Wie Zinsänderungen auf den Kurs von Anleihen wirken

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Kurs von Anleihen: Anleihen unterliegen einem Kursmechanismus. Was passiert mit den Kursen, wenn die Zinsen am Markt steigen oder fallen?

Eine Anleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier mit einem festen Zinssatz (es gibt auch Anleihen mit einem variablem Zinssatz, aber das soll hier keine Rolle spielen) und einer bestimmten Laufzeit. Beispielsweise möge das Unternehmen XY eine Anleihe mit einem Zinssatz von 5 Prozent und einer Laufzeit von 10 Jahren begeben.

Emittenten einer Anleihe müssen sich am Marktzins orientieren

Wirkung von Zinsänderungen auf den Kurs von Anleihen

Bei dem Zinssatz, mit dem eine Anleihe ausgestattet wird, muss sich der Emittent immer am Markt orientieren, sonst findet er keine Käufer für seine Anleihe.

Dabei spielt auch die Bonität des Emittenten eine wichtige Rolle: Hat dieser eine gute Bonität, muss er nicht mehr als den am Markt geltenden Zinssatz bezahlen, hat er eine schlechte Bonität, muss er mehr als den marktüblichen Zins bezahlen, um für Anleger attraktiv zu sein.

Hier kommen so genannte Ratingagenturen ins Spiel, die die Bonität von Schuldnern bewerten, wie zum Beispiel Moody`s, Standard & Poor´s oder Fitch Ratings.

Der Zusammenhang von Kurs und Marktzins einer Anleihe

Die Beziehung zwischen dem Kurs (Marktpreis) und dem Zinssatz einer Anleihe ist gegenläufig: Wenn der Zinssatz am Markt über den Zinssatz der Anleihe steigt, dann sinkt der Kurs der Anleihe und wenn der Marktzins sinkt und unter den Zinssatz der Anleihe fällt, dann steigt die Anleihe im Kurs.

Dieser Zusammenhang soll an einem Beispiel verdeutlicht werden: Ein Emittent begibt eine Anleihe über 100 Euro mit einer Laufzeit von zwei Jahren und einem Zinssatz von 5 Prozent. Das heißt, der Käufer erhält am Ende eines Jahres 5 Euro Zinsen und am Ende der Laufzeit (hier 2 Jahre) bekommt er seine 100 Euro zurück.

Das vom Markt vorgegebene Zinsniveau für eine (Rest)-Laufzeit von zwei Jahren beträgt zum Emissionszeitpunkt 5 Prozent pro Jahr und entspricht dem so genannten Zinscoupon der Anleihe. Dieser ist der nominale Zinssatz, den der Emittent der Anleihe zugesagt hat. Der Zinscoupon ist aber nicht mit der Rendite einer Anleihe identisch. Während der Zinscoupon festgelegt ist, schwankt die Rendite einer Anleihe täglich mit ihren Kursen.

Wie Zinsänderungen auf den Kurs von Anleihen wirken

Sechs Monate später – die Restlaufzeit beträgt jetzt noch 1,5 Jahre – liegt das Zinsniveau für Laufzeiten mit 18 Monaten bei 7 Prozent und der betreffende Anleger möchte seine Anleihe nun verkaufen. Dabei wird jeder potenzielle Käufer erwarten, dass die Anleihe ihm 7 Prozent bringt, da das jetzt das aktuelle Zinsniveau am Markt ist.

Da aber der Zinscoupon der Anleihe mit 5 Prozent unveränderlich ist, muss der Kurs der Anleihe – also ihr Verkaufspreis – so weit sinken, bis der Käufer trotz des Zinscoupons von 5 Prozent eine Rendite von 7 Prozent pro Jahr für die verbleibenden 1,5 Jahre erwirtschaftet, in denen er zweimal die jährliche Zinszahlung in Höhe von 5 Euro erhält. In diesem Fall würde sich rechnerisch ein neuer Marktkurs von 93,15 Euro ergeben.

Fazit: Zinsänderungen wirken auf den Kurs von Anleihen

Der Kurs der Anleihe fällt also, da in Frage kommende Käufer berücksichtigen, dass sie auf eine alternative Anlageform eine risikolose Verzinsung in Höhe des Marktzinses von 7 Prozent erhalten.

Somit wäre es unwirtschaftlich, dem Anleger die Anleihe zu 100 Euro abzukaufen und nur eine fünfprozentige Verzinsung in Anspruch zu nehmen. Die einzige Möglichkeit, das Wertpapier doch zu verkaufen, ist, einen niedrigeren Verkaufspreis zu akzeptieren.

Der Marktkurs ist also diejenige Stellschraube, die sicherstellt, dass eine Anleihe stets die marktgängige Rendite für ihre Restlaufzeit liefert. Wenn der Marktzins sinkt, verläuft dieser Mechanismus gegenteilig. Der Kurs der Anleihe steigt dann.

Anleihen können Sie auch als ETFs kaufen. Dann haben Sie von vornherein eine gesunde Risikostreuung.

 

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