Das Ende der Lebensversicherung – eine Rezension

Lesedauer 3 Minuten

Eine Rezension

Jahrzehnte lang war die Kapital-Lebensversicherung der Deutschen liebstes Kind, um privat für das Alter vorzusorgen. Doch wie steht es mit der Lebensversicherung in der aktuellen Niedrigzinsphase?

Derzeit gibt es rund 93 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland.

Doch in der aktuellen Niedrigzinsphase halten die Policen meist nicht, was ihren Besitzern einst versprochen wurde:

Eine hohe Ablaufleistung.

Wer heute eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommt, erhält manchmal nur 50 Prozent dessen, was er einst kalkuliert hat.

Schätzungen gehen davon aus, dass sich über 90 Prozent der Lebensversicherungsverträge nicht mehr rechnen.

Und das gilt insbesondere, seit dem der Garantiezins in der aktuellen Niedrigzinsphase nur noch 0,9 Prozent p. a. beträgt, dem die Abschluss- und Verwaltungskosten einer solchen Versicherungspolice gegenüberstehen.

Da stellt sich die Frage, ob das Ende der Lebensversicherung jetzt erreicht ist?

Der Aufbau des Buches

Der Autor des Buches, Michael Grandt, hat sein Buch in sieben Kapitel unterteilt.

Er beginnt mit der Analyse der Vermögenslage der Deutschen, die zwar relativ viel sparen, aber leider in der Mehrzahl die falschen Spar- bzw. Geldanlageinstrumente einsetzen.

So sind Sparbücher und Tagesgeldkonten leider wesentlich beliebter als Aktien, klassische Investmentfonds und ETFs.

Und natürlich die kapitalbildende Lebensversicherung.

In Kapitel 2 befasst sich der Autor mit drei Lügen, wie er sie nennt:

  1. Dass die Rente sicher ist
  2. Dass Pensionen sicher sind
  3. Dass die Riester-Rente ein wichtiger Teil der Altersvorsorge sei.

Kapitel 3 befasst sich mit der Besteuerung der Geldanlagen, auch der Besteuerung von Lebensversicherungen.

Im darauf folgenden Kapitel 4 analysiert der Verfasser das Märchen vom Garantiezins und die Rendite von Lebensversicherungen insgesamt inklusive ihrer Überschussbeteiligungen.

Kapitel 5 befasst sich mit der Frage, ob die Art und Weise, wie Versicherer die Gelder ihrer Kunden anlegen, wirklich so sicher sind.

Darauf aufbauend führt der Autor in Kapitel 6 18 verschiedene Gründe an, warum die Lebensversicherung seiner Meinung nach nicht überleben wird.

Ein Praxisteil u. a. zur Baufinanzierung mit Lebensversicherungen, über Direktversicherungen und zu Alternativen zur Lebensversicherung schließt das Buch ab.

Wie mir „Das Ende der Lebensversicherung“ gefallen hat

Das Buch macht Schluss mit dem Mythos der Kapital-Lebensversicherung als eierlegende Wollmichsau der Kapitalanlage.

Dieser Mythos wurde über Jahrzenhnte von Versicherungs- und Strukturvertrieben aufgebaut, die über die Jahre Millionen und Milliarden an Abschlussprovisionen verdient haben.

Das Buch ist verständlich geschrieben und es fiel mir leicht, es zu lesen.

Allerdings hat mich der oft reißerische Grundton des Buches gestört.

Insgesamt ist es mir zu sensationsheischend.

Was mir besonders gut gefallen hat, war der Unterpunkt „Die Rente ist sicher“, in der aktuelle Entwicklungen zur gesetzlichen Rentenversicherung analysiert werden.

Im Unterpunkt „Alternativen zu Ihrer Lebensversicherung“ im Praxisteil des Buches (Kapitel 7) vermisse ich einen Hinweis zu ETF-Sparplänen mit all ihren Vorteilen wie

  • Einfachheit,
  • Transparenz,
  • niedrigen Kosten
  • Flexibilität und
  • Liquidität.

Fazit

Die Lebensversicherung war immer ein gutes Geschäft für die Versicherer und ihre diversen Vertriebsorganisationen.

Für viele Finanzvertriebe war sie die Haupteinnahmequelle, so auch in meiner Zeit bei der MLP Finanzdienstleistungen AG.

Dort wurde der Erfolg als Finanzberater rein am LV-Umsatz gemessen und alles andere war sekundär.

Die LV hatte ihre besten Zeiten, als es noch einen Garantiezins von 4 Prozent gab (ab Juli 1994 bis Juni 2000), zusätzlich noch verschiedene Überschüsse und die Erträge steuerfrei waren.

Doch heute ist eine Kapital- Lebensversicherung mit einem aktuellen Garantiezins von 0,9 Prozent (nur auf den Sparanteil) und gegebenen Abschluss- und Verwaltungskosten nur noch ein Verlustgeschäft.

Da scheint das Ende der Lebensversicherung erreicht.

Es ist das Verdienst des vorliegenden Buches, diese Tatsache deutlich herauszuarbeiten.

Doch mit ETFs gibt es heute eine echte Alternative zur Lebensversicherung und zwar für alle Anlageklassen.

ETFs sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

Über den Autor

Michael Grandt arbeitet als freier Journalist und Autor.

Unter seinen zahlreichen Büchern waren auch Bestseller, die in den entsprechenden Listen von Spiegel, Handelsblatt und Manager Magazin geführt wurden.

Zusätzlich arbeitet er für das Fernsehen und ist als Vortragsredner auf großen deutschen Finanzmessen aktiv.

Michael Grandt, Das Ende der Lebensversicherung: Warum Sie jetzt handeln müssen und wie Sie Ihre Altersvorsorge retten – Schritt für Schritt*, FinanzBuch Verlag, München 2017, 19,90 EUR.

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4 Gedanken zu „Das Ende der Lebensversicherung – eine Rezension“

  1. Hallo zusammen,
    vielen lieben Dank für den aufschlussreichen Artikel zum Thema Lebensversicherung. Die Thematik ist sehr umfangreich. Ich bin der Meinung, dass jeder für sich selber entscheiden muss, ob sich eine Lebensversicherung lohnt. Ich denke es ist sinnvoll das Thema mit einem Fachmann zu besprechen um herauszufinden ob es sinnvoll ist oder nicht.

    Antworten
    • Hallo Viktoria,

      leider muss ich dir widersprechen.

      Es gibt keinen Grund, heute noch eine Kapital-Lebensversicherung abzuschließen, weil das eine Geldanlage mit einer negativen Rendite ist. Und ein Fachmann – sprich ein Verkäufer von Lebensversicherungen – schwatzt sie einem vielleicht doch an die Backe, wenn er ein guter Verkäufer und zudem skrupellos genug ist.
      Also: Finger weg von Kapital-Lebensversicherungen.

      Besser einen ETF-Sparplan und eine Risiko-LV, wenn man jemanden absichern möchte.

      Viele Grüße

      Jürgen

      Antworten

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