Warum du nur Finanzprodukte kaufen solltest, die du auch verstehst

Lesedauer 4 Minuten

Finanzprodukte kaufen: Immer wieder preisen Banker und Finanzberater Produkte an, die nur schwer zu durchschauen sind. Zum Beispiel komplizierte Zertifikate oder Smart-Beta-ETFs. Doch solltest du dich auf solche Finanzprodukte überhaupt einlassen?

Es gibt eine Vielzahl an Finanzprodukten

Vielzahl an Finanzprodukten

Finanzprodukte kaufen kann man viele.

Zumindest gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl von ihnen.

Neben den originären Produkten

  • Aktien (435.548)
  • Anleihen (1.934.057) und
  • Immobilien

gibt es auch zahlreiche daraus abgeleitete Finanzprodukte, sogenannte Derivate.

Investmentbanken haben inzwischen knapp 12 Millionen Finanzprodukte geschaffen, die alle mehr Rendite versprechen als den risikolosen Zins.

So gibt es alleine 2.990.581 verschiedene Zertifikate und 307.351 unterschiedliche Fonds.

Und es gibt 243.262 verschiedene Indizes.

Übrigens stammen diese Zahlen aus dem interessanten Büchlein „Überrendite – Einfach mehr verdienen“ von Alexis Eisenhofer.

Finanzprodukte kaufen: Derivate sind oft kompliziert und nur schwer verständlich

Derivate sind oft kompliziert und selbst für Fachleute nicht immer einfach zu verstehen.

Es sind Finanzinstrumente, mit denen man gezielt auf Kurse, Preise oder Indizes wetten kann.

Derivate sind dadurch gekennzeichnet, dass sie mit wenig Kapitaleinsatz hohe Gewinne ermöglichen, aber auch große Verluste verursachen können.

Die beiden Hauptkategorien sind Termingeschäfte und Swaps.

Termingeschäfte

Finanzprodukte kaufen, die man nicht versteht, ist gefährlich

Termingeschäfte oder Optionen beinhalten dabei das Recht, per Kauf- oder Verkaufswahlrecht zu entscheiden, ob ein vorher definiertes Geschäft zu einem bestimmten Zeitpunkt realisiert wird oder nicht.

Zum Beispiel die Lieferung eines Waggons mit Schweinehälften einer bestimmten Qualität zu einem vorher festgelegten Termin an eine bestimmte Adresse.

Von solchen Optionen werden weltweit 3.746.801 verschiedene gehandelt.

Dabei besteht keine Pflicht zum Kauf oder Verkauf, sondern nur eine Option, die auch verfallen kann.

Solche Termingeschäfte werden beispielsweise auf Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen gehandelt.

Swaps

Swaps wiederum ähneln in ihrer Funktion Termingeschäften und dienen in der Regel als Risikoabsicherung.

Sie können aber auch von Profis als reines Spekulationsinstrument zur Renditeoptimierung eingesetzt werden.

Dabei sind Swaps Tauschgeschäfte und es geht um die Frage, wer den besseren Tausch macht.

Während woanders vielleicht Äpfel und Birnen getauscht werden, jonglieren die Akteure auf den Finanzmärkten mit

  • langfristigen und kurzfristigen Zinsen,
  • Kursschwankungen zwischen Euro und Dollar oder den
  • Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Krediten.

Während Termingeschäfte meist genormt sind, sind Swaps zwischen den Vertragspartnern frei verhandelbar.

Beiden gemeinsam ist: Es sind Wetten auf die zukünftige Marktentwicklung.

Doch an dieser Stelle möchte ich dir ausdrücklich empfehlen, von solchen Finanzgeschäften besser die Finger zu lassen und nur solche Produkte zu kaufen, die du auch wirklich voll und ganz verstehst.

Schon mancher Privatanleger ist bei Differenzkontrakten (CFDs), bei denen er auf steigende oder fallende Kurse an internationalen Finanzmärkten setze, böse von der Nachschusspflicht bestimmter Kontrakte überrascht worden, was dazu führte, dass er Privatinsolvenz anmelden musste.

Auch unter sogenannten „Strukturierten Produkten“, auch Zertifikate genannt, verbergen sich mitunter nur schwer verständliche Investmentvehikel, mit denen man sein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren kann.

Zudem sind Zertifikate Schuldverschreibungen der emittierenden Banken, die bei einer Insolvenz – siehe das Beispiel der Investmentbank Lehman Brothers – ihren Wert verlieren.

Auch Smart-Beta-ETFs oft kompliziert

Seitdem ETFs immer beliebter werden, wird auch eine neue Generation von ETFs angeboten, die nicht nur einfach einen Index abbilden, sondern verschiedene Indizes und Anlage-Regeln miteinander kombinieren und das Ziel haben, den Markt zu schlagen.

Diese sogenannten Smart-Beta-ETFs, die „schlauer (smarter)“ als andere ETFs sein wollen, sind auf jeden Fall teurer und es bleibt abzuwarten, ob sie ihr Ziel einer Überrendite auch wirklich erreichen.

Noch kann darüber wenig ausgesagt werden, da diese speziellen ETFs noch nicht lange genug am Markt sind.

Deshalb lautet meine Empfehlung hier, zunächst vorsichtig zu sein und als potentieller ETF-Investor lieber in ganz konventionelle ETFs auf einfach zu verstehende Indizes zu setzen.

Finanzprodukte wie Smart Beta ETFs kaufen

Besser Finanzprodukte kaufen, die man versteht

Wegen der Gefahren vieler Finanzprodukte lautet deshalb eine wichtige Grundregel der Geldanlage:

Du solltest nur Finanzprodukte kaufen, die du auch wirklich verstehst.

Und lass dir nichts aufschwatzen, auch wenn dein Banker oder Finanzberater diese Produkte „hochinteressant“ findet.

Dazu gehören auch Hedgefonds, die meist hohe Gebühren haben und den Markt nur selten schlagen.

Auch sie können neben anderen Finanzprodukten verschiedene Derivate enthalten und gehen oft hohe Risiken ein.

Fazit: Nur Finanzprodukte kaufen, die du wirklich verstehst

Besser solide Finanprodukte kaufen

Wenn du mit deinen Geldanlagen auf der sicheren Seite sein willst, dann solltest du nur solche Finanzprodukte kaufen, die du wirklich von A bis Z verstehst.

Am besten stellst du dir ein ETF-Portfolio aus ganz normalen ETFs auf gängige Indizes zusammen.

Und zwar aus den Anlageklassen

  • Aktien,
  • Anleihen
  • Immobilien,
  • Rohstoffe und den
  • Geldmarkt.

Zwar hast du auch hier ein Kursrisiko, doch kannst du dieses in Ruhe eingehen, wenn du noch mindestens 10 Jahre Zeit hast, bist du über das Geld verfügen möchtest.

Und in der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es kaum eine Alternative zu Aktien, da die steigende Inflation sonst deine Ersparnisse auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto auffrisst.

Und die aktuell nach unten korrigierten Börsenkurse bieten interessante Einstiegsmöglichkeiten.

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2 Gedanken zu „Warum du nur Finanzprodukte kaufen solltest, die du auch verstehst“

  1. Mir gefällt der Artikel sehr gut! Ich betrachte die neuen Smart Beta ETF ebenfalls recht kritisch. Die Position, erstmal zurückhaltend zu sein, kann ich gut nachvollziehen. Ob sich der höhere Kostenfaktor der Smart Betas letztendlich auszahlt bleibt abzuwarten.
    Ich habe mal einen Performance-Vergleich zweier Portfolios gestartet, wobei eines auf Smart Betas, das andere auf klassischen ETF basiert. Die konkreten Perfomance Werte schreibe ich auf meinem Blog regelmäßig fort. Vielleicht hat ja jemand Interesse sich den Vergleich mal anzusehen!

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