Serie über Börsenindizes: Dividendenindizes

Lesedauer 4 Minuten

Dividenden machen langfristig rund ein Drittel der Aktienrendite aus. Deshalb sind ETFs auf Dividendenindizes sehr interessant frei nach dem Motto: „ETFs auf Standardindizes sind gut, intelligente Indizes und Strategien sind besser.“

So überschreibt das Fachmagazin „Institutional Money“ einen Artikel, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.

Grundsätzlich bilden Strategie-ETFs Indizes ab, deren Gewichtung nicht üblicherweise durch die Marktkapitalisierung und den Streubesitz der Aktien bestimmt wird, sondern durch alternative Kriterien.

Das können zum Beispiel die

  • Dividendenrendite,
  • fundamentale Unternehmenskennzahlen,
  • eine Gleichgewichtung oder
  • die Volatilität

sein.

Einer der beliebtesten Ansätze sind in diesem Zusammenhang Dividendenstrategien.

Sie beruhen auf der Erkenntnis, dass dividendenstarke Aktien nicht nur eine höhere Ausschüttung bieten, sondern häufig auch andere Aktien bei der Kursentwicklung übertreffen.

Populär hat die Dividendenstrategie der Fondsmanager Michael O´Higgins gemacht, der die zehn dividendenstärksten Aktien des Dow Jones auswählte und ein Jahr lang hielt. Dann wurden die Titel überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht.

In vielen Jahren konnte so der Dow-Jones-Index geschlagen werden.

Dividenden als Ausgangspunkt

Spezial-ETFs setzen auf Dividendenindizes

Dividenden sind die Ausschüttungen, die ein Aktieninvestment oftmals mit sich bringt. Üblicherweise schütten Aktiengesellschaften einen Teil ihrer Gewinne aus.

Allerdings gibt es auch Aktiengesellschaften, die Dividenden aus ihrer Substanz bestreiten, nur um die Aktionäre bei Laune zu halten.

Ob eine Divendende hoch oder niedrig ist, gibt die Dividendenrendite an.

Die Dividendenrendite ist die Dividende geteilt durch den Aktienkus mal 100 Prozent:

Dividendenrendite = (Dividende/Aktienkurs) * 100 Prozent

Diese Kennzahl ist äußerst hilfreich, denn sie drückt gewissermaßen den Zinssatz aus, den eine bestimmte Aktie abwirft.

Eigentlich ist die Dividendenrendite eine geignete Kennzahl zur Aktienbewertung. Doch leider hat sie einen Haken:

Die Dividendenrendite steigt, wenn der Kurs der Aktie sinkt.

Das kann bei einer Auswahl nur aufgrund dieser Kennzahl zu Fehleinschätzungen führen.

Zusätzlich ist zu berücksichtigen, welche Dividende und welcher Kurs bei der Berechnung der Dividendenrendite zugrunde gelegt wird. Dabei hat man die Wahl zwischen

  • bereits gezahlten Dividenden,
  • fest angekündigten Dividenden oder
  • den Erwartungen diverser Analysten im Hinblick auf die nächste Ausschüttung.

Und beim Kurs hat man die Wahl zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem Aktienkurs, den man einst für diese Aktie in seinem Depot bezahlt hat.

Diese Unterscheidungen spielen eine Rolle bei den verschiedenen Dividendenindizes, die ich Ihnen hier vorstellen werde.

Überblick über wichtige Dividendenindizes

Im Folgenden werden sowohl Dividendenindizes, die sich auf den Deutschen Akteinindex (Dax) als auch auf internationale Aktienindizes beziehen, vorgestellt.

DivDax – Die Dividendenstars aus dem Dax

Man nehme den deutschen Standardwerteindex Dax und suche sich aus den 30 Mitgliedern die 15 Aktien heraus, die die höchste Dividendenrendite abwerfen.

Für die Berechnung dieser wird hier die aktuelle Ausschüttung des jeweiligen Jahres herangezogen und durch den Schlusskurs am Tag vor der Ausschüttung geteilt.

Der DivDax wird einmal jährlich überprüft und bei Bedarf geändert.

Allerdings weist der DivDax folgende 5 Schwachpunkte auf:

  1. Keine breite Aktienauswahl, da der Index nur 15 Mitglieder hat.
  2. Die Ausschüttungsquote, was besonders gilt, wenn das Unternehmen mehr ausschüttet als seinen Gewinn und dann von seiner Substanz zehrt.
  3. Die Dividendenrendite ist immer besonders hoch, wenn der Kurs niedrig ist.
  4. Die reine Vergangenheitsbetrachtung, bei der vor allem die Kurse und Dividenden der Vergangenheit herangezogen werden.
  5. Die Gefahr von Häufungen bei riskanten Branchen (Beispiel: Banken).

Ein Garant, Dank hoher Dividendenrenditen den Dax zu schlagen, ist der DivDax also eher nicht.

Das der DivDax Mängel hat, haben die Experten des ETF-Anbieters ETFlab zum Anlass genommen und den Index Dax plus Maximum Dividend kreiert.

Dax plus Maximum Dividend

Im Dax plus Maximum Dividend sind 20 verschiedene Aktien vertreten. Diese stammen allesamt aus dem HDax, in dem die 110 größten deutschen Aktiengesellschaften zusammengefasst sind, vor allem Titel aus dem Dax, MDax und TecDax.

Aufnahmekriterium Nr. 1 ist, dass die Unternehmen im folgenden halben Jahr überhaupt eine Dividende zahlen.

Das zweite Kriterien ist die Dividendenrendite. Bei ihrer Berechnung werden die Dividenden zugrundegelgt, die voraussichtlich innerhalb des nächsten halben Jahres ausgeschüttet werden.

Dabei werden sowohl die konkreten Ankündigungen der Aktiengesellschaften herangezogen als auch Dividendenschätzungen der Analysten.

Damit sind die Dividendenrenditen des Dax plus Maximum Dividend eindeutig zukunftsbezogen.

Zudem wird der Index zweimal im Jahr im Hinblick auf seine Zusammensetzung überprüft und angepasst.

Streuung und Auswahl sind beim Dax plus Maximum Dividend besser als im DivDax. Doch auch hier besteht die Gefahr, dass ausgerechnet die Aktien die höchste Gewichtung erhalten, die in Bezug auf die Kursentwicklung lahmen.

Euro Stoxx Select Dividend 30 – die Dividendenstars der Eurozone

Hier handelt es sich um die 30 größten Dividendenstars aus der Eurozone.

Die Basis für die Auswahl bildet dabei der Dow Jones Euro Stoxx 600.

Für die Aufnahme in den Euro Stoxx Select Dividend 30 spielen folgende Kriterien eine Rolle:

  • Dividende
  • Ausschüttungsquote, wobei nur Unternehmen herangezogen werden, deren Ausschüttungsquote unterhalb von 60 Prozent des Gewinns liegt. So bleibt noch genug Geld für Investitionen.
  • Sortierung nach Herkunft ausLändern
  • Outperformance-Faktor, bei dem die Dividendenrendite der jeweiligen Aktie durch die durchschnittliche Dividendenrendite des betreffenden Landes geteilt wird.

Die Titel mit der höchsten Outperformance werden dann in den Index aufgenommen.

Der Euro Stoxx Select Dividend 30 hat dem DivDax einiges voraus. Es kann nur von Vorteil sein, auf breiter europäischer Ebene in Aktien zu investieren statt nur deutschlandweit.

Zudem sind 30 verschiedene Werte im Index eindeutig besser als nur 15 oder 20 unterschiedliche Unternehmen.

Doch es gibt auch noch globale Dividendenindizes.

MSCI High Dividend Yield Indizes

Als Basis dienen hier zum Beispiel der MSCI World Index oder der MSCI Europe.

Den verschiedenen Dividendenindizes liegt ein dreistufiges Auswahlverfahren zugrunde:

  1. Prüfung der Nachhaltigkeit einer Dividendenzahlung
  2. Wachsende Dividenden in den letzten 5 Jahren
  3. Die Dividendenrendite potenzieller Kandidaten muss mindestens 1,3 Mal so hoch sein, wie die durchschnittliche Dividendenrendite des zugrundeliegenden MSCI Mutterindex (z. B. MSCI World Index).

Die Indexzusammensetzung wird jedes halbe Jahr überprüft und gegebenenfalls angespasst. Insgesamt erscheint die Auswahl für die MSCI High Dividend Yield Indizes recht plausibel.

Doch auch bei diesen Dividendenindizes ist nicht ausgeschlossen, dass Aktien mit einer schwachen Kursentwicklung und risikofreudige Senkrechtstarter in den jeweiligen Indizes aufgenommen werden.

Fazit

Mit ETFs auf eine Dividendenstrategie zu setzen ist eine interessante Anlagestrategie.

Dabei empfiehlt es sich eher, auf europäische oder weltweite Dividendenindizes zu setzen als auf deutsche, um einen größeren Diversifikationseffekt (Risikostreuung) zu erzielen.

Im vorherigen Teil dieser Serie ging es um Immobilienindizes und im nächsten Teil werden gehebelte („Leveraged“) Indizes vorgestellt, die nichts für schwache Nerven sind.

 

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