen Marktanteil  am Index (Marktkapitalisierung).

Dabei ergibt sich der Marktanteil eines Unternehmens aus der Gesamtzahl seiner Aktien multipliziert mit dem jeweiligen Börsenkurs der Aktie.

Einerseits ist diese Methode besonders transparent, andereseits aber auch sehr teuer.

Vor allem bei größeren Indizes.

Denn große Indizes mit mehreren hundert oder tausend Aktien verursachen einen hohen Verwaltungsaufwand mit entsptechenden Kosten.

Denn bei großen Indizes verändert sich deren Zusammensetzung häufig, weil beispielsweise bestimmte Unternehmen in den Index aufgenommen werden und andere ausscheiden.

Was ein ETF dann jeweils nachvollziehen muss.

Das bedeutet jedoch, dass die jährlichen Verwaltungskosten eines ETFs bei großen Indizes bei physischer Replikation (Nachbildung) besonders hoch sind.

Deshalb wurde die Sampling-Methode entwickelt, die deutlich kostengünstiger ist.

Die Sampling-Methode

Den Index mit der Sampling-Methode nachbilden

Bei der Sampling-Methode kommen statistische Verfahren zum Einsatz.

Und zwar wird von einem Indexfonds nur eine statistisch repräsentative Anzahl an Wertpapieren des zugrundeliegenden Index gekauft.

Dabei verursacht die Verwaltung eines ETFs, der nach der Sampling-Methode konstruiert ist, deutlich weniger Kosten als die physische Replikation.

Das ist der entscheidende Vorteil.

Und der Grund dafür, dass große ETFs mit mehreren hundert bzw. tausend Wertpapieren in der Regel ihren Index gemäß der Sampling-Methode abbilden.

Ein bekannter Index, der sich im ETF nicht ohne Weiteres durch vollständige Replikation darstellen lässt, ist beispielsweise der MSCI All Countries World Index.

Ein ETF, der diesen Index abbildet, ist der iShares MSCI ACWI UCITS ETF (Acc) ( WKN: A1JMDF).

Während der Index 2.477 Aktien aus 23 Industrie- und 23 Schwellenländerns umfasst, sind in diesen ETFs nur 1.284 Aktien enthalten.

Allerdings wird die sogenannte Tracking Differenz als Maß für die Genauigkeit der Indexabbildung dadurch erwartungsgemäß höher sein als im Fall der physischen Replikation.

Denn bei Indizes mit einer großen Anzahl an Titeln kann die Sampling-Methode zu Ungenauigkeiten bei der Indexabbildung führen.

Deshalb gibt es noch eine dritte Methode zur Indexabbildung, nämlich die synthetische Replikation mit Swaps.

Synthetisch einen Index abbilden

Börsenindizes mit Swaps nachbilden

Bei dieser Methode kauft der seinen Index synthetisch abbildende ETF einfach irgendwelche Aktien, die oft nichts mit den Titeln des Index gemeinsam haben.

Diese tauscht er dann gegen den tagesgenauen Wert des Index mit einer Bank (sogenannter Kontrahent).

Ein solches Bankgeschäft nennt man Swap (Tauschgeschäft).

Die Bank tätigt mit diesen Aktien beispielsweise Leerverkäufe.

Dabei setzt die Bank zum Beispiel auf sinkende Kurse, verkauft also vorher diese Aktien, um sie dann – nachdem die Kurse gefallen sind – wieder billiger zurückzukaufen und sich die Differenz als Gewinn in die eigene Tasche zu stecken.

Heutzutage werden solche Swap-Geschäfte in der Regel abgesichert.

Außerdem sind sie nach den Vorschriften der UCITS (Abk. für Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities, eine Richtlinie, die auf eine Vereinheitlichung des europäischen Investmentrechts zielt) gesetzlich auf 10 Prozent des Nettoinventarwertes des jeweiligen ETFs beschränkt.

Trotzdem ist es – zumindest theoretisch – möglich, dass der Kontrahent – die jeweilige Bank – in Konkurs gerät und der Swap somit wertlos wird.

Das nennt man das so in die Literatur eingegangene Kontrahentenrisiko eines seinen Index synthetisch abbildenden ETF.

Doch der Anteil synthetischer ETFs liegt bei lediglich 2 bis 3 Prozent und der aktuelle Trend geht klar zur physischen Replikation bzw. zum optimierten Sampling.

Neben dem Nachteil des Kontrahentenrisikos haben synthetische ETFs jedoch auch zwei Vorteile:

Erstens sind die Verwaltungskosten synthetischer ETFs geringer als die von physisch replizierenden Indexfonds.

Und zweitens ist die Genauigkeit der Indexabbildung höher als beim optimierten Sampling.

Fazit: So können ETFs Börsenindizes abbilden

Mit ETFs Börsenindizes nachbilden

ETFs bilden also stets einen bestimmten Börsenindex nach.

Börsenindizes dienen unter anderem dazu, bestimmte Marktrends erstens sichtbar und zweitens messbar zu machen.

Dabei kann die Nachbildung von Indizes durch ETFs durch drei unterschiedliche Methoden erfolgen.

Erstens die physische Replikation, bei der der jeweilige Indexfonds alle Wertpapiere des Index entsprechend der jeweiligen prozentualen Marktkapitalisierung kauft.

Bei großen Indizes verursacht dieses Vorgehen hohe Verwaltungskosten.

Deshalb wurde das optimierte Sampling entwickelt, bei dem nur eine statistisch repräsentative Anzahl an Wertpairen gekauft wird.

Dieses Vorgehen führt jedoch zu einer gewissen Ungenauigkeit der Indexabbildung.

Die dritte Methode – die synthetische Replikation – hat zwar niedrige Kosten und eine hohe Abbildungsgenauigkeit des Index, doch birgt sie das sogenannte Kontrahentenrisiko und ist heute eher auf dem Rückzug.

Aufgrund u. a. der Kritik in Presse, Funk und Fernsehen an synthetischen ETFs, geht der Trend heute eindeutig in Richtung der pysischen Replikation bzw. des optimierten Sampling.

Die meisten ETF-Portfolios enthalten deshalb ETFs, die ihren Index physisch nachbilden bzw. das optimierte Samplig-Verfahren anwenden.

Wie beurteilst du diese drei Verfahren zur Indexabbildung?

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