Einzelwerte: Investments haben mehr Nachteile als Vorteile

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Manche Anleger kaufen gerne Einzelwerte. Doch ein Investment in diese hat mehr Nachteile als Vorteile. Doch worin bestehen diese Nachteile genau? Ein kritischer Blick auf ein Investment in Einzelwerte.

Wer Einzelwerte besitzt, streut das Risiko meist zu wenig

Mit Einzelwerten sind hier vor allem Aktien und Unternehmensanleihen gemeint.

Im Grunde genommen gibt es nur ein einziges und zudem noch schwaches Argument, das für ein Investment in Einzelwerte spricht:

Nämlich, dass sie einigen Anlegern schlicht und ergreifend Spaß bereiten.

Für diese ist Geldanlage nicht nur ein notwendiges Übel, sondern auch eine spannende Freizeitbeschäftigung, die nebenbei noch den Traum vom „reich werden ohne Arbeit“ erlaubt.

Manch ein Privatanleger braucht diesen Adrenalinstoß, den ein Investment in ETFs – Exchange Traded Funds – nun mal nicht in diesem Ausmaß bietet.

Denn Geldanlage in ETFs auf der Basis von „Buy and hold“ ist nun mal eher dröge, langweilig und ziemlich unspektakulär.

Sie dient schwerlich für „heiße Storys“ in der Firmenkantine.

Doch abgesehen von dem „Kick“, den eine Anlage in Einzelwerten vielleicht gelegentlich bietet, sprechen kaum weitere Argumente dafür.

Einzelwerte in Bezug auf Rendite und Risiko

Wohl kein Privatanleger ist auch nur annähernd in der Lage, rund 40.000 Einzelaktientitel in den 50 größten nationalen Aktienmärkten der Welt im Blick zu haben.

Deshalb investieren die meisten Einzelanleger nur in eine kleine Gruppe tendenziell größerer Unternehmen aus dem Heimatland bzw. der Heimatregion.

Dieses Anlageverhalten nennt die Forschung „Home Bias“ und ich habe mich auf ETF-Blog diesem Thema bereits gewidmet.

Diese irrationale Beschränkung auf deutsche und vielleicht noch europäische Einzelwerte ist jedoch ein willkürlicher Verzicht auf eine Reduzierung des Risikos und zum Teil auch des Ertragspotenzials.

Eine globale und damit optimale Risikostreuung (Diversifikation) ist jedoch nur mit Investmentfonds und hier am leichtetsten mit Indexfonds (ETFs) möglich.

Beispielsweise enthält der MCSI World Index über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab und der MSCI Emerging Markets Index über 800 Unternehmen aus 23 Schwellenländern.

Mit ETFs, die diese Indizes nachbilden, haben Sie mit nur zwei Indexfonds eine sehr breite Risikostreuung, die Privatanleger mit Einzelwerten kaum erreichen können.

Wer hat schon ca. 2.400 Einzelaktien im Depot?

Einzelwerte: ETFs kosten weniger als Einzelaktien

Fondsanlagen und ETFs sind Einzelwerten auch in Bezug auf ihre Kosten überlegen.

Wer es geschickt angeht, kann in Deutschland selbst bei eher kleineren Depotvolumina in Höhe von z. B. 10.000 Euro seine Gesamtkostenquote auf jährlich unter 0,5 Prozent drücken.

Die durchschnittlichen Verwaltungsgebühren für ETFs liegen nämlich nur bei 0,37 Prozent p. a.

Mit Einzelwerten schießen diese Kosten jedoch schnell auf teilweise mehr als 2 Prozent p. a. hoch .

Bei einer angenommenen durchschnittlichen Bruttorendite von 6 Prozent p. a. geht also mindestens ein Drittel dieses Jahresgewinns vor Steuern an die Finanzbranche.

Ich habe an anderer Stelle bereits deutlich gemacht, welch dramatische Auswirkungen eine solche Kostenbelastung unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes auf Ihr Endvermögen hat.

Eine vernünftige Aufteilung auf verschiedene Anlageklassen ist nur mit Fonds möglich

Tatsache ist, dass über 90 Prozent der Rendite und des Risikos eines durchschnittlichen Portfolios auf seine Verteilung auf bestimmte Anlageklassen zurückgehen.

Und nicht auf die Auswahl der Einzeltitel innerhalb einer Anlageklasse (u. a. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Geldmarkt).

Für Privatanleger ist jedoch eine Aufteilung Ihrer Geldanlagen auf verschiedene Anlageklassen (Asset-Allokation) mit vertretbarem Aufwand nur mithilfe von Fonds und am leichtesten mit breit steuenden ETFs möglich.

Mit ETF-Sparplänen können Mindestanlagebeträge drastisch reduziert werden

Bei Fondssparplänen, die fast alle Online-Broker mittlerweile anbieten, können Mindestanlagebeträge auf bis zu 25 Euro pro Monat reduziert werden.

Das ist mit einer Anlage in Einzelwerte nicht möglich.

Hier liegen die Mindestgrenzen – je nach Bank – zum Teil deutlich höher.

Vor allem sind die prozentualen Transaktionskosten bei Direktanlagen in Aktien mit Beträgen unterhalb von 1.000 Euro meistens höher.

Das gilt insbesondere, wenn es sich um Value-Aktien, Small Caps oder Schwellenländeraktien handelt.

ETFs sind deutlich pflegeleichter als Einzelwerte

Wer Einzelwerte besitzt, muss diese stets im Auge behalten.

Trotzdem kann es Ereignisse wie den jüngsten VW-Skandal geben, bei denen ein einzelner Wert so richtig „abschmieren“ kann.

Wer dagegen in breit streuende ETFs investiert, muss diesbezüglich keine Sorgen haben:

Ein ETF hält erstens immer nur einen kleinen Prozentsatz an einem einzelnen Unternehmen und die Verluste einzelner Wertpapiere werden durch die Gewinne der übrigen kompensiert.

ETFs machen also weniger Arbeit, was Kauf, Depotverwaltung und Verkauf angeht.

Sie sind insgesamt einfacher zu handhaben.

Und Sparpläne, bei denen monatlich ein fixer Betrag angespart wird, sind zudem mit Einzelwerten in der Regel gar nicht möglich.

Fazit

Es gibt außer dem Spaß und Nervenkitzel, den Einzelwerte Anlegern bereiten können, kaum Argumente für sie.

So bemerkte der Wirtschaftnobelpreisträger Merton Miller einst:

„Ab und zu kaufe ich auch einzelne Aktien, allerdings strikt zum Spaß.“

Doch für ETFs und das passive Investieren gibt es zahlreiche schlagkräftige Argumente.

Deshalb sind ETFs auch die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

 

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