Core Satellite Strategie – Wie du sie mit ETFs umsetzt

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Eine profitable Anlagestrategie soll nicht nur wirksam, sondern auch einfach umsetzbar sein. Dazu sollte sie das richtige Anlegerverhalten stützen. Die Core Satellite Strategie erfüllt beide Anforderungen.

Welche Anlagestrategien gibt es?

Eine Anlagestrategie besteht aus der Wahl des akzeptablen Risikos, der Anlageklassen und der Wertpapiere, in die investiert wird. Diese Entscheidungen werden nach verschiedenen Grundsätzen und aufgrund verschiedener Annahmen getroffen.

Value Investing

Diese Strategie geht von der Annahme aus, dass ein Unternehmen und damit seine Aktien einen inneren Wert haben, der sich aus den zu erwartenden Gewinnen ergibt. Eine gute Investition ist dann eine Aktie, die wesentlich unter ihrem inneren Wert gehandelt wird.

Buy and Hold

In dieser Strategie wird eine lange Haltefrist der Aktien betont, die Schwankungen weniger problematisch macht. Bei einer langen Haltedauer der Wertpapiere kommt vor allem der Zinseszinseffekt zum Tragen. Da dieser über die Zeit eine exponentielle Wirkung entfaltet, wird er von Anlegern häufig unterschätzt. Oft wird Buy and Hold zusammen mit Value Investing eingesetzt.

Core Satellite Strategie

Core Satellite Strategie

Sie teilt das Kapital in einen Kern und kleinere Zusätze auf, die verschieden investiert werden. Dabei bildet der Kern (Core) den risikoärmeren Teil des Investments ab und mit den Zusätzen (Satelliten) gehen Investoren oft mehr Risiko ein, um entsprechend mehr an Rendite zu erzielen.

Was versteht man unter einer Core Satellite Strategie?

Der Umriss der Strategie

Wie der Name andeutet, wird das verfügbare Kapital in einen Core, also einen Kern und Satellites, also nicht ganz wörtlich Außenposten aufgeteilt.

Der Core stellt den Hauptanteil dar, wobei der Richtwert bei ca. 80 Prozent liegt. Dieser Core wird so angelegt, dass ein stabiler Ertrag mit verhältnismäßig niedrigem Risiko zu erwarten ist.

Der Satellite ist der Teil, der mit Initiative und höherem Risiko veranlagt wird.

Woher stammt die Idee für Core and Satellite?

Ausgangspunkt war der Begriff der Markteffizienz und die Beobachtung, dass sehr liquide Märkte wie die Aktien großer Unternehmen sehr effizient sind. In diesen Märkten spiegelt der Kurs also den inneren Wert einer Aktie sehr gut wieder und deshalb wird davon ausgegangen, dass in solchen Märkten mit Timing des Kaufs und Verkaufs kaum eine Chance auf einen Mehrertrag besteht.

Genauso ist es aber richtig, dass kleinere Märkte in vielen Fällen nicht besonders effizient sind. Dort bestehen also Chancen, eine höhere Rendite durch aufmerksames Investieren zu erzielen.

Welche Voraussetzungen brauchst du für die Core Satellite Strategie?

Aufmerksames Investieren bedeutet natürlich, dass du diese Aufmerksamkeit auch aufbringen musst. Satellites sind in dem Maße sinnvoll, in dem du Interesse für die Auswahl der entsprechenden Wertpapiere bzw. Anlagen aufbringst.

Wenn du den Aufwand dafür enger begrenzen möchtest, kannst du den Prozentsatz für die Satellites auch auf vielleicht nur 5 Prozent verringern und für diesen Anteil nur eine Investition auswählen.

Was ist das Ziel einer Core Satellite Strategie?

Vermeidung von Verlusten

Die erste Grundregel des Investierens ist nicht das Erzielen von Gewinn, sondern das Vermeiden von Verlust. Das ist viel weniger leicht, als sich das Viele vorstellen. Gerade im Bereich des schnellen Tradings gilt genau das als erste zu nehmende Hürde, nämlich ohne dauerhaften Verlust handeln zu können.

In der Core Satellite Strategie ist der große und stabil angelegte Core die Grundlage für die Verlustvermeidung.

Mehrrendite durch Satellites

In den Satellites ist im Gegensatz zum Core und zu den üblichen Grundsätzen des Investierens eine Diversifizierung kaum nötig. Diese ist schließlich im Core realisiert. Dadurch entsteht ein beträchtlicher Vorteil, nämlich dass du dich auf wenige Investitionen konzentrieren kannst. Über diese kannst du mit leistbarem Aufwand hinreichend viele Informationen einholen und verarbeiten. Die genaue Größe der Satelliten passt du dem jeweiligen Risiko an. Je riskanter eine Investition, umso geringer sollte das eingesetzte Kapital sein.

Mentale Stabilität

Für aktive Investoren stellt ein zu großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten eine ständige Gefahr dar. Wenn du eine Idee für eine Investition gefunden hast, wirst du von ihr überzeugt sein und entsprechend viel investieren wollen, denn alles andere wäre ein innerer Widerspruch.

Beschränkst du dich aber von vorneherein auf einen Satelliten mit beschränkter Größe, stellt diese eine natürliche Schranke dar, die dich gleichsam vor dir selbst schützt.

Beispiele für eine Core Satellite Strategie

Seit es ETFs für Privatanleger gibt, ist die Wahl eines geeigneten Cores nicht schwierig. Er wird in der Regel von großen ETFs gebildet. Eine gute Möglichkeit sind Welt-ETFs, die den globalen Aktienmarkt abbilden. Mit einem längeren Anlagehorizont sind Verluste in einem solchen Core-ETF sehr unwahrscheinlich.

Als Satelliten wirst du Alternativen wählen, die entweder ein ausgesuchter Teil des weltweiten Aktienmarktes darstellen oder auch andere Investitionen, die mit dem Core wenig korrelieren. Für die Auswahl solltest du dich an eine Grundregel des Investierens erinnern und zwar, dass du nur in Dinge investieren solltest, die du auch verstehst. Das muss nicht alle Einzelheiten umfassen, aber eine grobe Einschätzung sollte dir schon möglich sein.

In aufsteigender Abfolge des Risikos sind die folgenden Möglichkeiten zu nennen.

Branchen-ETFs

Mit ETFs langfristig zum Erfolg

Diese wirst du aussuchen, wenn deiner Einschätzung nach bestimmte Branchen unterbewertet sind. ETFs statt Einzeltitel vermeiden das Risiko des Ausfalls einzelner Unternehmen. Du solltest nur darauf achten, nicht einem Hype zum Opfer zu fallen. Solche Branchen sind zwar vielleicht hip, aber oft schon überbewertet. Eine Suche nach wirklich unterbewerteten Bereichen muss über die Schlagzeilen der Zeitungen hinausgehen. Trotzdem sind Satellites in der Form von ETFs sicher die am wenigsten aufwendige Methode der Veranlagung.

Aktiv gemanagte Fonds

Aktiv von einem Fondsmanager verwaltete Fonds können in fernen und exotischen Märkten durchaus bessere Ergebnisse liefern als ETFs, die stur einen Index nachbilden.

Dabei können gute Kontakte und die Vernetzung des Fondsmanagers vor Ort von entscheidender Bedeutung sein.

Einzeltitel

Du wählst also die Aktien einzelner Unternehmen als Satellites aus. Das erfordert mehr Aufwand, auch weil du kaum 20 Prozent deines Kapitals in nur eines oder zwei Unternehmen stecken wirst. Hier sieht du die Bedeutung der Gewichtung der Satellites nach Risiko.

Mir persönlich ist die Auswahl von Einzeltiteln zu aufwendig und zu risikoreich, weshalb ich auch bei den Satellites lieber bei ETFs bleibe.

Kryptowährungen

Kryptowährungen sind notorisch starken Schwankungen unterworfen, d. h. sie sind sehr volatil. Schwankungen von 5 bis 10 Prozent innerhalb eines Tages sind nicht selten. Das macht sie als Satellites interessant, denn nach starkem Anstieg kannst du die Mehrrendite in den Core umschichten. Wie bei anderen Investitionen auch solltest du aber nur dann investieren, wenn du dich zumindest einigermaßen in dem Bereich auskennst.

Derivate und Hebelprodukte

Sie stellen die extremste Wahl für Satellites dar, weil sie die höchsten Schwankungen in sehr kurzer Zeit aufweisen. Auch hier brauchst du ausreichend Expertise, um die Risiken abschätzen zu können. Du hast nämlich auch von den stärksten Schwankungen nichts, wenn sie letztlich einen Totalverlust bedeuten.

Was sollte man bei einer Core Satellite Strategie vermeiden?

Der Core ist der tatsächliche Kern der Strategie und zwar nicht nur sein Inhalt, sondern auch sein Umfang. Mindestens 80 Prozent sollte dieser Core umfassen. Das gilt besonders auch dann, wenn Satellites gerade sehr gut gelaufen sind und eine erhebliche Mehrrendite abwerfen.

Das ist genau die Idee der ganzen Strategie. Die höhere Rendite soll zuerst durch die Satellites erzielt werden, dann aber im Core erhalten bleiben. Auch hier scheint eine Grundidee erfolgreichen Investierens durch, nämlich dass man nach einem erfolgreichen Lauf nicht einfach auf immer weiter steigende Kurse setzen sollte. Sondern Gewinne wollen auch mal mitgenommen werden.

Die Idee wirkt auch in der anderen Richtung. Solltest du mit den Satellites Verluste eingefahren haben, ist es durchaus sinnvoll, vom Core entsprechend Kapital in die Satellites umzuschichten. Das Risiko bleibt durch die Größenverhältnisse von Core und Satellites letztlich unter Kontrolle.

Kann man den Markt mit einer Core Satellite Strategie schlagen?

Das ist durchaus möglich und langfristig zu erwarten, Garantien gibt es dafür naturgemäß aber nicht.

Das kann vor allem dann geschehen, wenn die Satelliten gut laufen und eine Überrendite (Outperformance) abliefern. Beispielsweise kann das der Fall sein, wenn du in Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. investiert bist und diese neue Höchststände markieren.

Fazit: Wie du mit der Core Satellite Strategie auf Basis von ETFs deine Rendite erhöhst

Core Sattelite Strategie

Die Core Satellite Strategie verbindet einen guten Schutz vor größeren Verlusten mit der Chance, aktiver Investor zu sein und so einen Mehrertrag zu erwirtschaften.

Wende einen Sparplan auf deinen Core-ETF an, wähle die Größe der Satellites nach Risiko aus und schichte dein Portfolio mindestens alle drei Monate um. Dann bist du auf einem guten Weg zu einer stabilen Mehrrendite über das durchschnittliche Wirtschaftswachstum hinaus.

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