Benchmarking: Den Index nach Kosten schlagen

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Beim Benchmarking können ETFs mehr Rendite bringen als ihr zugrundeliegender Index selbst, auch nach Kosten. Wie das geht und wer es u. a. schafft.

[lwptoc]

Es ist kein Privileg aktiv gemanagter Fonds, den Markt zu schlagen.

Denn ETFs können das auch. Und dieses Benchmarking funktioniert sogar nach Kosten.

Wie sie das schaffen?

Auf mehreren Wegen:

  • Durch niedrige Verwaltungskosten (TER).
  • Durch niedrige Transaktionskosten bei der Indexnachbildung.
  • Durch Erträge aus dem Ausleihen von Wertpapieren aus dem Fondsvermögen.
  • Durch die Reduzierung der Quellensteuer auf Dividenden.
  • Durch Faktor-Investing.

Indexfonds Vergleich auf Basis von Aktienindizes

Es ist jedenfalls keine Frage der Replikationsmethode, denn auch physisch replizierende Indexfonds können ihren Index schlagen.

Doch Swap-ETFs haben hier eindeutig die besseren Möglichkeiten und schaffen es meist deutlicher.

Um eine Outperformance zu erreichen, stehen ETF-Managern gleich mehrere Schrauben zur Verfügung, an denen sie drehen können.

Die Kosten beim Benchmarking niedrig halten

Eine wichtige Schraube sind die Kosten, die es gilt, niedrig zu halten.

Dabei geht es nicht nur um die

  • Management-,
  • Verwahr- und
  • Administartionskosten,

wie sie in der Gesamtkostenquote (TER für Total Expense Ratio) zusammengefasst werden.

Die Kosten niedrig halten

Sondern auch um die Transaktionskosten im Zusammenhang mit der Indexnachbildung, die nicht Bestandteil der TER sind.

Benchmarking: Erträge durch Wertpapierleihe

Doch eine Outperformance wird nicht allein durch niedrige Kosten erzielt, sondern durch Zusatzerträge durch die Wertpapierleihe.

Dabei wird das Ausleihen von Wertpapieren nicht nur von ETFs angewendet, sondern auch von aktiv gemanagten Fonds.

Gegen eine Gebühr und Sicherheiten werden die Aktien eines Fonds einem Leerverkäufer geliehen, der diese verkauft und auf fallende Kurse setzt und hofft, die Aktien später zu niedrigeren Kursen zurückkaufen zu können, um so einen Gewinn einzustreichen.

Wertpapierleihe: An Leerverkäufen verdienen

Reduzierung der Quellensteuer

Doch der wohl stärkste Hebel für eine Überrendite und damit für gutes Benchmarking liegt in der Reduzierung der Quellensteuer, die der jeweilige Indexfonds auf vereinnahmte Dividenden zahlen muss.

Das geht besonders leicht bei ETFs, die einen Index abbilden, der von sich aus schon Dividenden­einnahmen und Steuerausgaben berücksichtigt.

Das ist bei den sogenannten Net-Total-Return-Indizes der Fall, beispielsweise beim S&P 500.

Bei einem Net-Total Return Index werden Dividenden, die auf die im Index enthaltenen Aktien ausgeschüttet werden, und sonstige Einnahmen bei der Berechnung des Indexstandes explizit berücksichtigt.

Mit anderen Worten:

Die jeweilige Ausschüttung wird anteilig in neue Aktienanteile umgerechnet.

Bei solchen Indizes unter­stellen Vergleichsrechner eine Quellensteuerbelastung von 30 Prozent.

Physisch replizierende ETFs können jedoch mehr Rendite bringen, wenn ihr Quellensteu­ersatz niedriger ist als der im Net-Total-Return-Index unterstellte Steuersatz.

Immer häufiger suchen ETF-Anbieter aus diesem Grund ein Domizil für ihren Fonds, wo ein Doppelbesteuerungsabkommen die Quellen­steuer reduziert oder es möglich ist, diese Steuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Zum Benchmarking gehört auch, die Steuern zu minimieren

Fast schon ein Klassiker sind hier ETFs auf den S&P 500, die in Irland beheimatet sind.

Denn bei Di­videndenzahlungen aus den USA an einen in Irland registrierten Fonds sieht das zwischen den beiden Ländern be­stehende Doppelbesteuerungsabkommen einen Quellensteuerabzug von nur 15 Prozent vor.

Der S&P 500- Index unterstellt jedoch eine Quellensteuer von 30 Prozent.

Nach Berechnungen der US-Fondsgesellschaft Invesco ergab sich so für das Jahr 2018 allein auf Grund des Steuervorteils des irischen ETFs eine Überrendite gegenüber dem Index von knapp 0,30 Prozentpunk­ten vor Gebühren.

Es geht aber noch mehr.

Einsparung von Quellensteuern bei Swap-ETFs

Während physisch nachbilden­de ETFs mit der Reduzierung von Kosten, den Zu­satzeinnahmen durch Wertpapierleihen und der Op­timierung der Quellensteuer ihr Arsenal ausgeschöpft haben, können synthetisch replizierende ETFs sogar noch weitere Hebel ansetzen.

Besonders offensichtlich wird das bei Swap-ETFs auf US-Indizes, was an einer Ausnahmeregelung im US-Steuergesetz liegt:

Gemäß der „United States IRS 871(M)“-Regulierung fallen bei Derivaten wie Futures oder Swaps keine Quellensteuern an, wenn diese die Indizes liquider Märkte abbilden.

Damit sind Swaps auf den S&P 500 aus US-Sicht steuerfrei und synthetisch replizieren­de ETFs auf diesen Index vereinnahmen die Dividen­den ohne Abzug.

Ein Blick auf die Dividendenrendi­te in den USA zeigt, dass synthetische ETFs hier im letzten Jahr rund 33 Basispunkte besser waren als physisch replizierenden ETFs, was die generelle Out­performance der synthetischen ETFs gegenüber den physisch replizierenden Indexfonds erklärt.

Dass darüber hinaus bestimmte synthetische ETFs besser sind als andere, hängt damit zusammen, wie die Fondsmanager bei der Konstruk­tion des Portfolios im Einzelnen vorgehen.

Gemein­sam ist den erfolgreichen ETFs, dass sie mit mehreren Swap-Partnern, den sogenannten Kontrahenten, ko­operieren.

Benchmarking: Kontrahenten bei Swap-ETFs

Invesco hat sechs international tätige Invest­mentbanken ausgesucht, bei der französischen Fonds­gesellschaft BNP Paribas Asset Management kommen gleich sieben in die engere Auswahl – eben jene, die die besten Konditionen, Laufzeiten und Bonitäten bieten können.

Bei der Swap-Konstruktion des BNP-Paribas-Easy- S&P 500-ETF, der den S&P 500-Net-Total-Return auf Dollar-Basis über drei Jahre um 2,5 Prozent schlug, fol­gen die Manager einem zweistufigen Swap-Prozess:

Im ersten Schritt, dem sogenannten Financing Swap, tau­schen sie die Rendite der liquiden Aktien im Fondsbe­stand gegen eine Floating-Rate, im zweiten Schritt, dem Total Return Swap, gegen die Indexperformance.

Diese zweistufige Swap-Konstruktion erlaubt es, die jeweils besten Swap-Partner für die verschiedenen Positionen zu identifizieren und die attraktivste Konstel­lation auszuwählen.

Andere Gesellschaften, etwa Invesco, setzen zu­nächst die Indexentwicklung mit der Bruttodividen­de an, in der die Quellensteuer nicht berücksichtigt wird, und ziehen die Swap-Konditionen und die TER ab.

Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass der ETF die Dividenden nahezu brutto für netto vereinnahmen kann.

Je höher aber die Dividendenrendite ist, desto stärker können Swap-ETFs outperformen.

Benchmarking auf Basis der Dividendenrendite

 

Mit der Steuerbefreiung von Swaps in den USA und deren positiven Auswirkungen auf die Wertentwicklung haben synthetisch replizierende ETFs jedoch noch immer nicht das Ende ihrer Möglichkeiten für eine Outperformance erreicht.

Es gibt einen wei­teren Renditeturbo und auch hier spielen die Swap-Kontrahenten als Gegenpartei der ETFs eine wichtige Rolle.

Um diese zu verstehen, ist es unerlässlich, zu­nächst etwas tiefer in die Besonderheiten der Kapital­märkte einzusteigen.

In aller Regel sind die Swap-Kontrahenten Invest­mentbanken, die mit vielen verschiedenen Marktteil­nehmern zusammenarbeiten.

Aus Geschäften mit Drit­ten, die mit den ETFs nichts zu tun haben, halten die Banken zu Absicherungszwecken regelmäßig Wert­papiere in ihren Büchern, die sie aus aufsichtsrechtlichen Gründen mit Eigenmitteln hinterlegen müssen.

Weil das recht teuer ist und die Banken nach Wegen suchen, ihre Finanzierungskosten zu verringern, lagern sie die – aus ihrer Sicht notwendigen, aber unliebsa­men – Wertpapiere mit Hilfe eines Total-Return-Swap in den Swap-ETF aus.

Die geforderte Absicherung voll­ziehen sie stattdessen über Derivate, die kostengünsti­ger sind, und senken damit wie gewünscht ihre Finan­zierungskosten.

Weil synthetische ETFs ihren Swap-Kontrahenten beim Kostensenken helfen, erhalten sie von den Ban­ken beim Swap-Geschäft einige Basispunkte extra, was ihre Rendite zusätzlich pusht.

Wie hoch das Extra für den ETF genau ausfällt, entscheiden zwar die Banken, aber der Wettbewerb unter ihnen um die be­gehrten Swap-Mandate ist so intensiv, dass hier eher mehr als weniger für den ETF abfällt.

Eine zusätzli­che Einnahmequelle, die der zu Grunde liegende In­dex nicht hat und die die Chancen des ETF weiter er­höht, seinen Index zu schlagen.

Zusätzlich zu den skizzierten Möglichkeiten gibt es einen weiteren Ansatz, den Markt zu übertreffen.

Benchmarking mit Faktor-Investing

Benchmarking: Faktoren als Erklärung der Rendite einer Aktie

Beim Faktor-Investing wird mit regelbasierten Investment­strategien gearbeitet und auf renditebestimmende Faktoren gesetzt.

Dabei schneiden Multifaktor-ETFs beim Indexfonds Vergleich oft besser ab als Ihr Referenzindex.

Die fünf häufigsten Faktoren sind:

  • Size
  • Value
  • Quality
  • Momentum
  • Low Volatility.

Nähere Informationen dazu findest du u. a. in diesem Blogartikel.

Das ETF-Portfolio wird dann nicht wie bei Standardindizes nach Marktkapitalisierung gewichtet, sondern nach alternativen Kriterien.

Ein aktueller Trend sind dabei sogenannte Multifaktor-ETFs, die nicht nur auf einen Renditefaktor setzen, sondern gleichzeitig auf mehrere.

Auch so können ETFs mitunter einen Standardindex, wie zum Beispiel den S&P 500, beim Benchmarking schlagen.

Fazit: Wie ETFs beim Benchmarking den Markt schlagen

Beim Benchmarking den Markt schlagen

Nicht nur aktiv gemangte Fonds können ihre Benchmark schlagen, sondern auch börsengehandelte Indexfonds.

Das gelingt u. a. dadurch dass die Kosten der ETFs niedrig gehalten und Zusatzerträge durch Wertpapierleihe erzielt werden.

Weiterhin trägt die Reduzierung der Quellensteuer zur Renditesteigerung bei, wobei Swap-ETFs hier besondere Potenziale bieten.

Und letztlich trägt auch Faktor-Investing dazu bei, nach Kosten besser als der Referenzindex abzuschneiden.

So kann ein ETF beim Indexfonds Vergleich tatsächlich seine Benchmark schlagen.

Das war heute starker Tobak und ich richte mich mit diesem Blogartikel vor allem an diejenigen von euch, die es genauer wissen wollen.

 

 

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