Geldanlage: Die Psychologie ist entscheidend

Lesedauer 4 Minuten

Geldanlage: In seinem Gastartikel befasst sich der Finanzblogger und Portfolio Manager Florian Müller damit, dass Psychologie auch bei der Geldanlage eine entscheidende Rolle spielt. Nicht jeder kann bei den Aufs und Abs an der Börse immer gut schlafen.

Der Erfolg der Geldanlage beginnt im Kopf

Immer wieder werde ich auch im privaten Umfeld nach Tipps speziell zum Aktienmarkt gefragt. Was sind die richtigen Vorsorgeprodukte und wie lege ich das Geld an? Die viel wichtigere Frage ist aber eine ganz andere, welche sich die wenigsten stellen.

Diese möchte ich nachfolgend ergründen!

Geldanlage: In Deutschland mangelt es an Aktienkultur

Punkt 1: In Deutschland ist man tendenziell gegenüber Aktien pessimistisch eingestellt.

Die wenigsten der Bundesbürger sind überhaupt direkt oder indirekt im Produktivkapital investiert. Zu sehr spielen der Unsicherheitsfaktor und die hohe Volatilität bei Aktien, Fonds, ETFs etc. eine Rolle in den Köpfen der meisten Deutschen.

Zu schwer wiegen die Erfahrungen der Vergangenheit mit dem Neuen Markt und der Finanzkrise.

Die Zahl der Aktienbesitzer stagnierte in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau. Prozentual liegen wir bei knapp über 10% an Aktien- und/oder Aktienfondsbesitzern.

Der DAX konnte seit seinem Tiefststand von Mitte 2011 bis heute um knapp 100% zulegen, doch die wenigsten Deutschen profitierten davon.

Der Großteil der DAX-Konzerne ist in der Hand ausländischer Investoren. Diese erkennen das Potenzial des Wirtschaftsstandorts Deutschland haargenau und haben in der Vergangenheit durch Kurszuwächse und Dividenden prächtig verdient.

Im Jahr 2016 werden die 30 größten Firmen in Deutschland rund 30 Milliarden € an Ihre Aktionäre ausschütten.

Geldanlage: Die Lebensversicherung hat ausgedient

Punkt 2: Wir Deutschen sind immer noch in der Lethargie der in die Jahre gekommenen „sicheren Häfen“ wie Lebensversicherungen, Riester, Rürup und Rentenversicherungen gefangen. Das wird ein böses Erwachen geben. Nur wieso?

Diese Vorsorgeprodukte, die als solide, risikoarm und konservativ gelten, sind in einer Auslaufphase.

Die Zinsen in Europa sind immer noch bei 0%. Die oben erwähnten Produkte legen den Großteil des Geldes in Staatsanleihen an, welche heutzutage keine Rendite mehr abwerfen.

Zudem finden sich viele europäische Staaten in einem desolaten wirtschaftlichen Zustand. Oder würden Sie Griechenland oder Portugal Geld leihen?

Gerade Lebensversicherer müssen das Geld der Kunden hauptsächlich im Segment der Staatsanleihen anlegen, weil diese den Status „mündelsicher“ tragen. Damit sollen eigentlich Wertverluste für Anleger ausgeschlossen werden.

Doch genau das passiert, seit viele Staaten in Europa in die wirtschaftliche Schieflage geraten sind.

Mit Aktien eine Altersvorsorge aufbauen

Punkt 3: Das Thema Altersvorsorge muss vor dem Hintergrund der weiter sinkenden Rentenansprüche, der demographischen Entwicklung und einer Nullzinspolitik komplett neu überdacht werden.

Gerade die jüngere Generation muss zwangsläufig in Aktien und somit in Risiko investieren, um langfristig ein passablen Vermögensstock aufzubauen.

Mit den altbewährten Produkten wird das nicht mehr möglich sein.

Was ist hierbei zu beachten:

Um an der Börse aktiv zu werden und erfolgreich seinen Vermögensaufbau zu planen, müssen diverse Grundregeln und Prinzipien eingehalten werden.

So sollte man schon in frühen Jahren anfangen, etwas zur Seite zu legen. Auch mit kleinen monatlichen Sparbeträgen ab 25€ kann man schon agieren und sich etwas aufbauen.

Der Zinseszins hilft dabei ungemein. Geduld ist weiterhin oberste Prämisse. Langes Durchhaltevermögen auch über Jahrzehnte und eine Strategie, welche konsequent durchgezogen wird, sind enorm wichtig.

Natürlich kann man die Zukunft nicht vorhersagen.

Was man aber kennt oder was es zu ergründen gibt, sind das eigene Verhalten und die Psyche.

Geldanlage: Die Psychologie ist entscheidend

Hier gibt es Fragen wie: Wie reagiere ich unter Stress?

Kann ich meine Strategie, welche ich für mich gefunden habe, überhaupt langfristig durchstehen?

Ein Beispiel:

Ein guter Freund rief mich an und sagte mir, er hätte einen größeren Betrag geerbt und wolle das konservativ anlegen. Während dem Gespräch erzählte er mir, das er von einem großen Onlinehändler aus Amerika vor 10 Jahren Aktien gekauft, als diese beim Kurs von 50€ stand.

Als die Aktie ein halbes Jahr später immer noch mit 15% im Minus stand, verkaufte er sie mit Verlust.

Heute 10 Jahre später, steht die Aktie des bekannten Onlinehändlers bei über 500 Euro.

Was ist passiert?

Er investierte einen hohen vierstelligen Betrag in die Aktie und schaute jeden Abend nach Feierabend in den Videotext seines Fernsehers, um den aktuellen Aktienkurs zu erkunden.

Sobald die Aktie ausgehend von seinem Einstiegskurs im Minus stand, schlief er schlecht. Dies zehrte so an ihm, dass er die Aktie nach einem halben Jahr verkaufte, weil er der psychischen Belastung nicht mehr standhielt.

Es war seine erste Investition an der Börse.

Was will ich damit sagen?

Man muss einen Lernprozess durchlaufen, um für sich selbst die Entscheidung zu treffen, ob man für den Börsen- und Aktienmarkt überhaupt geschaffen ist.

In den meisten Fällen steht man sich nämlich selbst im Wege, um zu einer langfristig erfolgreichen und renditestarken Anlage zu gelangen.

Fazit

Die Altersorvorsorge muss neu überdacht werden.

Ein Vorsorgemodell beruht auf einer Strategie und der psychologischen Komponente.

Es gilt, dieser Strategie zu vertrauen und über einen längeren Horizont treu zu bleiben. Gerade in einer immer schnellebigeren Zeit wie heute ein wahrhaftig schweres Unterfangen.

Ich habe dafür das ZARAS Modell entwickelt. Die Buchstaben stehen für Zeit, Ausdauer, Rationalität, Aktien und Sparen.

Hierbei lernt man die Grundregeln und Verhaltensweisen, welche an der Börse unbedingt notwendig sind, um erfolgreich agieren zu können.

Wenn man diese Methode stur befolgt und seinen Fokus neu justiert, kann man entspannt in die Zukunft blicken und muss sich wenig Sorgen um seinen finanziellen Lebensabend machen.

Detaillierte Erläuterungen zum ZARAS Prinzip finden sich in meinem neu erschienenen Buch Vorsorgemodell 4.0 – Das ZARAS Prinzip für eine erfolgreiche Geldanlage“ , das die Grundlagen eines kostengünstigen und einfachen Vermögensaufbaus mit Aktien liefert.

Zum Autor

Florian Müller

Steckbrief: Florian Müller ist Blogger und Finanzautor. Derzeit arbeitet Müller bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Frankfurt am Main und betreut dort wohlhabende Kunden. Nebenbei betreibt er seinen eigenen Blog www.boerseneinmaleins.de

 

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3 Gedanken zu „Geldanlage: Die Psychologie ist entscheidend“

  1. Hallo Michael,

    danke für deine Nachricht. Ich denke die Thematik ETFs wird noch an der Oberfläche auftauchen. Im Moment sind wir noch, was den prozentualen Sparanteil in diese Anlageklasse angeht, im 0,X %-Bereich, jedenfalls für Deutschland gesehen.

    Jetzt zu deiner Frage, wieso das so wenige machen?

    Die Volumina, sprich Geld, welches in ETF fließen, steigen ja sukzessive an. Da sie noch nicht in den Mainstream-Medien erfasst wurden und noch keinerlei Beachtung finden, wachsen sie zwar stetig aber nicht unbedingt exponentiell.

    Beste Grüße

    Antworten
    • Hallo Michael und Florian,

      dazu habe ich auch etwas beizutragen:

      Erstens berichten die Medien gar nicht so selten über ETFs und passives Investieren. In ZEIT, SZ, FAZ, Welt und Handelsblatt gibt es eigentlich regelmäßig Artikel.

      Außerdem haben die Neuzugänge an Investments in ETFs mittlerweile die Zugänge bei aktiv gemanagten Fonds überholt.

      In den USA sind bereits 13 Prozent des angelegten Fonds-Kapitals in ETFs geflossen und in Europa, speziell Deutschland, 6 Prozent.

      Tendenz: Stark steigend.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten
  2. Toller Beitrag!

    Psychologie ist wirklich alles! Es fängt ja schon bei den Glaubenssätzen an…darf ich wirklich reich oder finanziell unabhängig sein? Sind Menschen mit viel Geld schlechte Menschen?

    Technisch gesehen ist das ganze ja eine ganz einfache Sache. In überschüssiges Kapital in ETFs investieren, geringe Kosten haben und die langfristige Benchmark von 95% der gemanagten Fonds schlagen… aber warum machen das (noch) so wenige?

    Klar, einerseits sorgt die Industrie dafür und auf der anderen Seite sind Menschen einfach, durch die Presse, verschreckt. Wir können nur durch auf Klärung, wie hier, dafür sorgen, dass die Leute vertrauen schöpfen.

    Schöne Grüße,
    Michael

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