ETFs vs. aktive Fonds – Wer hat langfristig die bessere Performance?

Lesedauer 6 Minuten

Mittlerweile befinden sich in Deutschland mehr als 1.500 an der Börse gehandelte  Indexfonds (ETFs) auf dem Markt und die Nachfrage nach ETFs steigt beständig. Doch es gibt noch deutlich mehr aktiv gemanagte Fonds. Da stellt sich die Frage, wie der Vergleich ETFs vs. aktive Fonds ausgeht? Wer liefert letztlich die bessere Performance?

Aktive Fonds gibt es schon lange und die noch jungen ETFs werden immer beliebter.

Kein Wunder, da sie sowohl einfach aufgebaut und transparent sind, als auch durch die geringen Kosten für private Anleger leicht an der Börse handelbar sind.

Hier findest du zunächst einen Überblick über den Artikel:

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Trotz der rasanten Erfolgsgeschichte kommen bei genauer Betrachtung mehrere Fragen auf:

Sind die computerbasierten ETFs wirklich das A und O?

Erwirtschaften sie mehr Erträge als die von Spezialisten aufwendig gemanagten aktiven Investmentfonds?

Und wie steht es um Vor- und Nachteile bzw. auf welche Risiken müssen die Anleger gefasst sein?

Welche Art von Fonds liefert letztlich die bessere Performance?

Funktionsweise von ETFs

Endvermögen mit stetiger Performance wachsen lassen

ETF ist die Kurzform von „Exchange Traded Funds“ und darunter sind passiv gemanagte, börsengehandelte Indexfonds zu verstehen.

Aufgelegt werden diese in der Regel von Investmentgesellschaften und werden, wie normale Aktien auch, an der Börse gehandelt.

Dabei sorgt ein sogenannter Market Maker dafür, dass jederzeit aktuelle Kauf- und Verkaufskurse für ETFs gestellt werden.

Deswegen verfügen sie auch über eine klassische Wertpapierkennnummer (WKN) bzw. ISIN.

Der Kauf bzw. Verkauf können grundsätzlich an jedem Handelstag der Börse durch Anleger erfolgen.

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Die Wertentwicklung und Index-Nachbildung

Da ETFs im Grunde immer einen bestimmten Börsenindex nachbilden, ist die Wertentwicklung verhältnismäßig leicht nachvollziehbar.

Dabei kann sowohl ein nationaler oder internationaler Aktenindex als auch ein Immobilien-, Rohstoff oder Rentenindex die Grundlage bilden.

Aufbewahrt werden die Fondsanteile im Wertpapierdepot des jeweiligen Anlegers, welches eine Voraussetzung für den Erwerb von ETF-Anteilen ist.

Sowohl bei Direktbanken im Internet als auch bei Filialbanken gibt es mittlerweile unterschiedlich breite Angebote an Indexfonds.

Unterschiede zwischen ETFs gibt es bei der Art und Weise, wie die möglichst genaue Nachbildung seines Index erreicht werden soll.

Synthetische Nachbildung

Bessere Performance trotz Kontrahentenrisiko

Dabei kauft der ETF irgendwelche Wertpapiere, die nicht unbedingt denen im zugrundeliegenden Index entsprechen. Die taggenaue Wertentwicklung des Index wird dann durch einen sogenannten Kontrahenten garantiert und zwar durch einen sogenannten Swap (Tauschgeschäft).

Dabei erhält der Kontrahent die Wertentwicklung der vom ETF gekauften Wertpapiere und liefert seinerseits die aktuelle Wertentwicklung des Index als Gegenleistung.

Weil die theoretische Gefahr besteht, dass der Kontrahent insolvent geht (Kontrahentenrisiko), werden Swapgeschäfte zwischen ETF und Kontrahent in der Praxis besichert.

Zumindest ist diese Form der Indexnachbildung kostengünstiger als die physische Replikation und die Tracking-Differenz ist in der Regel geringer, da meist geringere Verwaltungskosten anfallen..

Doch synthetische ETFs haben nur einen Anteil von ca. 2 bis 3 Prozent an der Gesamtheit aller ETFs.

Physische Nachbildung

Bei dieser Form der Indexnachbildung wird vom jeweiligen ETF in die einzelnen Werte des Index investiert.

Dies bedeutet, dass der Indexfonds exakt die jeweiligen Wertpapiere des zugrundeliegenden Index, also die betreffenden Anleihen oder Aktien erwirbt.

Das geht problemlos bei kleineren Indizes, ist aber bei großen Indizes, wie zum Beispiel dem MSCI World Index mit ca. 1.650 Aktien, recht teuer. Auch weil es immer wieder zu Änderungen in der Zusammensetzung des Index kommt.

Deshalb ist bei größeren Indizes das sogenannte optimierte Sampling weit verbreitet, bei dem nur eine statistisch relevante Anzahl an Wertpapieren gekauft wird, um die Kosten der Nachbildung gering zu halten.

Übrigens gilt das in ETFs angelegte Geld als Sondervermögen und ist bei einer Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft vor dem Zugriff durch Gläubiger geschützt. Das gilt jedoch für alle Fonds, also auch bei aktiv gemangten Fonds.

Vor- und Nachteile von ETFs gegenüber klassischen Investmentfonds

Vergleich der Kosten

Gerade die Kosten wirken auf die Performance

Die internen Fondskosten sind bei ETFs deutlich geringer als bei klassischen aktiv gemangten Fonds.

Bei klassischen Fondsanlagen fallen jährlich zwischen 1,5 und 2 Prozent an Gebühren aus dem Fondsvolumen an.

ETFs kommen im Schnitt nur auf 0,34 Prozent p. a.

Damit liegt der Kostenvorteil zugunsten von ETFs zwischen etwa ein- bis eineinhalb Prozent pro Jahr.

Was bei langen Laufzeiten je nach Anlagebetrag fünf- bis sechsstellige Unterschiedsbeträge (Zinseszinseffekt) im Hinblick auf das Endvermögen und letztlich die Performance ausmachen kann.  

Dies bedeutet im Endeffekt, dass klassische Fonds mehr Rendite erzielen müssen, um diesen Kostenvorteil der ETFs kompensieren zu können.

Die geringeren Kosten der ETFs lassen sich vor allem darauf zurückführen, dass sie kein teures Fondsmanagement benötigen.

Stattdessen wird mittels eines Computerprogramms die Zusammensetzung des Index automatisch und regelmäßig kontrolliert und aktualisiert.

Der aktive Fondsmanager wird somit überflüssig und deren Gehälter, Bürokosten und teure Recherchetools sind bei ETFs somit überflüssig.

Bei aktiven Fonds dagegen beobachten Fondsmanager stetig den Markt und wählen aktiv die Wertpapiere gemäß der jeweiligen Anlagestrategie des Fonds aus. Dies kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit.

Zwar haben aktive Fonds immer das Ziel, ihren jeweiligen Vergleichsmaßstab, die sogenannte Benchmark, zu schlagen, doch schaffen das nach Kosten die wenigsten aktiv gemangten Fonds.

Zumindest nicht regelmäßig und auch Dauer.

Nur einzelne Fonds schaffen es mal für wenige Perioden und diese wechseln sich mehr oder zufällig ab.

Damit erzielen Anleger mit der Strategie auf ETFs zu setzen in der Regel eine bessere Performance als mit teuren aktiv gemangten Fonds.

Diese haben ihre besten Zeiten hinter sich und letztes Jahr waren die in aktive Fonds investierten Gelder rückläufig, während die Nachfrage nach  Indexfonds stark zunahm.

Gegenüberstellung der Chancen und Risiken

Chancen und Risiken beeinflussen die Performance

Performance Chancen

Nur wenigen Fondsmanagern aktiver Fonds  gelingt es dauerhaft, besser abzuschneiden als ihre Benchmark.

Dies beweisen zahlreiche wissenschaftliche Studien.

Grundsätzlich haben es aktive Fonds schwer, den Kostennachteil gegenüber ETFs langfristig durch entsprechende Anlageergebnisse wettzumachen.

Dagegen haben die Anleger bei ETFs zwar keinerlei Chancen auf Überrenditen, es sei denn, es handelt sich um Smart-Beta-ETFs.

Diese wollen durch Anwendung von Faktorinvesting ebenfalls den Markt schlagen. Noch existieren viele Fonds nicht lange und es bleibt abzuwarten, ob sie dieses Ziel auch wirklich erreichen.

Diversifikation

Wichtig ist bei einer Geldanlage eine ausreichende Riskostreuung (Diversifikation).

Deshalb raten Verbraucherschützer von Fonds ab, die ausschließlich in einzelne Branchen oder Länder investieren.

Diese eigenen sich lediglich als Beimischung im Depot.

Vielmehr raten sie gerade unerfahrenen Anlegern, in marktbreite ETFs zu investieren.

Hier empfiehlt sich u. a. der MSCI World Index, da er mehr als 1.600 Titel aus 23 Industrienationen beinhaltet.

Eine weitere Form zur Risikostreuung ist die Splittung des Anlagebetrages auf verschiedene ETFs mit unterschiedlicher sektoraler oder regionaler Ausrichtung.

Also sowohl Industrie- als auch Schwellenländer und sowohl Nordamerika, Asien als auch Europa.

Drüber hinaus ist eine Aufteilung des anzulegenden Betrages unter Risikoaspekten auf verschiedene Anlageklassen, wie

  • Aktien,
  • Anleihen,
  • Immobilien,
  • Rohstoffe und den
  • Geldmarkt

sinnvoll.

Auch die Fondsgröße ist wichtig

Fondsgröße als wichtiger Faktor

Das Anlagevolumen des Fonds stellt für den Anleger eine weitere wichtige Bezugsgröße dar. Diese darf auf keinen Fall zu klein sein – Dies gilt sowohl für aktive als auch passive Fonds.

Damit wird die Gefahr der Schließung des Fonds mangels Masse oder die Verschmelzung mit einem anderen Fond minimiert.

Die Fondsgröße stellt somit einen wichtigen Indikator für den Erfolg dar.

Bei einem Fondsvolumen ab ca. 50 Millionen EUR oder USD kann ein Fonds in der Regel wirtschaftlich betrieben werden.

Risiko neuer Fonds

Fast täglich werden neue ETFs und Fonds aufgelegt.

Dabei weiß niemand zu Beginn, wie diese vom Markt aufgenommen werden.

Deshalb geben Investmentgesellschaften diesen Fonds einige Zeit, um sich auf dem Fondsmarkt zu etablieren.

Unter Marktkennern gilt hier eine Frist von etwa einem Jahr.

Entwickelt sich der neue Fonds in dieser Zeit zum Ladenhüter, schließt ihn die Fondsgesellschaft möglicherweise wieder oder legt ihn mit einem anderen Fonds zusammen.

Deshalb sollten Anleger eher in Fonds investieren, die schon längere Zeit auf dem Markt (Minimum 1 Jahr, besser 3 Jahre) sind und dabei auch rege gehandelt werden.

ETF oder aktiver Fond: Wessen Performance ist besser?

Wer hat die bessere Performance?

In Anbetracht der Gegenüberstellung lässt sich sagen, dass sich gerade ETFs für unerfahrene Anleger als Einstieg in den Fondsmarkt besonders gut eignen, weil ihre Performance sehr oft besser ist.

Besonders die niedrigen laufenden Kosten bieten dem Anleger gute Chancen auf Erträge.

Denn merke:

Die Rendite einer Geldanlage kannst du in der Regel nicht beeinflussen, wohl aber deine Kosten durch eine bewusste Fondsauswahl.

Durch ein Portfolio verschiedener ETFs mit einer weltweiten Risikostreuung lassen sich gute Erträge erzielen und das Verlustrisiko minimieren.

Weitere Vorteile sind hierbei die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Zusammensetzung der verschiedenen Indizes.

Jedenfalls sind ETFs aufgrund ihrer deutlich niedrigeren Kosten aktiven Fonds in der Regel überlegen.

Ihre Performance ist also in der Regel besser.

Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr am Markt durch und dementsprechend sinkt die Nachfrage nach aktiv gemangten Fonds, während ETFs der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger sind.

Übrigens findest du hier nützliche Hinweise zur ETF-Suche.

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2 Gedanken zu „ETFs vs. aktive Fonds – Wer hat langfristig die bessere Performance?“

  1. „ETF ist die Kurzform von ‚Exchange Traded Funds‘ und darunter sind passiv gemanagte, börsengehandelte Indexfonds zu verstehen.“

    Das ist meines Wissens nicht ganz richtig. Es heißt nur, dass der Fond an der Börse gehandelt und nicht nur von einer Investmentgesellschaft herausgegeben wird. Auch ein ETF kann aktiv gemanaged sein.

    Antworten

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