3 Gründe, warum Millennials nicht privat vorsorgen

Lesedauer 3 Minuten

Warum Millennials nicht privat vorsorgen, ist nicht immer klar. Doch was hat das für Folgen? Was sind die Ursachen dafür und wie könnte eine Lösung – zumindest für die private Vorsorge – aussehen?

„Die Rente ist sicher“,

sagte einst Norbert Blüm.

„Die Rente wird sicher niedrig sein“,

sagen die aktuellen Prognosen.

Die „Ist-Situation“ der gesetzlichen Rente

Warum Millennials nicht privat vorsorgen, obwohl die Situation ernst ist, dafür gibt es mehrere Ursachen.

Denn wer 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt 2016 knapp 48 Prozent seines ehemaligen Bruttodurchschnittseinkommens als Rente.

2030 werden es aller Voraussicht aber nur noch 43 Prozent sein.

Bei einem aktuellen Monatseinkommen von 3.000 EUR hat ein Rentner heute also eine Rente von rund 1.440 EUR.

Und zwar brutto.

Davon sind jedoch noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern abzuziehen.

Deshalb bleiben untern Strich nur knapp 1.250 EUR.

Um seinen bisherigen Lebensstil halten zu können, bräuchte der Rentner jedoch jeden Monat gut 2.100 EUR.

Das wären etwa 80 Prozent seines letzten Nettoeinkommens.

Soviel bräuchten Rentner nach Schätzungen von Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest.

An Rente wird es nach jetziger Faktenlage 2030 jedoch nur rund 1.290 EUR für diesen Rentner geben.

Da wird also eine Rentenlücke von gut 800 EUR pro Monat klaffen.

Gehen wir davon aus, dass der Rentner 80 Jahre alt wird, dann fehlen ihm im Alter also 800 EUR x 12 (Monate/Jahr) x 13 (Jahre).

Ohne Berücksichtigung der Inflation wäre das ein Fehlbetrag von rund 125.000 EUR.

Der lässt sich jedoch ansparen.

Doch was tun die Millennials (Angehörige der Generation Y)?

Nur ein Drittel legt Geld fürs Alter zurück.

Zwei Drittel legen die Hände in den Schoß und tun nichts.

Und das sind die Gründe:

  • Mangelndes Interesse am Thema
  • Fehlende Finanzbildung
  • Erwartung, dass der Staat aktiv werden soll.

Warum Millennials nicht privat vorsorgen

Millennials

1. Mangelndes Interesse am Thema

Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch immer keine Kultur privater Vorsorge fürs Alter in Deutschland entwickelt.

Zwar weiß die Generation Y in der Regel über ihre finanzielle Zukunft Bescheid, doch bleiben die meisten passiv und warten ab.

Zwar sparen die Millennials durchaus:

Doch eher für den nächsten Urlaub, die Ausbildung oder das Studium.

Was das Alter angeht, gehen sie davon aus, bis weit über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten zu müssen.

2. Fehlende Finanzkenntnisse

In Betracht der Tatsache, dass es für Spareinlagen quasi keine Zinsen mehr gibt, fehlt der Generation Y in weiten Teilen einfach das Know how.

Nach einer Studie des Allensbach-Instituts wächst darüber hinaus eine Generation von Totalverweigerern heran:

Sechs von zehn Menschen in den Dreißigern hat sich demnach noch nie Gedanken über ihre finanzielle Lage im Alter gemacht.

Sie wissen auch nicht, wie man sein Geld sonst noch gewinnbringend anlegen kann, wenn es auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto keine Zinsen mehr gibt.

Und interessanterweise steht die junge Generation Aktien deutlich skeptischer gegenüber als die ältere Generation.

Und das in Betracht der Tatsache, dass Aktien langfristig die erfolgreichste Geldanlage sind.

Deshalb wäre ein Schulfach „Finanzbildung“ sicherlich äußerst sinnvoll.

3. Der Staat soll aktiv werden

Trotz allem vertrauen die Millennials auf die gesetzliche Rente. Sie wären auch bereit, mehr in diese einzuzahlen.

Darüber hinaus bauen sie auf Betriebsrenten.

Und acht von zehn sprechen sich für eine Regelung aus, bei der Arbeitgeber automatisch einen Teil des Einkommens für die Altersvorsorge zurücklegen, sofern man dem nicht explizit widerspricht.

Auch erwarten sie, dass ihnen der Staat eine gewisse Mindestverzinsung garantiert.

Das Vertrauen in die private Altersvorsorge ist bei ihnen jedoch gesunken, wie eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest Sozialforschung für das Versorgungswerk MetallRente zeigt.

ETF-Sparpläne als Lösung

War bisher die Lebensversicherung der Deutschen liebstes Kind für die private Altersvorsorge, könnte diese Rolle demnächst ein Sparplan auf Basis von Aktien-ETFs übernehmen.

Bereits ab 25 EUR monatlich (comdirect und Consorsbank) kann ein solcher Sparplan eingerichtet werden.

Zudem sind ETF-Sparpläne einfach zu verstehen, transparent und sehr flexibel.

Damit kann die drohende Rentenlücke im Alter geschlossen werden, sofern man früh genug mit dem Sparprozess beginnt.

Dies wird auch in folgendem Video deutlich:

Dann kann nämlich der Zinseszinseffekt langfristig arbeiten und wirken.

Fazit

Vielen Rentnern droht in Zukunft Altersarmut.

Warum Millennials nicht privat vorsorgen, dafür gibt es verschiedene Gründe.

Deshalb wäre private Vorsorge neben der gesetzlichen und der betrieblichen Rente dringend erforderlich.

Doch die Generation Y verweigert sich in weiten Teilen diesem Thema.

Sie vertrauen der gesetzlichen Rente und wären auch bereit, mehr in diese einzuzahlen.

Doch ein Sparplan auf Basis von Aktien-ETFs wäre als private Vorsorge zusätzlich mehr als sinnvoll.

Die meisten Online-Broker haben Aktionsangebote, bei denen man sogar die Ordergebühren spart, so dass tatsächlich 100 Prozent des Sparbeitrages in die Geldanlage fließt.

Also Millennials, rappelt euch auf und richtet einen ETF-Sparplan ein!

Einen ETF auf den MSCI World Index und einen auf den MSCI Emerging Markets Index.

Damit könnt Ihr nicht viel falsch machen.

Go for it!

 

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8 Gedanken zu „3 Gründe, warum Millennials nicht privat vorsorgen“

  1. Da ich mich als zur „Zielgruppe“ zugehöriger Mensch nicht wirklich in den Punkten wiederfinde schlage ich einen Punkt 5 vor:

    Viele (auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis) befinden sich in unsicheren, befristeten, teils unfreiwilligen Teilzeit-Stellen, die es einem vielerorts schon schwer machen, überhaupt eine Wohnung zu finden, geschweige denn an Vorsorge zu denken. Oder hat einen festen Arbeitgeber, bei dem er/sie froh ist, wenn der überhaupt das Gehalt pünktlich und komplett zahlt (meine Erfahrung). Viele kennen Phasen von Arbeitslosigkeit zwischen Jobs (dito).
    Und wenn dann noch ein Studienkredit abbezahlt werden muss… (in meinem Fall nur Bafög, was halb so wild ist, da unverzinst und erst nach 5 Jahren fällig)

    Ein weiterer Punkt ist deshalb vielleicht auch, dass eben diese berufliche Situation gerade hinsichtlich der offenbar so beliebten Betriebsrenten (von denen nur wenige, die ich kenne, eine abgeschlossen hat) wenig hilfreich ist. Wer schließt sowas schon ab, wenn er nur 1 oder 2-Jahres-Verträge hat? Klar, man kann grundsätzlich wechseln oder privat weiterführen, aber das ist ein riesiger Aufwand und man ist abhängig von der Entscheidung des jeweiligen Arbeitgebers. Selbst wenn man beim Abschluss ein gutes Angebot hatte, kann das nach einem Wechsel ja ganz anders sein. Und wer weiß schon, ob er nicht später mal freiberuflich arbeiten wird?

    (zumal später nach Abzug von Steuern und Abgaben oft wenig übrigbleibt und sie zudem die gesetzliche Rente, Krankengeld, ALG, Elterngeld verringert und somit meiner Ansicht nach denkbar ungeeignet ist, sofern das Einkommen nicht über der Beitragsbemessungsgrenze liegt und man privat versichert ist.)

    vielleicht kurz zu mir:
    Ich bin jetzt 31, habe nichts nennenswertes zu erben, arbeite seit 5 Jahren und würde sagen, dass ich erst seit einem Jahr einen Job habe, den ich als relativ sicher betrachten würde (soweit heute etwas sicher sein kann). Klar, gespart habe ich vorher auch, soweit es ging und hätte ich keine Ersparnisse gehabt, hätte ich nicht gewusst, wovon ich die Miete hätte zahlen sollen (wenn der AG einfach nicht zahlt) – das interessiert nämlich niemanden und selbst wenn das monatelang geht, rechtfertigt das offenbar nicht, dass man kündigt (=kein ALG1). Und wenn man bedenkt, dass jener AG schon die Krankenversicherungsbeiträge nicht vollständig abgeführt hat u.ä. kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es mit der bAv dort ausgesehen hätte. Die wurde für den einen Kollegen, von dem ich weiß, dass er eine hatte, bei seinem Ausscheiden auch mal eben gekündigt und nicht etwa auf ihn oder den neuen AG übertragen.
    Jedenfalls: Erst jetzt kann ich überhaupt daran denken, für später vorzusorgen. Aber an einen langfristigen unflexiblen Vertrag würde ich mich nach diesen Erfahrungen dennoch niemals binden wollen. (daher habe ich mich auch für einen ETF-Sparplan entschieden, den ich jederzeit anpassen kann und der abgesehen von der TER keine Kosten hat)

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    • Hallo Nadine,

      vielen Dank für diesen sehr persönlichen Kommentar!

      Natürlich kann jeder deine Beweggründe nachvollziehen, weshalb du erst einige Jahre nach Einstieg in den Job damit begonnen hast, regelmäßig etwas zu sparen.

      Ich denke, dass es heute einfach nicht mehr nötig ist, einen Vertrag abzuschließen, mit dem man sich langfristig bindet, wenn man auch einen ETF-Sparplan abschließen kann, bei dem man volle Flexibilität bis zur vorrübergehenden Stornierung der Sparrate hat und den man auch jederzeit beenden kann.

      Daher passen diese Sparpläne gut in unsere Zeit und tragen auch unsicheren Jobverhältnissen – wie du sie beschrieben hast – Rechnung.

      Für deine weitere Zukunft wünsche ich dir alles Gute und viel Erfolg!

      Herzliche Grüße

      Jürgen

      Antworten
      • Hallo Jürgen!

        Danke! 🙂
        Gerade in den aktuellen Turbulenzen am Aktienmarkt ist es nicht immer einfach. Auch wenn ich weiß, dass es keine Rolle spielt, da ich ja über einen sehr langen Zeitraum anlege, fühlt es sich nicht gut an, wenn die Kurse Achterbahn fahren. Und mit irgendjemandem (den ich offline kenne) drüber reden braucht man auch nicht, denn dann kommt typischerweise „Siehste! Aktien, das ist nix, da verliert man nur Geld. Ich hab’s ja immer gesagt. Hättest du mal lieber Riester/bAV abgeschlossen. Ich kann dir meinen wirklich empfehlen.“ etc.

        Was ist eigentlich von Produkten wie fairrflex zu halten? Basiert auf ETF, aber kein geförderter Riestervertrag, dennoch sollen immerhin die eingezahlte Beiträge garantiert sein (Entspannung!), offenbar extrem flexibel und man muss sich selbst nicht kümmern. V.a. fällt keine Abgeltungssteuer an und zumindest nach aktuellem Stand, muss man später nur einen Teil versteuern.
        (Wodurch unterm Strich ja bei gleichem Einsatz mehr rauskommt als bei Riester.)

        Haben solche Produkte nicht auch einen Haken? Außer, dass sie nicht Hartz4-sicher sind.

        Sonnige Grüße
        Nadine

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        • Hallo Nadine,

          ich werde mich mit fairrflex noch intensiver befassen, aber auf den ersten Blick kann ich keinen Haken finden. Für die höheren Kosten im Vergleich zu einem reinen ETF-Sparplan bekommt man den Steuervorteil, der sich – wenn der Vertrag über 20 bis 40 Jahre läuft – entsprechend auswirken wird.

          Was mich begeistert ist die Flexibilität dieses Vertrages im Vergleich zu einer stinknormalen kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung, wie sie bisher üblich waren, aber nun – zum Glück möchte ich fast sagen – langsam aber sicher aussterben, weil sie nichts mehr bringen und einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

          Darüber hinaus plane ich einen Blogartikel über fairrflex und auf die Idee dazu hast du mich gebracht! 🙂

          Herzliche Grüße

          Jürgen

          Antworten
          • Hallo Jürgen!

            Oh, das freut mich aber, dass meine Frage zur Inspiration dienen konnte! 🙂

            Ich bin sehr gespannt auf den Beitrag!

            Die erste Einschätzung klingt ja schon mal gut.

            Ich habe auch schon mal durchgerechnet, dass es sich statt gleich loszulegen aufgrund der Gebührenstruktur eher lohnen wird, erst mal möglichst viel auf dem Tagesgeldkonto (mit immerhin 1% Zinsen unter unterjähriger Ausschüttung) anzusparen und dann Mitte oder Ende nächsten Jahres einzusteigen mit einer Einmalanlage von oder möglichst nah an den 10.000€, wo dann die niedrigste Gebührenquote anfällt.

            Bis dahin versuche ich mal, möglichst viel zu sparen, sofern das bei einem anstehenden Umzug in eine andere Stadt möglich sein wird 😉

            Viele Grüße
            Nadine

  2. Sie haben noch den Punkt 4. vergessen: viele junge Leute verlassen sich darauf, dass Sie im Alter mal erben werden und so einen Teil der Rentenlücke wieder schließen können. In vielen Fällen geht die Rechnung auch einigermaßen auf, denn viele Deutsche haben ja Immobilieneigentum, das weiterzuvererben ist. Bei einer Geburtenrate von ca. 1,5 Kinder bleibt da für jedes Kind schon noch ein Batzen übrig. Was viele jedoch wieder nicht bedenken ist, dass Eigentum aufgebraucht werden muss, wenn die Eltern pflegebedürftig werden, bevor es staatliche Unterstützung gibt. Auch sind manche Häuser nach so vielen Jahren vielleicht nicht mehr so viel wert und vielleicht sinken die Immobilienpreise in Zukunft ja auch generell mal wieder.

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