Was man unter synthetischen ETFs versteht

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein ETF seinen Index nachbildet. Dabei geht es in diesem Artikel um die Vor- und Nachteile der synthetischen ETFs.

Ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) bildet einen bestimmten Wertpapierindex nach und vollzieht dessen Wertentwicklung mit.

Dabei müssen Anleger mittlerweile darauf achten, wie der jeweilige ETF seinen Index abbildet und ob dabei eventuell Derivate zum Einsatz kommen.

Synthetische ETFs

In diesem Fall wären die Derivate Swaps, also Tauschgeschäfte zwischen ETF und einer Bank.

Denn die Konstruktion eines ETFs beeinflusst seine Erträge und Kosten und damit seine Performance.

Deshalb ist es wichtig zu wissen, auf welch unterschiedliche Arten ETFs einen Index nachbilden und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

Nur so können Anleger den richtigen Indexfonds für sich auswählen.

Mittlerweile haben sich drei Methoden zur Indexnachbildung am Markt durchgesetzt:

  • die vollständige Replikation,
  • die teilweise Replikation und
  • die synthetische Abbildung mit Swaps.

Im Folgenden sollen Chancen und Risiken der synthetischen Nachbildung mittels Swaps näher beleuchtet werden.

Indexnachbildung bei synthetischen ETFs

Der Swap-ETF investiert in einen Aktienkorb (Aktien-ETF) oder Rentenkorb (Renten-ETF) sowie in einen Index-Swap.

Dabei muss die Zusammensetzung des Aktien- bzw. Rentenkorbes nicht mit der Zusammensetzung des dem ETF zugrunde liegenden Index übereinstimmen.

Zudem unterscheiden sich diese Aktien- bzw. Rentenkörbe von Anbieter zu Anbieter.

Hinter diesem Vorgehen steckt die Absicht, das Fondsvermögen nicht durch zusätzliche Kosten zu belasten und so die Performance positiv zu beeinflussen.

Gemäß den Anforderungen der Undertaking for Collective Investments in Transferable Securities (UCITS) an die Risikostreuung, die die Richtlinien der Europäischen Union festlegt, soll jeweils die bestmögliche Performance eines ETFs gewährleistet werden.

Diese Richtlinien regeln Diversifikationsgrundsätze, den Umfang des Einsatzes derivativer Finanzinstrumente und damit verbundene potenzielle Gegenparteirisiken sowie Offenlegungspflichten.

Zum anderen investiert der Swap-ETF auch in einen Index-Swap, worunter man ein Tauschgeschäft zwischen den zwei Vertragspartnern Fonds und Bank als so genannter Swap-Kontrahent (Gegenpartei) des ETFs versteht.

Nach den  Vorschriften der UCITS darf der Anteil des Index-Swaps 10 Prozent des Nettoinventarwertes eines ETFs nicht überschreiten.

Diese maximal 10 Prozent bilden also  das sogenannte Kontrahentenrisiko.

Die Bank als Kontrahent verpflichtet sich, die Performance des Indexes auf täglicher Basis bereitzustellen.

Das bedeutet, dass der Swap-Kontrahent die Performance des Indexes auf täglicher Basis zur Verfügung stellt und somit nahezu eine 1:1-Abbildung des Indexes garantiert.

Was Kritiker über synthetische ETFs denken

Kritiker meinen zu synthetischen ETFs:

„Sie stellen nicht den zugrunde liegenden Index des ETFs dar, sondern verbriefen vereinfacht ausgedrückt nur noch das Recht auf die Auszahlung der prozentualen Veränderung des Indexes. Wie das geschieht, bleibt dem Anleger letztlich verschlossen . . .“

Insgesamt ist ein Index-Swap nichts anderes als eine Schuldverschreibung.

Deshalb gibt es hier ein Gegenparteirisiko.

Geht der Swap-Kontrahent pleite, kann auch der Swap wertlos werden.

Deshalb ist die Verwendung von Swaps in einem ETF auf maximal  10 Prozent des Nettoinventarwerts begrenzt.

Genau dieses Kontrahentenrisiko macht Anlegern seit der Lehman-Brothers-Pleite Sorgen.

Deshalb werden viele ETFs von den Anlagegesellschaften übersichert.

Sollte der Swap-Partner ausfallen, kann auf diese Übersicherung zurückgegriffen werden.

Dadurch wird bei einem Swap-ETF das Kontrahentenrisiko faktisch ausgeschaltet.

Ein wesentlicher Vorteil von Swap-ETFs ist, dass die Kosten der Indexnachbildung relativ gering sind, weshalb die Verwaltungskosten von Swap-ETFs oft niedriger sind als bei ETFs, die ihren Index physisch nachbilden.

Aufsichtsbehörden sehen systemisches Risiko

Aufgrund der Kritik an synthetischen ETFs haben die Anbieter dennoch teilweise bereits reagiert:

Der  Marktführer bei ETFs, das Blackrock Tochterunternehmen iShares, hat noch nie synthetische Indexfonds aufgelegt.

Und die Tochter der Deutsche Bank AG, x-trackers, hat im Dezember 2013 mitgeteilt, dass sie ihre 18 großen ETFs auf Aktien in physisch replizierende ETFs – also Indexfonds, die die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich kaufen –  umtauschen wird.

Fazit

Anleger kaufen bei einem Swap-ETF  letztlich Anteile an einem Portfolio, dass mit dem zugrunde liegenden Index eigentlich nichts mehr zu tun hat.

Dagegen investiert der Anleger bei den physikalischen Replikationsmethoden direkt in die Wertpapiere, die dem Index auch zugrunde liegen.

Deshalb gilt:

Wenn Anleger besonders Wert auf hohe Transparenz legen, fahren sie mit ETFs, die ihren Index physisch replizieren, besser.

Nur hier wissen sie, in welche Werte der ETF tatsächlich investiert.

Da Swap-ETFs jedoch oft geringere Kosten haben, ist ihre Performance aber häufig besser.

 

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