Altersvorsorgespezial Teil 1: Der Generation Y droht Altersarmut

Lesedauer 4 Minuten

 

Der Generation Y droht Altersarmut und sie wird für zwei Generationen sorgen müssen: Zum einen für die Alten von heute und zum anderen für sich selbst. Wer später nicht von Altersarmut betroffen sein will, der muss daher heute privat vorsorgen.

Wer zur Generation Y gehört

Zur Generation Y zählt, wer zwischen 1980 und 1995 geboren wurde und dementsprechend heute zwischen 20 und 35 Jahre alt ist.

Diese zahlenmäßig relativ kleine Generation – auch Millennials oder Generation Internet genannt – umfasst ungefähr 12 Mio. Menschen und sie wird die ältere Generation sehr viel länger unterstützen müssen, als dies früher der Fall war.

Denn die bestehenden Alterssicherungssysteme geraten immer mehr in Finanzierungsprobleme, weil es heute mehr alte Menschen gibt und diese immer länger leben.

Dadurch wird es sehr eng für die Millennials, weil ihr im Alter die Kinder fehlen werden, die ihren Lebensabend finanzieren.

Deshalb sind sie zusätzlich auch für ihre eigene Rente selbst verantwortlich.

Diese wird auf den drei Säulen der Alterssicherung ruhen, die aus

  • der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • der betrieblichen Altersvorsorge und
  • einer privaten Altersvorsorge

bestehen.

Fakt ist: Wer nicht auch privat für das Alter vorsorgt, wird als Rentner akut von Altersarmut bedroht sein.

Die Ypsiloner wissen, dass sie möglicherweise ein schweres Erbe antreten. Sie halten es für möglich und wahrscheinlich, dass ihr Lebensstandard in Zukunft absinken wird.

Doch nur 38 Prozent der Generation Internet sorgen heute für das Alter vor (Quelle: Hurrelmann, Klaus / Karch, Heribert: MetallRente Studie 2013: Jugend – Vorsorge – Finanzen – Von der Generation Praktikum zur Generation Altersarmut?, Beltz Juventa, Weinheim und Basel 2013.).

Dabei wäre es sinnvoll, so früh wie möglich damit anzufangen, damit der Zinseszinseffekt – nach Albert Einstein die größte Entdeckung der Mathematik – seine mächtige Wirkung entfalten kann.

Dieser wirkt um so stärker, je länger eine Geldanlage läuft.

Doch das Vertrauen vieler Menschen, vor allem auch der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in die Stabilität des Finanzmarktes im Allgemeinen und den Euro im Besonderen ist tief erschüttert.

Wie sollen sie ihr Geld in der aktuellen Niedrigzinsphase anlegen, wo vielen doch Sicherheit über alles geht, um nicht nur eine armutsvermeidende, sondern lebensstandardsichernde Altersvorsorge zu erreichen?

Zudem wollen immer mehr der Millennials inzwischen bei der Investition in die private Altersvorsorge auf ökologische und soziale Fragen achten, wobei allerdings gleichzeitig auch viele an den Gewinn denken.

Umgestaltung der gesetzlichen Rentenversicherung als Ursache

Der Grund für die drohende Altersarmut ist die massive Umstellung der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) seit dem Jahr 2000.

Zwar hat das Umlageverfahren vier Jahrzehnte lang gut funktioniert, doch stieß es Ende der 90er Jahre an seine Grenzen, so dass die Politik die Notbremse ziehen musste.

Es gibt kaum ein Land in Europa, dass seine Alterssicherungssysteme nicht neu ordnen muss.

Das Altersvermögensergänzungsgesetz und das Altersvermögensgesetz schrieben in Deutschland zu Beginn des neuen Jahrtausends den Generationenvertrag neu.

Seitdem sichert die GRV nicht mehr den vorherigen Lebensstandard ab, sondern nur noch die Grundbedürfnisse.

Schon in 20 Jahren wird die GRV nur noch ein staatlicher Zuschuss zur Altersversorgung sein und nur einen Teil der tatsächlichen Lebenshaltungskosten im Alter abdecken.

Die Millennials werden nur noch rund 40 Prozent der letzten Nettobeträge ihres Einkommens als Rentenauszahlung erhalten.

Und das nur, wenn sie durchgehend voll erwerbstätig waren. Damit droht vor allem Frauen, die der Kindererziehung wegen nicht durchgängig gearbeitet haben, im Alter Armut.

Der Generation Y droht Altersarmut

Der Generation Y droht Altersarmut

Deshalb muss die Generation Y selbst vorsorgen, wenn sie Altersarmut vermeiden möchte.

Doch über die Hälfte kennt sich mit Sparmöglichkeiten für den Ruhestand nicht oder nur mäßig aus.

Zudem erscheinen die heute zur Verfügung stehenden Angebote zur privaten Alterssicherung der Generation Internet zu kompliziert und komplex oder einfach nicht mehr lukrativ, wie beispielsweise eine Kapital-Lebensversicherung, mit denen die Deutschen über Generationen hinweg Kapital fürs Alter gespart haben.

Doch seitdem der Garantiezins bei privaten Rentenversicherungen und Kapital-Lebensversicherungen auf nur noch 1,25 Prozent gesenkt wurde, sind diese Produkte in Betracht ihrer hohen Kosten für Verwaltung und Vertrieb nicht länger sinnvoll.

Doch sich auf eigene Faust eine betriebliche Altersvorsorge zu erstreiten oder den Vertrag für eine Riesterrente abzuschließen, das geht den pragmatischen Millennials oft gegen den Strich.

Trotzdem sind sie grundsätzlich zu finanziellen Opfern bereit, um die eigene Altersvorsorge in die Hand zu nehmen.

Schließlich streben laut einer Umfrage 71 Prozent der Millennials die finanzielle Unabhängigkeit an.

Insgesamt ist sich die Generation Y schon darüber bewusst, dass sie ihres eigenen Glückes Schmied ist.

Und Finanzkompetenz – also das Wissen, Können und die Motivation, die notwendig sind, um angemessene finanzielle Entscheidungen zu treffen, ist nicht nur in Deutschland ein wichtiges Thema, sondern in ganz Europa.

Fazit

Der Generation Y droht Altersarmut und sie muss für zwei Generationen sorgen. Einmal für die Alten, die zahlreich sind und immer länger leben. Und zum anderen für sich selbst, wenn sie später nicht von Altersarmut betroffen sein will.

Ursache ist die Umgestaltung der Alterssicherungssysteme durch die Politik seit dem Jahr 2000 aufgrund des demografischen Wandels.

Doch offenbar sind vor allem junge Menschen vielfach mit den Anforderungen an die Eigenvorsorge überfordert und zusätzlich wächst die Vertrauenskluft zwischen dem Finanzsektor und den Bürgern seit der Finanzkrise immer mehr.

Doch die Ypsiloner wissen, dass sie möglicherweise ein schweres Erbe antreten und sind letztlich Anhänger einer Philosophie der Stärkung ihrer Selbsthilfekräfte.

Zwar sind die Zeiten für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge wegen der niedrigen Zinsen lausig, doch werden sie vermutlich auch in Zukunft schwierig sein.

Mal ist das Geld knapp, mal mangelt es an Ideen.

Diese liefere ich Ihnen im zweiten Teil dieses Beitrags mit dem Titel „Altersvorsorgespezial Teil 2: Private Altersvorsorge mit ETFs in zwei Stufen„, in dem Sie erfahren, wie Sie ihre private Altersvorsorge in einem zweistufigen Konzept flexibel und kostengünstig auch in Zeiten der Niedrigzinsphase auf den Weg bringen.

Quelle: Zum Teil können Sie die hier gelieferten Informationen nachlesen bei: Hurrelmann, Klaus / Albrecht, Erik: Die heimlichen Revolutionäre: Wie die Generation Y unsere Welt verändert, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 2014.

 

 

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4 Gedanken zu „Altersvorsorgespezial Teil 1: Der Generation Y droht Altersarmut“

  1. Hallo Herr Nawatzki,

    ich denke genauso wie Sie, dass die private Altersvorsorge immer wichtiger wird. Aber ich erlebe auch immer wieder, dass sich viele zu wenig Gedanken darum machen, was wie beschrieben fatale folgen haben kann. Was ich auch immer wieder erlebe ist, dass viele Menschen zu schlecht in Sachen Geldanlage beraten werden. Ich hoffe das möglichst bald ein umdenken stattfindet und möglichst viele sich mit der privaten Geldanlage (Altersvorsorge) beschäftigen. Dann wird das Problem der Altersarmut hoffentlich ein wenig gelindert.

    Viele Grüße Klaus-Dieter

    Antworten
    • Hallo Klaus-Dieter,

      in einer Umfrage wurde deutlich, dass die Generation Y zum Teil wenig Kenntnisse im Bereich Geldanlage hat. Viele vertrauen aber Bankern und Finanzberatern nicht oder nur wenig. Unter anderem deshalb möchte ich mit ETF-Blog.com einen Beitrag zur Aufklärung in diesem Bereich leisten. Einer meiner nächsten Beiträge wird sich damit befassen, wie konkret eine private Altersvorsorge aufgebaut werden kann.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten

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