Was passiert, wenn alle nur noch Indexfonds kauften

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Indexfonds boomen und der Run auf ETFs ist ungebrochen. Doch das ist auch nicht ganz ohne Gefahren. Was passieren könnte, wenn alle nur noch Indexfonds kauften.

ETFs boomen

Indexfonds

Dass Indexfonds – also Fonds, die einen Börsenindex nachbilden – eine hervorragende Alternative zur aufwendigen Auswahl von Einzelwerten und zu aktiven Fonds darstellen, hat sich mittlerweile weltweit unter Anlegern herumgesprochen.

Und zwar nicht nur unter Privatanlegern, sondern auch unter institutionellen Investoren.

Weltweit sind inzwischen mehr als 4 Billionen USD in ETFs investiert und es ist eine Frage der Zeit, bis das in Indexfonds investierte Kapital das in aktive Fonds investierte Kapital übersteigen wird.

Prognosen zufolge wird das etwa im Jahr 2024 geschehen (Quelle: Erik Podzuweit von Scalable Capital).

Zu groß sind die Vorteile des passiven Investierens in Indexfonds im Vergleich zur Anlage in aktive Fonds.

Die Nachteile aktiver Investmentfonds

Ein aktiver Fonds hat einen (teuren) Fondsmanager, dessen Ziel es ist, den Markt zu schlagen.

Doch gelingt dies dem Gros der Fondsmanager nicht dauerhaft, aber es fallen regelmäßig hohe Verwaltungsgebühren p. a. an:

Zwischen 1,5 und 2 Prozent p. a. bei aktiven Fonds, während ETFs höchstens bei durchschnittlich 0,37 Prozent p. a. liegen.

Dieser enorme Kostenunterschied macht sich natürlich bemerkbar:

Er beeinflusst über den Zinseszinseffekt die Nettorendite stark.

Deshalb schneidet die große Mehrzahl von ETFsExchange Traded Funds – nach Kosten deutlich besser ab als der Durchschnitt der aktiv gemanagten Fonds.

Das erkennen immer mehr Anleger und das erklärt weitestgehend den Run auf Indexfonds.

Doch das hat auch seine Schattenseiten.

Was könnte passieren, wenn alle nur noch Indexfonds kauften?

Wenn alle nur noch Indexfonds kauften

John Bogle, der Indexfonds 1976 als erster entwickelt hat und Gründer des US-Finanzdienstleisters Vanguard Group ist, deren verwaltetes Vermögen zuletzt bei rund 4,2 Billionen USD lag, warnt:

Wenn jeder indexieren würde, käme es zu Chaos und Katastrophen, der Markt würde versagen„, so Bogle.

Marktineffizienzen

Also hat es auch sein Gutes, dass es Börsianer gibt, die in Einzelwerte und aktive Fonds investieren.

Worin die Gefahr konkret besteht

Der Grund für mögliche Probleme liegt darin, dass aufgrund der vermehrten Nachfrage nach ETFs viel mehr Aktien von Apple, Google, Facebook und Co. nachgefragt werden, als es sonst üblich ist und dies zu Marktverzerrungen führen kann.

Vor allem, wenn es einmal zu einem Rückschlag an der Börse käme und zahlreiche ETF-Besitzer in Panik verkaufen würden, würde sich der Ausverkauf stark beschleunigen.

Aber wie gesagt:

Noch sind wir von konkreten Schwierigkeiten duch die wachsende Nachfrage nach Indexfonds weit entfernt.

Aber die Gefahr wird deutlich, wenn wir feststellen, dass von den Vermögenswerten, die derzeit insgesamt in herkömmliche US-Aktienfonds und ETFs investiert sind, zuletzt 46,7 Prozent auf ETFs entfielen, während es im Vergleich drei Jahre zuvor lediglich 36,3 Prozent waren.

Das ist schon ein deutlicher Trend.

Fazit

Bei ihrem Start 1976 stießen Indexfonds auf wenig Begeisterung.

Von vornherein nur auf den Durchschnitt zu setzen, war verpönt.

Denn alle wollten den Markt schlagen.

Doch heute weiß man es besser:

Von vornherein auf den Durchschnitt zu setzen bei extrem niedrigen Kosten, führt dazu, über dem Durchschnitt aller Anleger auszulaufen.

Verlierer sind dabei meist die Käufer von aktiv gemanagten Fonds wegen deren hohen Kosten.

Das erkennen immer mehr Anleger und ETFs sind demzufolge der Anlagetrend unserer Zeit.

Doch ist es auch wichtig, dass es stets genügend Anleger gibt, die in Einzelwerte investieren und den Markt machen, damit es nicht aufgrund der großen Nachfrage nach ETFs zu Marktineffizienzen kommt.

Das könnte passieren, wenn alle nur noch Indexfonds kauften.

Doch davon sind wir laut Vanguad Group-Gründer John Bogle – dem Erfinder des Indexfonds – noch weit entfernt.

Das ist einstweilen beruhigend.

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