MSCI Emerging Markets: Sinnvolle Ergänzung zu einem MSCI World ETF?

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Investitionen in Schwellenländer werden aufgrund ihres hohen Wachtumspotenzials häufig als Renditebeschleuniger bezeichnet. Dabei ist der MSCI Emerging Markets (EM) Index einer der beliebtesten Indexfonds für Schwellenländer. In diesem Artikel erfährst du, ob auch du von einer Investition in die Emerging Markets profitieren kannst und was du beachten solltest.

Der MSCI Emerging Markets Index auf einen Blick

Viele Anleger konzentrieren sich mit ihren Investments auf Unternehmen aus Industrieländern. Doch auch ein Investment in Schwellenländer kann sich lohnen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Der MSCI Emerging Markets ist ein internationaler Index, der die Entwicklung von Unternehmen aus 24 Ländern abbildet, die laut MSCI als Schwellenländer klassifiziert werden (Stand April 2022).

Es handelt sich bei dem Index um eine Auswahl von Aktien, die die finanzielle Leistung von wichtigen Unternehmen in schnell wachsenden Ländern abbilden sollen. Mit einer Investition in ETFs, die auf dem MSCI EM basieren, partizipierst du an der Entwicklung dieser Unternehmen.

Der Aktienindex wird vom amerikanischen Finanzdienstleister MSCI Inc. (ehemals Morgan Stanley Capital International) betreut, der auch den beliebten Aktienindex MSCI World herausgibt.

Was sind Schwellenländer?

Als Schwellenländer (Emerging Markets) werden Entwicklungsländer bezeichnet, die ein besonders hohes Wachstumspotenzial aufweisen. Diese Länder stehen an der „Schwelle“, ein Industrieland zu werden. Schwellenländer zeichnen sich unter anderem durch ein rasant wachsendes Pro-Kopf-Einkommen aus. Die Arbeitsproduktivität ist hoch und das Lohnniveau dabei vergleichsweise niedrig. Aufgrund der zunehmenden Industrialisierung wächst die Wirtschaft dieser aufstrebenden Länder kontinuierlich.

Es gibt keine einheitliche Definition von Schwellenländern. Die Klassifizierung der Länder erfolgt anhand von unterschiedlichen Entwicklungsfaktoren. Die Weltbank zählt aktuell 55 Länder als Schwellenländer, während der Internationale Währungsfonds 150 Schwellenländer klassifiziert. Große Indexanbieter wie MSCI haben ihre eigenen Klassifizierungssysteme.

MSCI klassifiziert Länder im Wesentlichen anhand

  • der wirtschaftlichen Entwicklung,
  • des Kapitalmarktes und
  • des Marktzuganges.

Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes wird anhand des Brutto-Inlandsproduktes pro Kopf bewertet. Entwicklungsländer liegen dabei unterhalb eines festgelegten Grenzwertes. Zusätzlich wird der Kapitalmarkt des entsprechenden Landes bewertet. Um als Schwellenland eingestuft zu werden, benötigt es mindestens drei Unternehmen im Land, die eine bestimmte Marktkapitalisierung überschreiten (1.260 Mio. $), von der sich mindestens die Hälfte im Streubesitzt befinden muss. Zusätzlich muss ein bestimmtes Liquiditätsverhältnis eingehalten werden (>15% ATVR). In die Bewertung fließen auch Kriterien zur Beurteilung der Marktoffenheit und die politische Stabilität. Alle Faktoren werden einmal im Quartal von MSCI überprüft.

MSCI Emerging Markets Index

Was ist der MSCI Emerging Markets Index?

Der MSCI Emerging Markets wurde 1988 erstellt. Zu dieser Zeit waren Unternehmen aus nur 10 Ländern gelistet. Heute bildet der Index große und mittelgroße Unternehmen aus 24 Schwellenländern ab. Mit 1.398 Unternehmen erfasst der MSCI EM etwa 85% des Börsenwertes aller Aktien aus Schwellenländern.

China hat mit 30,57% mit Abstand den größten Anteil am Index, gefolgt von

  • Taiwan (15,45%),
  • Indien (13,64%),
  • Südkorea (12,51%) und
  • Brasilien (5,25%).

Die Aktien dieser Länder machen über 75 Prozent des gesamten Börsenwertes des Index aus. Die am stärksten vertretenen Branchen sind Finanzdienstleistungen (22,21%) und Informationstechnologie (20,48%) (Stand April 2022).

Am 02.03.2022 hat MSCI Russland neu klassifiziert und der Kategorie Standalone zugeordnet. Bis dahin galt Russland als Schwellenland. Der Grund dafür ist, dass Russland im März 2022 den Markzugang für ausländische Investoren komplett gesperrt hat. Russische Aktien wurden daraufhin aus ETFs, die auf dem MSCI Emerging Markets basieren, entfernt.

So kannst du vom MSCI Emerging Markets profitieren

Die Schwellenländer weisen ein besonders dynamisches Wirtschaftswachstum auf. Die Prognose der Wachstumsraten von Schwellenländern liegt über dem weltweiten Durchschnitt und auch über dem der meisten Industrieländer. Anleger, die in aufstrebende Märkte investieren wollen, können überproportional von dieser Dynamik profitieren.

Schon lange wird den Schwellenländern ein erhöhtes Wachstumspotenzial zugeschrieben, doch galten Investitionen in Schwellenländer lange Zeit als Geheimtipp für professionelle Anleger. Inzwischen eröffnen sich auch für Privatanleger viele interessante Anlagemöglichkeiten. Ein Investment in Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern setzt eine solide Marktkenntnis und ein relativ großes Vermögen voraus. Außerdem sind Aktien in Schwellenländern für den Privatanleger häufig nicht zugänglich.

Eine günstigere Alternative stellen ETFs auf Basis des MSCI Emerging Markets Index dar. Privatanleger können so mit einem einzigen Produkt in einen breit gestreuten Index investieren und verteilen das Risiko ihrer Anlage optimal.

Gerade für ETF-Anleger kann der MSCI EM sinnvoll sein, um das Portfolio zu diversifizieren. Denn im beliebten MSCI World Index der Industrieländer machen Aktien aus den USA mittlerweile fast 70 Prozent des Indexgewichts aus. Du könntest zum Beispiel nur 70 oder 80 Prozent seines Portfolios mit dem Industrieländerindex MSCI World füllen – und 20 oder 30 Prozent mit dem MSCI Emerging Markets.

Das solltest du bei MSCI Emerging Market ETFs beachten

Prinzipiell solltest du dir darüber klar sein, dass du mit einem ETF auf Schwellenländer höhere Risiken eingehst als beispielsweise mit ETFs auf den MSCI World. Investments in Schwellenländern sind unter anderem mit politischen Risiken verbunden. Dazu gehören Machtwechsel, Kriege und Handelsstreitigkeiten. Politische Führer können drastische Einschnitte im privaten Wirtschaftssektor vornehmen.

Im MSCI Emerging Markets dominieren asiatische Staaten mit einer Gewichtung von über 70%. Dies birgt ein Klumpenrisiko. Insbesondere das angespannte politische Verhältnis zwischen China und Taiwan könnte zukünftig einen negativen Einfluss auf Unternehmen in diesem Index nehmen.

Zudem werden zahlreiche afrikanische Länder nicht berücksichtigt, weil sie von MSCI häufig nicht als Schwellenländer, sondern als weniger fortgeschrittene Entwicklungsländer eingestuft werden.
Ein weiteres Risiko stellt das Währungsrisiko dar. Dabei kann die lokale Währung des Landes stark verlieren, wodurch das Exportgeschäft und somit die gesamte Wirtschaftsleistung in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Grundsätzlich befindet sich jedes Land in einer individuellen Ausgangslage und ist unterschiedlichen Einflüssen auf nationaler und internationaler Ebene ausgesetzt. Bei Investitionen in Schwellenländern ist zu beachten, dass die höheren Renditechancen auch mit gewissen Risiken verbunden sind.

So findest du die besten ETFs auf dem MSCI Emerging Markets

Das Angebot an MSCI EM ETFs ist relativ groß. Angesichts der teilweise deutlichen Unterschiede zwischen den einzelnen ETFs ist es durchaus empfehlenswert, die angebotenen Produkte auf dem Markt zu vergleichen. Viele Online-Banken bieten direkte Vergleiche der einzelnen ETFs an.

Eine gute Übersicht über die besten Fonds nach

  • Größe,
  • Performance,
  • Ausschüttungsart,
  • Replikationsmethode,
  • Fondsvolumen und
  • Kosten

erhält man auch auf entsprechenden Webseiten. Folgende Websites liefern einen guten Überblick und sind neutral:

Dabei sollte man darauf achten, dass die Seite nicht von einem ETF-Anbieter angeboten wird, da die Resultate sonst möglicherweise nicht objektiv bewertet werden.

Ein Kostenpunkt, den man bei einem ETF, der auf eine Fremdwährung ausgerichtet ist, immer einkalkulieren sollte, ist das Währungsrisiko. Es entsteht, wenn Investoren aus dem Euroraum in ein Produkt investieren, das auf eine Fremdwährung läuft. Dies ist auch der Fall, wenn du in einen MSCI EM ETF investierst, der auf US Dollar basiert.

Vermögen bilden mit ETFs auf den MSCI Emerging Markets Index

Fazit

Schwellenländer durchlaufen einen umfassenden Transformationsprozess und verzeichnen ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Wer richtig anlegt, wird langfristig vom enormen Wachstumspotenzial der Schwellenländer profitieren. Mit MSCI Emerging Markets ETFs hast du die Möglichkeit, kostengünstig und unkompliziert von der dynamischen Entwicklung der Schwellenländer zu profitieren. Ein ETF auf diesem Index ist eine sinnvolle Alternative zum direkten Kauf einzelner Aktien.

Aufgrund der hohen Risiken ist ein MSCI Emerging Markets ETF zwar nicht als Basisinvestment geeignet, kann aber als Depotbeimischung sinnvoll sein. Wer sich bereits für ein solides Basisinvestment entschieden hat – zum Beispiel einen ETF auf den MSCI World Index – , kann mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets Index seine Rendite-Chancen erhöhen und von der wachsenden Dynamik in den Schwellenländern profitieren. Dabei solltest du dir des erhöhten Risikos stets bewusst sein. Schließlich sind die Märkte in den Schwellenländern wesentlich volatiler (schwankungsintensiver) als die der Industrieländer. Grundsätzlich solltest du dich mit der politischen und wirtschaftlichen Situation in den verschiedenen Schwellenländern auseinandersetzen und die Performance deiner ETFs im Blick behalten.

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