Zahlungsmittel Kryptowährung: Setzen sich Kryptos online durch?

Lesedauer 7 Minuten

Das Zahlungsmittel Kryptowährung wird immer bekannter. 2009 kam mit Bitcoin die erste Kryptowährung auf den Markt. Inzwischen gibt es weit über 10.000 verschiedene Kryptowährungen. Doch taugen sie auch als Zahlungsmittel?

Seitdem revolutionieren Kryptowährungen mit ihrer unterliegenden Blockchain-Technologie die digitale Welt. Inzwischen hat die Blockchain-Technologie in verschiedene Branchen Einzug gehalten, unter anderem in Form von Smart Contracts zum Beispiel in der Versicherungsbranche. Auch Anwendungen wie NFTs (Non-Fungible-Token) u. a. zum Schutz geistigen Eigentums als neuester Hype bestimmen den Online-Alltag.

Denn Kryptowährungen erfüllen mittlerweile eine weitere wichtige Funktion: als Korrektiv, das Schwächen des existierenden Systems aufdeckt. Entwicklerinnen und Nutzer werfen wichtige Fragen auf:

  • Welche Funktion sollen digitale Werte in unserer Gesellschaft einnehmen?
  • Wer hat im aktuellen System die Macht – und wer sollte sie haben?
  • Wie kann eine Welt ohne Banken aussehen?
  • Wie können geistiges Eigentum und Urheberrechte mithilfe von Entwicklungen wie NFTs besser geschützt werden?

Wer Kryptowährungen pauschal als unnötig abtut, entzieht sich der notwendigen Diskussion.

Was bislang allerdings ausblieb, ist die flächendeckende Integration von Kryptowährungen in den Bezahl-Alltag der Nutzer. Viele Anleger sehen in dem digitalen Geld mehr ein Wertaufbewahrungsobjekt als eine tatsächliche Zahlungsmethode. Da das Interesse der User also nicht auf dem Bezahlen liegt, sehen sich Händler auch nicht dazu gezwungen, Kryptowährungen als Bezahloption anzubieten. Die wachsende Bedeutung rund um das Thema Zahlungsmittel Kryptowährung, die von Jahr zu Jahr zuzunehmen scheint, könnte das ändern. Wird es also irgendwann normal sein, beim Online-Shopping mit Kryptowährungen zu bezahlen?

Was für den Einsatz vom Zahlungsmittel Kryptowährung spricht

Zahlungsmittel Kryptowährungen

Dass wir eines Tages in der nahen Zukunft ausschließlich mit Bitcoin  Co. zahlen würden, ist ohnehin eine Vision, die nicht viel mit der Realität zu tun hat. Schließlich müsste man erst Milliarden von Menschen davon überzeugen, dass ihre bisherigen Fiatgelder, wie EUR, USD, Yen und Co., bald der Vergangenheit angehören. Diese würden stattdessen von überaus volatilen digitalen Coins ersetzt, die erst vor wenigen Jahren kreiert und entwickelt wurden. Doch wie sieht das in der Zukunft aus? Könnte Bitcoin  Co. mittel- bis langfristig ein akzeptiertes Zahlungsmittel im digitalen Alltag werden? Es gibt einige Argumente, die dafürsprechen.

Die Blockchain-Technologie sorgt für eine besonders hohe Sicherheit, die Banken schlichtweg nicht garantieren können. Da jede Transaktion auf der Blockchain dokumentiert wird, gehören Fälschungen potenziell der Vergangenheit an. Das bedeutet zugleich für jeden Besitzer von Bitcoin oder Altcoins (alternative Kryptowährungen), dass bei ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen hinsichtlich der eigenen Wallet nichts mit dem Guthaben geschehen kann. Letzteres ist deshalb zugleich so privat, wie es nur sein kann.

Der Nutzer selbst würde also durchaus viele positive Punkte finden, die auch dazu führen, dass Kryptowährungen immer häufiger online akzeptiert werden – auch wenn es sich dabei noch nicht um die breite Masse handelt. In der iGaming-Branche kann dieser Trend gut beobachtet werden. Anbieter neuer Online Casinos fokussieren sich vermehrt auf den Umgang mit Kryptowährungen und erlauben die Einzahlung der gängigsten Vertreter unter ihnen. Auch Trading-Seiten verfolgen einen ähnlichen Ansatz und implementieren inzwischen Bitcoin und Co. in ihr System.

Doch auch andere Unternehmen sitzen längst mit im Boot, wenn es um Zahlungen mit digitalen Coins geht.

Mit Bicoin & Co. heute schon bezahlen

Mal eben den Wocheneinkauf mit Bitcoin bezahlen? Mancherorts ist das bereits möglich. Denn in vielen Geschäften vor Ort kann auch das Zahlungsmittel Kryptowährung zur Bezahlung eingesetzt werden. Dafür müssen die Bitcoins von deinem Wallet an das Wallet des Verkäufers bzw. der Verkäuferin geschickt werden.

Weil Kryptowährungen von vornherein digital sind, eignen sie sich ideal fürs Bezahlen im Internet. Dabei funktioniert die Zahlungsabwicklung in den meisten Fällen wie im Laden vor Ort – mithilfe eines QR-Codes, den du mit deiner Handykamera scannen kannst. Alternativ erhältst du die Wallet-Adresse des Händlers bzw. der Händlerin sowie den zu zahlenden Betrag per E-Mail.

Aktuell gibt es jedoch noch wenige Unternehmen, bei denen du online mit Bitcoin bezahlen kannst. Das war nicht immer so: In den letzten Jahren erprobten mehrere namhafte Unternehmen wie Tesla, Expedia, Microsoft oder Greenpeace diese neumodische Zahlungsmethode. Außerdem konnte man für einige Zeit bei Wikipedia und Twitch – über den Zahlungsdienstleister bitpay – mit der Kryptowährung bezahlen. Allerdings haben alle genannten Unternehmen diesen Service mittlerweile wieder eingestellt.

Doch es gibt eine Ausnahme:

Bereits seit mehreren Jahren kannst du Pizza und Co. über Lieferando mit Bitcoin bezahlen. Ansonsten wird Bitcoin überwiegend von Privatpersonen verwendet, zum Beispiel für Einkäufe im Darknet. Allerdings dominieren hier alternative Kryptowährungen wie Monero, die für kleine Transaktionen besser geeignet sind und mehr Anonymität garantieren.

Was spricht gegen die weitere Ausbreitung vom Zahlungsmittel Kryptowährung?

Doch traditionell gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Während viele Unternehmen mittlerweile den Zahlungsverkehr mit Bitcoin ermöglichen, gibt es zahlreiche Anbieter, die noch zurückhaltend sind. Und auch sie haben ihre Gründe für die Skepsis. Da sind zum Beispiel die nach wie vor großen Schwankungen von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen, die eine langfristige Ausrichtung für Unternehmen schwierig machen. Denn kostet ein Produkt heute einen bestimmten Anteil eines Bitcoins, so können es morgen schon 20 Prozent weniger sein.

Dazu kommt die Akzeptanz bei den Menschen selbst. Denn solange sie nicht mit Kryptowährungen zahlen möchten, beziehungsweise ihren Bestand anbrechen wollen, wird sich die Technologie nicht durchsetzen – unabhängig davon, wie viele Vorteile die Blockchain-Welt auch bieten mag. Eine baldige Lösung für dieses Problem scheint nicht in Sicht zu sein, denn noch immer ranken sich viele Diskussionen der Experten darum, ob nicht doch irgendwann die vermeintliche Blase platzen wird und Bitcoin wieder verschwindet oder irrelevant wird.

Online besteht immerhin der Vorteil, dass dem Nutzer viele Optionen zur Verfügung gestellt werden können – weit mehr, als es etwa im Lieblingsrestaurant im Zentrum oder dem Blumenladen um die Ecke der Fall ist. Diese Auswahl schätzt der Kunde und kann sich dann aus freien Stücken entscheiden, ob er nicht doch lieber Bitcoin statt Fiatgeld zur Zahlung einsetzt. Insofern ist der Ausblick für die nähere Zukunft recht ungewiss. Zwar breiten sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel immer weiter aus, bis zur tatsächlichen Alltagstauglichkeit ist es allerdings noch ein langer Weg.

Doch vielleicht muss dies auch gar nicht das Ziel sein. Überstürzte Veränderung haben sich in der Vergangenheit bei Finanz- und Technikthemen immer als kritisch erwiesen. Sobald mehr und mehr Menschen etwas mit der Technologie anfangen können, wird die Akzeptanz ganz automatisch steigen. Somit muss auf ein organisches Wachstum gesetzt werden. Wie in dem sich rasant ändernden Feld der Kryptowährungen üblich, wird diesbezüglich nur die Zukunft Antworten liefern können.

Zahlungsmittel Kryptowährung: Mit Bitcoin & Co. bezahlen hat Vorteile und Nachteile

Blockchain

Das Zahlungsmittel Bitcoin bietet zusammenfassend Vorteile und Nachteile. Beginnen wir mit den folgenden Vorteilen:

  • Unabhängigkeit: Das Zahlungsmittel Kryptowährung ist weltweit verfügbar und überall gültig. Die Bezahlung funktioniert unabhängig von Banken. Deshalb kannst du jederzeit Bitcoins an jeden Ort auf der Welt transferieren. Dafür benötigst du weder ein Bankkonto noch eine Kreditkarte.
  • Transparenz: Bitcoin-Transaktionen werden mithilfe der Blockchain-Technologie durchgeführt. In der Blockchain wird jede Transaktion zwischen zwei Wallets festgehalten – inklusive des Transaktionszeitpunktes, der Höhe des Betrages, der gezahlten Gebühren und der beteiligten Wallet-Adressen. Diese Informationen können nicht gelöscht oder verändert werden. Außerdem sind sie stets öffentlich einsehbar.
  • Sicherheit: Grundsätzlich gelten Blockchain-Transaktionen als sehr sicher. Transaktionen können nur vorgenommen werden, wenn der Absender auch wirklich im Besitz der benötigten Bitcoins ist. Außerdem können angewiesene Bitcoin-Zahlungen nicht manipuliert werden oder verloren gehen.
  • Geschwindigkeit: In der Regel dauert eine Bitcoin-Transaktion nur wenige Sekunden. Dabei spielt es keine Rolle, ob du Bitcoins im Wert von einem Euro oder im Wert von einer Milliarde Euro verschickst. Wenn das Netz jedoch stark belastet ist, weil viele Nutzer gerade darauf zugreifen, kann eine Transaktion schon mal mehrere Minuten dauern. Dann kann die Transaktionsgeschwindigkeit zwischendurch auch zum Nachteil gereichen.

Aber vor allem bei kleinen Transaktionen überwiegen die Nachteile des Zahlungsmittels Kryptowährung:

  • Schlechte Benutzungsfreundlichkeit: Aktuell ist es noch aufwendig, mit Bitcoin zu bezahlen. Bereits die Wahl der Kryptobörse und einer geeigneten Wallet kann Zeit und Nerven kosten. Außerdem ist die manuelle Eingabe von Bitcoin-Beträgen und unhandlichen Wallet-Adressen durchaus fehleranfällig.
  • Geringe Akzeptanz: Der Bitcoin als Zahlungsmethode ist bisher bei Weitem noch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt erst wenige Akzeptanzstellen.
  • Transaktionsgebühren: Eine Zahlung per Bitcoin kostet immer dieselbe Gebühr, egal ob ein einziger Bitcoin das Konto wechselt oder eine Million. Außerdem steigen die Gebühren mit zunehmender Netzwerkauslastung. Deshalb lohnt es sich, eher hohe Beträge mit Bitcoin zu bezahlen – bei kleinen Geldsummen ist der Anteil der Gebühren einfach zu hoch.
  • Unveränderlichkeit: Durch die Blockchain sind Bitcoin-Zahlungen wie in Stein gemeißelt. Wenn Sie einen zu hohen Betrag eingeben oder Bitcoins an die falsche Adresse senden, kann die Transaktion nicht rückgängig gemacht werden. Dementsprechend gibt es also keinen Käuferschutz.
  • Schwankende Kurse: Der Preis von Kryptowährungen gleicht oft einer Berg- und Talfahrt. Bereits innerhalb eines Tages kann der Bitcoin-Kurs – und damit auch dein digitales Vermögen – um 10,15 oder sogar 20 Prozent und mehr schwanken.
  • Hackerangriffe: Trotz hoher Sicherheit besteht die Möglichkeit von Hackerangriffen. Nutzer von Kryptobörsen und Wallets werden schnell Opfer von u. a. Phishing-Angriffen.
  • Absicherung: Wenn du deinen privaten Schlüssel oder das Cold-Wallet verlierst, dann ist dein digitales Vermögen unwiderruflich verloren. Es bestehen keine rechtlichen Ansprüche oder Absicherungen.
  • Fehlende Regulierung: Der rechtliche Status von Bitcoin ist in Deutschland weitgehend ungeklärt. Folglich könnte es rein theoretisch u. a. geschehen, dass Bitcoins verboten oder die Steuern auf Kryptowährungen erhöht werden.

Ausblick: Können wir bald überall mit Kryptowährungen bezahlen?

Bitcoin & Co.

Trotz der zunehmenden Bedeutung des Bitcoin als Finanz- und Spekulationsobjekt nimmt die Zahl der Akzeptanzstellen in Deutschland bisher kaum zu. Das könnte sich aber bald abrupt ändern. Der Grund: PayPal bietet amerikanischen und britischen Nutzern schon jetzt die Möglichkeit, Kryptowährungen wie Bitcoin und Etherium zu kaufen und zu verkaufen. In den USA erprobt PayPal bereits das Bezahlen mit Kryptowährungen in ausgewählten Shops (Stand: September 2021).

Die zugehörige Funktion „Checkout with Crypto“ soll es PayPal-Nutzern demnächst ermöglichen, in Millionen von Geschäften das Zahlungsmittel Kryptowährung einzusetzen. Die Zahlungen werden dafür zunächst in US-Dollar umgerechnet und dann ausgeführt. Einkäufe können wahlweise mit

  • Bitcoin oder
  • den Altcoins Ethereum,
  • Litecoin oder
  • Bitcoin Cash

bezahlt werden.

Im nächsten Schritt soll die neue Funktion für Nutzer in Großbritannien freigeschaltet werden. Wann wir in Deutschland via PayPal mit Kryptowährungen bezahlen können, ist bisher noch nicht geklärt. Allerdings sollen auch andere Tech-Riesen wie Amazon, Apple und Google an ähnlichen Lösungen arbeiten. Deshalb ist es wohl eher eine Frage der Zeit, bis wir fast überall das Zahlungsmittel Kryptowährung mit Kryptos wie Bitcoin oder Etherium zum Bezahlen einsetzen können.

Zweifelsohne bringt aber auch das Zahlungsmittel Kryptowährung Probleme mit sich. Die hohe Volatilität erschwert in vielen Fällen die Nutzung als alternativer Wertspeicher. Und der Zugang ist jenen vorbehalten, die über Internetzugang und internetfähige Geräte verfügen. Coins, wie u. a. der Bitcoin, die auf Proof-of-Work Blockchains basieren, schaden der Umwelt, weil sie Unmengen an Strom fressen.

Um diese Probleme anzugehen, die Kryptowährungen mit sich bringen, sind fundierte Kritik und eine breite Debatte notwendig – ganz ohne pauschale Vorurteile.

Wenn du lieber in ETFs investierst als ins Zahlungsmittel Kryptowährung findest du hier eine Übersicht über die Anbieter:

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2 Gedanken zu „Zahlungsmittel Kryptowährung: Setzen sich Kryptos online durch?“

  1. Hallo Herr Nawatzki,

    mich würde interessieren, was Sie denken, wie sich ein BTC ETF auf den Preis und das System auswirkt und wie Sie zu den Gedankengängen kommen. Als „ETF-Blog“ ist das ja genau Ihr Thema.

    Vielen Dank,
    David

    Antworten
    • Hi David,

      ein BTC ETF würde es denjenigen Privatanlegern, denen eine Kryptobörse evtl. suspekt ist, leichter machen, in Bitcoin zu investieren. Doch schon jetzt können bestimmte Kryptowährungen auch über Online-Broker wie justTRADE oder Scalable Capital Broker etc. gekauft werden. Kryptowährungen zu kaufen, ist heute nicht mehr kompliziert, das war früher einmal so.

      Darüber hinaus würde es ein BTC ETF leicht machen, in Bitcoin zu investieren und somit in Kryptowerte zu diversifizieren, ohne ein zusätzliches Depot/Konto eröffnen zu müssen. Damit ständen Bitcoin und Co. einem noch größeren Publikum zur Verfügung. Das würde sich vermutlich positiv auf die Nachfrage auswirken und den Kurs dadurch steigen lassen. Zumindest von der Tendenz her.

      Allerdings wird es einen reinen Bitcoin ETF in Europa auf absehbare Zeit genauso wenig geben wie einen reinen Gold- oder Silber ETF. Denn gemäß UCITS-Bestimmungen (OGAW-Richtlinie) müssen in einem ETF immer mehrere Assets enthalten sein. In den USA und Kanada ist das allerdings anders.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten

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