Ordnung im Chaos: Spieltheorie, ETFs und die Geschäftswelt

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Mithilfe der Spieltheorie kann man auch geschäftliche Probleme lösen. Sie findet in der Wirtschaft mittlerweile eine breite Anwendung. Ziel ist: Ordnung im Chaos.

[lwptoc]

Steve Cucchiaro ist einer der ganz Großen in der ETF-Welt.

Er ist der Gründer von Windward/Windhaven, welches er später an die Charles Schwab Corporation verkaufte und er revolutionierte das Konzept dieses ETF-Strategen.

Dies ist eine Art Anlagenverwalter, der hochwertige ETF-Portfolios für private und institutionelle Investoren bereitstellt.

Cucchiaro verließ Windhaven im Jahr 2014, um sich neue Wege und Möglichkeiten zu überlegen, wie er Portfolio-Management für unsere heutige Zeit neu definieren kann.

Das Resultat dieser Überlegung:

3EDGE Asset Management.

Für 3EDGE Asset Management ist er momentan in der Rolle des Generaldirektors und des Chief Investment Officers (CIO) tätig.

Für das neue Konzept nutzt Cucchiaro die sogenannte Game Theory (Spieltheorie), die dabei helfen soll, Vorgänge und Entwicklungen in unserer hektischen Zeit richtig zu interpretieren und letztlich Entscheidungen zu treffen.

Ordnung im Chaos

Ordnung im Chaos: Was ist die Spieltheorie?

Die Spieltheorie ist eine interdisziplinäre Theorie, die Psychologie, Mathematik, Philosophie und einige weitere wissenschaftliche Bereiche miteinander verbindet, um komplexe Entscheidungssituationen so genau wie möglich modellieren zu können.

Im Grunde genommen ist die Spieltheorie also eine mathematische Simulation von Spielen.

Für die Mitwirkung an der Theorie haben zahlreiche Wissenschaftler einen Nobelpreis erhalten, unter anderem zum Beispiel der

  • Mathematiker John Forbes Nash Jr.,
  • der Wirtschaftswissenschaftler John Harsanyi und
  • der Volkswirt und Mathematiker Reinhard Selten.

Ursprünglich wurde die Theorie entwickelt, um wirtschaftliches Verhalten besser voraussagen zu können.

Doch da die Theorie viele verschiedene Spiele betrachtet, lässt sie sich hervorragend auch in anderen Bereichen anwenden.

Sie funktioniert im Grunde wie eine Simulation.

Verschiedene Situationen werden als Spiel dargestellt.

Es wird genau festgelegt, welche Spieler es gibt, wie genau der sequenzielle Ablauf zu erfolgen hat und welche Spielzüge ein Spieler in jeder Phase durchführen kann.

Beim Spiel kann es verschiedene Annahmen geben:

Bei der Annahme der “vollständigen Information” geht man zum Beispiel davon aus, dass jeder Spieler volle Kenntnis über die Spielregeln hat.

Da die Spieltheorie aber in verschiedenen Bereichen angewendet werden kann, in denen eine solche Annahme keinen Sinn machen würde, kann man das Spiel auch mit der Annahme der “unvollständigen Information” durchführen.

Eine weitere variable Annahme ist zum Beispiel das “perfekte Erinnerungsvermögen” jeden Spielers.

Hier wird davon ausgegangen, dass jeder Spieler auf alle Informationen, die ihm bereits in der Vergangenheit zur Verfügung standen, zurückgreifen kann.

Auf diese Weise können die Spiele verschiedenen Situationen angepasst werden – auch auf ETFs.

So kann letztlich Ordnung im Chaos geschaffen werden.

ETFs im Überblick 

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Geld anzulegen.

Vom Sparbuch über Wertpapiere bis hin zu ETFs (Exchange Traded Funds).

Bei diesen handelt es sich um sogenannte börsengehandelte Indexfonds, die von vielen Experten als Geldanlageinstrument der Zukunft angesehen werden.

In Deutschland bekommt man sie übrigens erst seit 2000, doch mittlerweile handelt man an der Börse in Frankfurt mit über 1.300 ETFs.

Anders als bei anderen Investmentfonds gibt es bei ETFs keinen Fondsmanager, da sie einen bestimmten Börsenindex nur passiv nachbilden, weshalb in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Rede vom “passivem Investieren” ist.

Diese Indexnachbildung kann über zwei Wege erfolgen:

Einmal die physische Replikation (alle Aktien eines Indexes werden gekauft) oder synthetische Replikation (der Indexwert wird mit einer Bank durch einen Swap ausgetauscht).

Spieltheorie und ETFs

Cucchiaro, die treibende Kraft hinter 3EDGE Asset Management, hat die aktuellen, geldpolitischen Impulse auf den Märkten genau beobachtet und festgestellt, dass es zur jetzigen Situation keinen historischen Vergleich gibt.

Man kann sich also nicht auf vergangene Erfahrungen berufen, weshalb er sich dazu entschied, die Multiplayer Game Theory anzuwenden, um besser verstehen zu können, wie Spieler wie Investoren und Zentralbanken auf finanzpolitische Impulse mit dem Markt reagieren.

Die Anwendung der Multiplayer Game Theory ist mit einer militärischen Kampfsimulation zu vergleichen.

Wenn Generäle mit einer Situation konfrontiert werden, die es so vorher noch nicht gab, dann wird alles genau unter die Lupe genommen, vom Schlachtfeld über die Teilnehmer bis hin zu den Ressourcen.

Anschließend beginnt dann das Kriegsspiel.

Dabei wird genau beobachtet, welche Handlung welche Reaktion hervorruft.

Es werden mehrere Runden gespielt und in jeder Runde werden immer wieder verschiedene Annahmen geprüft.

Auf diese Weise erhält man ein deutlich besseres Gefühl dafür, wie solch komplexe Szenarien sich entwickeln können.

Das lässt sich auch auf die Finanzwelt übertragen:

Die Resultate werden anschließend dafür genutzt, um intelligente Algorithmen für das Zusammenstellen von ETF-Portfolios zu entwickeln.

Ordnung im Chaos macht die Spieltheorie in der Geschäftswelt erfolgreich

Die Spieltheorie wird häufig in der Geschäftswelt verwendet, da sie dabei helfen kann, Gewinne zu maximieren und Ordnung im Chaos zu schaffen

Dafür muss man nur die Mechanismen kennen, auf denen eine Wettbewerbssituation basiert.

Anschließend kann man sich taktische Winkelzüge überlegen, die einen Einfluss auf das Verhalten der Konkurrenz haben.

Im wirtschaftlichen Bereich ist das Gefangenendilemma ein bekanntes Modell.

Es lässt sich zum Beispiel auf Preiskriege anwenden.

Bei dem Modell gibt es zwei Gefangene.

Beide bekommen ohne das Wissen des anderen das gleiche Angebot:

Wer gesteht und den anderen Gefangenen belastet, wird freigesprochen.

Der andere muss jedoch 20 Jahre im Gefängnis sitzen. Gestehen beide, dann bekommt jeder eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren. Gesteht keiner, bekommen beide fünf Jahre. Die Gefangenen können sich nicht absprechen, sodass viele zum Geständnis tendieren.

Dieses Modell lässt sich auch auf den Preiskampf zwischen Unternehmen übertragen.

Hierbei sind die Firmen die Gefangenen und die Kunden die Polizei.

Die Unternehmen kennen die Absicht des anderen nicht, sodass beide die Preise senken, bis einer von ihnen dies ökonomisch nicht mehr verkraften kann.

Ein klassisches Beispiel war der drohende Preiskrieg zwischen der New York Post und der Daily News im Jahre 1994.

Die Post erhöhte ihre Preise von 40 auf 50 Cent, woraufhin die Auflage einbrach, während die News den Preis von 40 Cent beibehielt.

Die Post kündigte daraufhin an, den Preis pro Auflage auf 25 Cent zu senken. Genau dies tat sie auch, aber nur in Staten Island und nicht in ganz New York. Die News änderte ihren Preis weiterhin nicht, da man davon überzeugt war, das bessere Produkt zu haben.

Doch die verkauften Auflagen der Post verdoppelten sich im Testbezirk, woraufhin die News nachgab und ihre Preise ebenfalls auf 50 Cent erhöhte.

In diesem Beispiel hätten also beide Gefangenen fünf Jahre Haft bekommen und auch beide den größten Nutzen aus der Situation gezogen.

Es ist also durchaus möglich, selbst in komplexen Umgebungen, wie dem Handel mit ETFs, Risiken einzuschätzen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Bei der Spieltheorie werden Interaktionen als Spiel simuliert, sodass diese sozialen Konfliktsituationen facettenreich abgebildet und mathematisch gelöst werden können, um sie anschließend auf die Realität zu übertragen.

So kann Ordnung im Chaos geschaffen werden.

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