Rohstoff ETF: Das Portfolio mit Rohstoffen diversifizieren

Lesedauer 7 Minuten

Rohstoffe sind eine eigene Anlageklasse. Mit einem Rohstoff ETF kann man das Gesamtrisiko eines Portfolios weiter diversifizieren. Vor allem deshalb, weil Rohstoffe nur eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen aufweisen.

Warum Rohstoffe ein lohnendes Investment sind

Rohstoffe sind eine eigene Anlageklasse.

Ebenso wie

  • Aktien,
  • Anleihen,
  • Immobilien und
  • der Geldmarkt,

um nur die wichtigsten zu nennen.

Sie sind vor allem deshalb interessant, weil sie eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen aufweisen.

Das bedeutet, wenn beispielsweise die Aktienkurse sinken, nicht notwendigerweise auch die Rohstoffpreise – und damit der Kurs eines Rohstoff ETF – sinkt.

Dadurch tragen sie erheblich zur Diversifikation des Risikos eines Portfolios bei.

Rohstoff-Investments produzierten in der Finanzkrise ab 2008 und auch in den Jahren ab Mitte 2009, als sich Aktien und Immobilien global nach einem etwa achtzehnmonatigen Crash zu erholen begannen, bis heute eher enttäuschende Renditen, wie Gerd Kommer in seinem Klassiker über ETFs notiert.

Wer die positiven Wirkungen von Rohstoffinvestments auf sein Depot trotzdem nutzen will, kann schon seit langem auf Rohstoff-ETFs setzen. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten.

Dabei gilt ein Investment in Rohstoffe als risikoreich.

Als Depotbeimischung kann es dennoch wegen des Diversifikationsaspektes sinnvoll sein.

Dabei erfolgt eine Investition in der Regel über Terminmärkte mittels Terminkontrakten bzw. Futures.

Rohstoff-Indizes enthalten oft einen Mix aus verschiedenen Rohstoffen, wie

  • Agrarprodukten,
  • Industriemetallen,
  • Energie oder
  • Edelmetallen.

Die meisten Rohstoffvorkommen sind endlich

Zum einen sind Rohstoffe Sachwerte.

Als solche bieten sie einen Mehrwert, denn im Umfeld von steigenden Konsumentenpreisen legen auch sie in der Regel an Wert zu.

Außerdem sind die meisten Rohstoffe im Wert konjunktursensitiv.

Ein Rohstoff ETF ist konjukturintensiv

Das bedeutet, dass die Nachfrage nach Erdgas, Rohöl oder Industriemetallen immer dann besonders hoch, wenn die (Welt-)Wirtschaft auf hohen Touren läuft.

Darüber hinaus bietet die Investition in Rohstoffe eine strategische und langfristig lohnenswerte Perspektive.

Denn die meisten Rohstoffvorkommen sind begrenzt.

Und das führt schon bei gleichbleibender Nachfrage auf lange Sicht zu höheren Preisen.

Welche Rohstoffe für ETFs interessant sind

Edelmetalle

Rohstoff ETF auf Basis von Edelmetallen

Hierzu zählen Gold und Silber als Klassiker. Auch weniger häufig gehandelte Metalle wie Palladium und Platin zählen dazu.

Industriemetalle

Rohstoff ETF auf Basis von Industriemetallen

Wegen der industriellen Verwendung sind Metalle wie Nickel, Kupfer, Zinn und Zink deutlich konjunktursensitiver. Ihr Anlageerfolg hängt stark von den Kursen am Terminmarkt ab.

Agrarrohstoffe

Rohstoff ETF auf Basis von Agrarrohstoffen

Agrarrohstoffe sind Rohstoffe, die aus landwirtschaftlicher Produktion stammen und vom Menschen für weiterführende Anwendungszwecke des Nahrungs- und Futterbereich und als nachwachsende Rohstoffe verwendet werden.

Die Hauptanwendungen von Agrarrohstoffen liegen seit jeher in der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln. Für diesen Zweck werden vor allem Getreidearten wie Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer, Gerste, und Triticale sowie Hackfrüchte wie Kartoffel, Zuckerrübe, Zuckerrohr und Maniok genutzt. Auch Ölpflanzen wie Raps, Erdnuss, Ölpalme und Soja bzw. die aus ihnen gewonnen Pflanzenöle sind als Agrarrohstoffe bedeutsam.

Energie

Rohstoff ETF auf Basis von Energie

Hier sind vor allem fossile Brennstoffe Gas, Öl und Kohle gemeint.

Bei Rohstoffen kauft man meistens Futures

Rohstoffe werden per Future gehandelt

Rohstoffe werden in der Regel an der Warenterminbörse in Form sogenannter Terminkontrakte bzw. Futures gehandelt

Denn niemand, der in Rohstoffe investiert, kauft diese physisch und lagert bei sich zuhause in der Garage zum Beispiel Schweinehälften oder Getreidesäcke ein.

Deshalb kommt es auf das richtige Papier an:

Mal abgesehen von Edelmetallen, die man auch als Barren, Münzen oder Schmuck erwerben kann.

So funktioniert ein Rohstoff ETF

Wie ein Rohstoff ETF funktioniert

Um das Ziel zu erreichen, den Rohstoffindex zuverlässig abzubilden, kann das Management des Rohstoff ETF unter anderem eine sogenannte Swap-Vereinbarung eingehen.

Die Partner dieser Swap-Vereinbarung sind der jeweilige ETF und eine Investmentbank.

Sie vereinbaren einen Austausch zwischen den Renditen des Wertpapierkorbes, den der ETF gekauft hat,  und des Rohstoff-Index.

Also kauft in diesem Fall der Rohstoff ETF nicht einfach Rohstoff-Futures, die diesen Index abbilden.

Stattdessen investiert er in eine Auswahl von Wertpapieren, die nichts oder nur wenig mit Rohstoffen zu tun haben und sich deshalb unabhängig von den Preisen für Rohstoffe entwickeln.

Dabei gibt es jedoch immer ein Kontrahentenrisiko:

Das bedeutet, dass die Bank als Swap-Partner zumindest theoretisch in Konkurs gehen kann.

Bei einem Rohstoff ETF, der  auf Terminkontrakten basiert, findet keine tatsächliche Lieferung von Waren statt.

Die zugrunde liegenden Futures versprechen eine Lieferung einer bestimmten Menge des Rohstoffs in einer bestimmten Qualität zu einem bestimmten Preis in der Zukunft.

Da diese Terminkontrakte irgendwann fällig werden, müssen sie vorher regelmäßig von einem Kontrakt zum nächsten umgeschichtet oder wie es in der Fachsprache auch heißt, gerollt werden.

Ist der Kontrakt mit der längeren Laufzeit, der beim Umschichten gekauft wird, etwa teurer als der auslaufende Kontrakt, wird durch den Rolleffekt ein Verlust verursacht.

Dieser wird als Rollverlust bezeichnet und heißt auch Contango.

Aber es kann auch zur gegenteiligen Situation kommen.

Gibt es einen Preisabschlag, spricht man von Backwardation. Diese führt zu einem Rollgewinn.

Dies wird durch folgende Abbildung deutlich:

Cotango

Rolloptimierte Varianten von Rohstoff ETFs

ETFs auf Rohstoffe gibt es auch als rolloptimierte Versionen.

Bei diesen Indexfonds versuchen die Fondsmanager durch ein geschicktes Verkaufen der Terminkontrakte den Rollmechanismus zu überlisten.

In einer Contango-Situation etwa investieren sie in Futures auf einem flachen Punkt der Terminkurve.

In der Backwardation-Situation wählen sie Kontrakte auf einem steil abfallenden Abschnitt der Terminkurve.

Im ersten Fall wird der Verlust minimiert, im zweiten Fall der Gewinn maximiert.

Und im günstigsten Fall gleichen sich Verluste und Gewinne aus.

Vorteile eines Rohstoff ETF

Wenn Du in Zertifikate auf Rohstoffe investierst, nutzt du die einfachste Art der Rohstoff-Investments.

Sie sind klar von Rohstoff ETF abgegrenzt.

Allerdings sind Zertifikate auf Rohstoffe Schuldverschreibungen.

Damit unterliegen sie immer dem Emittentenrisiko.

Das heißt für dich als Anleger:

Schlittert der Herausgeber in die Insolvenz, ist auch in der Regel das von dir investierte Kapital verloren.

Bei einem ETF auf der Basis von Rohstoffen kann dir das allerdings nicht passieren.

Denn das von dir in den ETF eingebrachte Kapital zählt nämlich zum Sondervermögen.

Geht die ausgebende Fondsgesellschaft in Konkurs, gehören die Einlagen daher nicht zur Insolvenzmasse.

Sie werden in einer unabhängigen Depotbank aufbewahrt und an die Investoren zurückgeführt.

Beispiele für Indizes für Rohstoff ETFs

Rohstoff ETF basieren auf Indizes

In der Regel basieren breit aufgestellte Rohstoff-ETFs sowohl auf Edelmetallen, Industriemetallen, Agrarrohstoffen als auch auf Energie.

Dabei gibt es unterschiedliche Indizes, u. a. die Folgenden:

  • Der Rogers International Commodity Index (RICI) ist ein breiter Rohstoffindex, der Zugang zu 37 Rohstoffen bietet. Die Zusammensetzung orientiert sich am weltweiten Verbrauch und der Liquidität der einzelnen Rohstoffe.
  • Der Thomson Reuters/CoreCommodity CRB Index ist ein breiter Rohstoffindex, der Zugang zu 19 Rohstoffen bietet. Abhängig von ihrer Liquidität werden bei diesem Index die Rohstoffe in vier Gruppen eingeteilt und innerhalb derer gleichgewichtet.
  • Der Bloomberg Commodity Index (früher: DJ-UBS Commodity Index) bietet Zugang zu Futures auf 20 Rohstoffe, aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Agrarrohstoffe.
  • Der Commerzbank Commodity (CoCo) ex-Agriculture Monthly EUR Hedged Index bietet Zugang zu den 12 liquidesten und bedeutendsten Rohstoffen, die durch Terminkontrakte abgebildet werden. Alle Rohstoffe sind ursprünglich gleichgewichtet.

Bei justetf sind aktuell 28 verschiedene Rohstoff-ETFs gelistet.

Dort kannst du auch deine ETF-Suche starten.

Dabei reicht das Spektrum zum Beispiel vom Commerzbank Commodity (CoCo) ex-Agriculture Monthly EUR Hedged Index, der Zugang zu den 12 liquidesten und bedeutendsten Rohstoffen bietet, die durch Terminkontrakte abgebildet werden, bis zum Deutsche Bank Liquid Commodity Optimum Yield Balanced Index, der die Wertentwicklung von 14 Rohstoffen abbildet: WTI Crude Oil, Brent Crude Oil, Heizöl, RBOB Gasoline, Erdgas, Aluminium, Kupfer, Zink, Gold, Silber, Weizen, Getreide, Sojabohnen und Zucker. Dabei versucht der Index die Roll-Rendite zu optimieren.

Oder der WisdomTree Enhanced Commodity UCITS ETF USD Acc, der in einen Rohstoff-Korb investiert, welcher breiten Zugang zu verschiedenen Rohstoffen liefert aus Energie, Landwirtschaft, Industriemetalle und Edelmetallen. Die Wertentwicklung des Index wird im Fonds synthetisch durch Finanz-Tauschgeschäfte (Swaps) nachgebildet. Der WisdomTree Enhanced Commodity UCITS ETF USD Acc hat ein Fondsvolumen von 199 Mio. Euro, ist älter als 3 Jahre und in Irland aufgelegt.

Dabei haben sich diese drei Rohstoff ETF wie folgt entwickelt.

Chart

Die Unterschiede sind im Chartvergleich oben deutlich erkennbar.

Es folgen die Basisdaten dieser Rohstoff-ETFs.

Basisdaten

Diese ETFs werden bei folgenden Brokern angeboten:

Anbieter-Sparplan

Und hier noch Anlagestrategie und Wertentwicklung der Rohstoff-ETFs:

Daten-IV

Und hier noch Ertragsverwendung und das jeweilige Fondsvolumen:

Daten-V

Und noch die Wertentwicklung im abschließenden Vergleich:

Renditevergleich

Fazit: Mit einem Rohstoff ETF das Risiko weiter streuen

Asset Allocation mit einem Rohstoff ETF

Ein Rohstoff-ETF ist im Grunde genommen ein interessantes Investment, das zur Diversifikation deines Portfolios beiträgt.

Allerdings sollte man sich schon etwas genauer mit dem zugrundeliegenden Index und den ihn abbildenden ETFs auseinandersetzen.

Kauft der jeweilige Rohstoff-ETF tatsächlich Rohstoff-Futures oder verwendet er einen Swap?

Achte auf jeden Fall auf die Entwicklung an den entsprechenden Rohstoffmärkten.

Beispiel Energie:

Wenn Du zum Beispiel zu der Überzeugung gelangst, dass die Öl- und Gaspreise nach einem langen Tief wieder anziehen, solltest Du einen ETF wählen, der hauptsächlich auf Energie setzt.

Das gleiche gilt für andere Rohstoff-Bereiche.

Und denke bei jedem Investment daran:

Du musst von der positiven Entwicklung der Branche überzeugt sein.

Allerdings sollte ein Rohstoff-ETF nur eine Depotbeimischung sein, um das Risiko des Gesamtportfolios zu diversifizieren.

Diese sollte für den Normalanleger 5 bis 10 Prozent des Gesamtwertes des ETF-Portfolios nicht überschreiten.

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