Burggraben-ETF: Die Strategie anschaulich erläutert

Lesedauer 8 Minuten

Burggraben-ETF: Es gibt zahlreiche ETF Strategien, um als Anleger den Markt bzw. seine Benchmark zu schlagen. Eine davon ist die sogenannte Burggrabenstrategie. Doch was versteht man bei der Geldanlage darunter und wieso gibt es dazu sogar spezielle Burggraben-ETFs?

ETF Strategien im Überblick

Passives Investieren bedeutet, nicht die Nadel im Heuhaufen zu suchen, sondern gleich den ganzen Heuhaufen zu kaufen. Also nicht eine einzelne Aktie, sondern einen ganzen Index. Dabei sollte man sein Investment aus wisserschaftlicher Sicht weltweit streuen. Mit diesem Vorgehen erzielt man die weltweite Marktrendite. Mehr kann man als passiver Anleger normalerweise nicht erwarten.

Doch es gibt immer wieder Investoren, die auch mit ETFs eine Überrendite erzielen wollen, weil sie sich mit der Marktrendite nicht zufrieden geben. Sie suchen den Erfolg mit sogenannten Smart Beta Strategien.

ETF Strategien: Smart Beta Strategien

Smart Beta Strategien haben das klare Ziel, ihren jeweiligen Index zu schlagen. Dazu gewichten sie zum Beispiel die in ihnen enthaltenen Aktien anders als nach der sonst üblichen Marktkapitalisierung. Eine Vorgehensweise ist dabei, alle Aktien im ETF geichzugewichten. Dadurch erhalten kleinere Unternehmen ein größeres Gewicht. Und die rentieren im Schnitt besser als Großunternehmen.

Eine dieser Strategien ist die sogenannte Burggrabenstrategie. Doch bevor ich auf diese näher eingehe, erläutere ich noch andere weit verbreitete Anlagestrategien.

Weltportfolio

Auf der Suche nach perfekten ETF Strategien stoßen viele Anleger unweigerlich auf das Weltportfolio von Gerd Kommer.

Das Weltportfolio basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen und wurde aus der Portfolio- und Effizienzmarktheorie entwickelt. Die Anlagestrategie verfolgt das Ziel, durch eine breite Streuung in unterschiedliche Anlageklassen das Risiko zu minimieren und eine Überrendite zu erzielen.

Bei der Verteilung der ETF-Anteile zeigt sich unabhängig von der konkreten Variante des Weltportfolios, dass Investments in entwickelte Länder und Schwellenländer sowie Large, Mid und Small Cap Unternehmen erfolgen.

Im ersten Schritt stellt sich der Anleger die Frage, inwiefern die Kombination aus risikobehafteten und risikoarmen Anteilen erfolgt. Je mehr Aktienanteile im Portfolio vertreten sind, desto höher ist das Risiko. Wer eine risikoarme Variante des Weltportfolios präferiert, entscheidet sich für einen geringeren Anteil an Aktien im Portfolio. Die Wahl der richtigen Asset Allocation hängt dabei von der persönlichen Situation ab.

ETF Strategien: Weltportfolio

Eine simple Variante ist das einfache Weltportfolio ohne Factorinvesting (siehe weiter unten). Der risikobehaftete Anteil des Portfolios besteht aus einem ETF, der die gesamte Welt abdeckt. Geeignet sind beispielsweise der FTSE All World oder MSCI ACWI IMI Index. Beide Indizes decken nahezu den gesamten Weltmarkt ab. Der MSCI ACWI umfasst Small Caps, also besonders kleine Unternehmen, während der FTSE All World Index darauf verzichtet. Der risikoarme Anteil des Portfolios besteht aus einem Anleihen ETF.

Bei weiteren Varianten des Weltportfolios erfolgt eine Ausdifferenzierung der ETFs. Eine Beimischung mit Rohstoffen oder Immobilienaktien ist denkbar, um den risikobehafteten Teil des Portfolios weiter zu diversifizieren.

Beim Weltportfolio von Gerd Kommer gibt es nicht die perfekte Asset Allocation. Vielmehr hängt die Zusammensetzung des eigenen ETF Portfolios von der individuellen Situation und den Vorstellungen über die Zukunft ab.

Portfolio Strategie

Nach der Strategie der Modernen Portfoliotheorie werden verschiedene Anlageklassen miteinander kombiniert, um das Risiko des Portfolios breit zu streuen und insgesamt zu senken, ohne dass die Renditeerwartungen wesentlich geschmälert werden.

Dabei setzt man im Wesentlichen auf die Anlageklassen

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe
  • Geldmarkt.

Dabei kommt es vor allem auf die Aufteilung des Investments auf diese Anlageklassen an, wodurch etwa 90 Prozent der Rendite eines Portfolios erklärt werden, während nur ca. 10 Prozent der Rendite durch die Streuung innerhalb einer Anlageklasse erzielt werden.

Regionale Schwerpunkte als ETF Strategien

Anleger können auch versuchen, eine Überrendite zu erzielen, indem sie bestimmte Regionen der Welt stärker in ihrem Portfolio gewichten als andere.

Dabei könnte man beispielsweise einen ETF auf den MSCI World Index mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets Index kombinieren und letzterem ein stärkeres Gewicht zukommen lassen.

Wer dem boomenden Aktienmarkt in den USA Rechnung tragen möchte, könnte beispielsweise einen ETF auf den S&P 500 in seinem Portfolio übergewichten .

Und wer an die wirtschaftliche Stärke Europas glaubt, der nimmt zusätzlich einen ETF auf den Stoxx Europe 600 Index mit auf.

So können entweder bestimmte Regionen oder auch einzelne Länder-ETFs mit ins Depot aufgenommen und nach Belieben gewichtet werden.

Megatrend ETFs

Megatrends bieten Chancen

Es gibt diverse Zukunftsthemen bzw. Megatrends, die ebenfalls eine Outperformance versprechen. Dazu gehören u. a.:

  • Eine alternde Bevölkerung
  • Automatisierung und technologischer Fortschritt
  • Digitalisierung und Informationstechnologie
  • Cyber Security
  • Ausbau der globalen Infrastruktur
  • E-Mobilität und neue Energien
  • Welternährung und Versorgung der Bevölkerung
  • Diversität und Gleichstellung.

Zu u. a. diesen Themen gibt es auch ETFs, die zum Teil tatsächlich eine Überrendite erzielt haben. So zum Beispiel der Invesco Elwood Global Blockchain UCITS ETF A, der 2020 eine Rendite von 76,28 Prozent erzielte oder der iShares Global Clean Energy UCITS ETF, der 2020 eine Rendite 119,95 Prozent erreichte und zum ETF des Jahres 2020 gewählt wurde.

ETF Strategien: Factorinvesting

Faktoren sind Merkmale, die einen Beitrag zur Erklärung von Aktienrenditen leisten können.

Aktienfaktoren

Dabei setzt sich die Aktienrendite sowohl aus der

  • Kennziffer Alpha und
  • den Aktienfaktoren als auch aus der
  • Kennziffer Beta,

zusammen, wobei der griechische Buchstabe Beta in der Investmentsprache die Wertentwicklung eines breiten Aktienmarktes bezeichnet.

Die Kennziffer Alpha veranschaulicht dagegen die abweichende Wertentwicklung eines Fonds gegenüber der Entwicklung der verwendeten Maßgröße, auch Benchmark genannt.

Ein positives Alpha deutet  dabei  auf ein besonders erfolgreiches Fondsmanagement hin.

Beim Factor Investing geht es also um die Aktienfaktoren, die jeweils einen Beitrag zur Rendite von Aktien leisten können.

Mittlerweile werden meist fünf verschiedene Faktor-Prämien unterschieden:

Small-Size-Prämie

Die wohl berühmteste und zugleich einfachste Factor-Prämie ist der Small-Size-Effekt, der Anfang der 80er-Jahre erstmalig dokumentiert wurde.

Dieser Small-Size-Effekt besagt, dass kleine Aktiengesellschaften statistisch höhere Renditen haben als große.

Dabei wird die Unternehmensgröße anhand der Marktkapitalisierung gemessen und es sind nach dem Index-Hersteller MSCI die untersten 15 Prozent der Unternehmen gemessen anhand ihrer Marktkapitalisierung.

Value-Prämie

Value-Aktien weisen relativ zu ihren Fundamentaldaten, wie

  • Umsatz,
  • Cash-Flow,
  • Gewinn oder
  • Bucheigenkapital

einen besonders niedrigen Aktienkurs auf.

Sie sind also unterbewertete Aktien.

Drei bekannte Kennzahlen, mit denen man den „Value-Grad“ einer Aktie messen kann, sind das

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis oder auch KGV,
  • das Kurs-Buchwert-Verhältnis und die
  • Dividendenrendite.

Value-Aktien sind definitionsgemäß billige Unternehmen relativ zu ihrer fundamentalen Gewinn- und Cash-Flow-Erzeugung.

Quality-Factor

Quality-Aktien sind solche, die bei einer Reihe betriebswirtschaftlicher Kennzahlen besonders vorteilhafte Werte besitzen.

Zu diesen Kennzahlen gehören u. a.:

  • Niedrige Verschuldung,
  • Hohe Profitabilität und
  • Stabilität und Qualität von Gewinnen.

Low Volatility-Factor

Low Volatility-Aktien sind solche, bei denen die Standardabweichung der Monats- und Jahresrenditen besonders niedrig ist.

In den 23 Jahren von Juli 1994 bis Juni 2017 hatte der MSCI World Standard Minimum Volatility eine um über einen Prozentpunkt höhere Rendite als der marktneutrale MSCI World Standard Index.

Momentum-Factor

Das Momentum ist ein rein verhaltensorientierter Factor, der wie die Volatilität anhand der Kurshistorie einer Aktie berechnet wird:

Dahinter steckt:

Anleger kaufen lieber Gewinner als Verlierer.

Von Momentum ist also die Rede, wenn sich der Kurs einer Aktie besser als der Gesamtmarkt entwickelt.

Im Momentum wird also die Geschwindigkeit bzw. die Stärke einer Kursbewegung gemessen.

Durch die fortlaufende Quantifizierung

dieser „Schwungkraft“, d.h. deren Richtung bzw. Ab- oder Zunahme, ist

das Momentum einer der wenigen Indikatoren, der auf einen bevorstehenden Trendwechsel hinweisen kann.

Oft beginnen Auf- oder Abwärtstrends mit starken Kursbewegungen, die dann im Zeitablauf wieder an „Schwungkraft“ verlieren.

Diese „Schwungkraft“ der Kurse wird nun im Momentum analysiert, wobei sich die Beobachtungen auf die

  • Kursrichtung,
  • die Geschwindigkeit der Kursbewegung und
  • auf die Veränderungsrate der Geschwindigkeit

beziehen.

Factorinvesting ist das Übergewichten von Faktorprämien in einem Portfolio gegenüber einer marktneutralen Gewichtung.

Durch die Übergewichtung von Factor-Prämien soll eine Mehrrendite gegenüber einer marktneutralen Abbildung einer Anlageklasse erzielt werden.

Burggraben Strategie

Es war Warren Buffett selbst, der diesen Begriff geprägt hat. Der Star-Investor mag es, komplexere Sachverhalte mit einfachen Bildern zu erläutern. Und der Begriff „Burggraben“ bringt es auf den Punkt:

Burggraben-ETF

So wie eine Burg durch einen Burggraben vor Angreifern relativ geschützt ist, so ist ein Unternehmen durch einen „wirtschaftlichen Burggraben“ vor Wettbewerbern geschützt. Es handelt sich demnach um Hürden, mit denen sich potenzielle Wettbewerber konfrontiert sehen. Je höher diese Hürden sind, desto stärker ist die Marktstellung des derzeit dominierenden Unternehmens. Je geringer diese Hürden sind, desto leichter kann eine dominierende Stellung angegriffen werden. Und ein solcher Wettbewerb kann dann die Gewinnmargen zerstören.

Ein Beispiel für ein Unternehmen mit starkem wirtschaftlichem Burggraben ist McDonalds. Das Hauptprodukt von McDonalds ist sicherlich der Burger. Der „Burggraben“ besteht in diesem Fall aus der Marke. Einen Burger könnten viele Unternehmen herstellen – doch der Name „McDonals“ hat einen solchen Bekanntheitsgrad und eine solche Beliebtheit erreicht, dass es Wettbewerber sehr schwer haben. Niedrig bewertete Aktien, großer „wirtschaftlicher Burggraben“ – das ist eine Kombination, die Warren Buffet sehr gut gefällt!

Es gibt verschiedene Wege, die ein Unternehmen einschlagen kann. Um einen Burggraben aufzubauen und die Konkurrenz hinter sich zu lassen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Eine starke Marke aufbauen (Wer an Cola denkt – denkt an? Richtig – Coca Cola)
  • Patente und Gesetze (Beliebt bei der Pharmaindustrie (Patente) oder bei regierungsnahen Dienstleistungen (Militär))
  • Monopol (oder auch Oligopol) (Firmen die kaum oder wenig Konkurrenz haben, z.B. Google oder Amazon)
  • Hohe Netzwerkeffekte (Fast jeder PC wird mit „Windows“, dem Betriebssystem von Microsoft ausgeliefert. Zudem ist hier häufig noch eine Testversion von „Office“ zu finden.)
  • Hohe Wechselkosten (Der Kunde muss viel Geld oder Zeit investieren, um das Produkt zu wechseln, z.B. Apple – die ganze Hardware müsste der Kunde neu anschaffen).

Die Burggraben Strategie ist sehr einfach. Sie besagt: Setze auf Burggraben Aktien. Bei der Auswahl der Aktien wird also das Unternehmen genau auf seinen Burggraben hin untersucht.

Ins Portfolio kommen nur Unternehmen mit einem stabilen und am besten noch – mit einem zukunftssicheren – Burggraben.

Wer will, der kann die Burggraben-Strategie auch noch mit der Value-Investing Strategie verknüpfen.

Burggraben-ETF: VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF (WKN A12CCN)

Zur Burggrabenstrategie gibt es auch einen ETF, der in US-amerikanische Aktien investiert.

Anlagestrategie

Der Morningstar Wide Moat Focus Index bietet Zugang zu den Aktien im Morningstar US Market Index mit dem niedrigsten Aktienkurs zu Fair-Value-Verhältnis. Der Index enthält mindestens 40 attraktiv bewertete US-Unternehmen, die laut dem Aktienresearch-Team von Morningstar nachhaltige Wettbewerbsvorteile besitzen. Alle Titel im Index sind gleichgewichtet.

Der Morningstar Wide Moat Focus Index bildet die Gesamtperformance attraktiv bewerteter US-Unternehmen ab, die laut dem Aktienresearch-Team von Morningstar nachhaltige Wettbewerbsvorteile besitzen. Der regelbasierte Index wird vierteljährlich angepasst.

Der VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF (WKN A12CCN) enthält US-Unternehmen, die über langfristige Wettbewerbsvorteile verfügen und zudem eine attraktive Bewertung aufweisen.

  • Smart-Beta-Strategie auf Basis eines bewährten und transparenten Indexierungsmodells des renommierten Research-Partners Morningstar.
  • Unternehmen mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen über 20 Jahre oder mehr. (Kostenführerschaft, Kundenbindung, Netzwerkeffekte, effiziente Skalierung und immaterielle Vermögensgegenstände).
  • Basierend auf Warren Buffetts Konzept der „Economic Moats“.
  • Zielt auf Unternehmen ab, die nach Morningstars Fair-Value-Bewertung zu attraktiven Preisen handeln.

Beschreibung des Burggraben-ETF VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF

Der VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF investiert in US Aktien mit Fokus Fundamental/Quality.

Die Dividendenerträge in diesem Wide Moat ETF werden reinvestiert (thesauriert). Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,49 Prozent pro Jahr. Die Wertentwicklung des Index wird im Fonds durch Erwerb der Indexbestandteile nachgebildet (Vollständige Replikation).

Der VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF hat ein Fondsvolumen von 227 Mio. Euro. Der ETF ist älter als 5 Jahre und in Irland aufgelegt.

Es gibt aktuell 9 ETF Sparplan-Angebot(e) bei Online Brokern für den VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF.

Seine Wertentwicklung kannst du folgender Abbildung entnehmen:

Burggraben ETF

Quelle: justETF.com

Fazit zu Burggraben-ETF

Derzeit führt bei der Geldanlage kaum ein Weg an Aktien vorbei. Zudem ist mehr Geld im Markt als es attraktive Anlagemöglichkeiten gibt. Das wird die Kurse vermutlich weiter treiben.

Zusätzlich ist durch die neuen Impfstoffe gegen Corona eine Ende dieser Krise absehbar und damit wird eine wirtschaftliche Erholung in weiten Teilen der Welt einsetzen.

Wer sich nicht mit der Marktrendite zufriedengeben möchte, kann verschiedene ETF Strategien ausprobieren, um eine Überrendite zu erzielen. Eine davon ist, auf Burggraben Aktien zu setzen.

Auch Warren Buffett ist ein großer Freund von Burggraben Aktien. Über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway investiert er sehr gerne in große und etablierte Burggraben Unternehmen. Wenn du in den Burggraben-ETF VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF (WKN A12CCN) investieren möchtest, brauchst du zunächst ein Depot:

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