ETF-Portfolio: Was du noch nicht über Indexfonds weißt

Lesedauer 12 Minuten

Immer mehr Privatanleger haben ein ETF-Portfolio. Dabei verdrängen Indexfonds zunehmend klassische Investmentfonds. Ihre Vorteile sind einfach zu offensichtlich. Doch lauern hier auch neue Gefahren?

[lwptoc]

Klassische Fonds unter Druck

ETF-Portfolio: Der weltweite ETP-Markt wächst rasant

In den USA verdrängen Exchange Traded Products (ETPs) klassische Investmentfonds immer mehr.

In Europa ist dieser Trend noch nicht so stark.

Trotzdem sind in Europa mittlerweile über 700 Milliarden Euro in börsengehandelten Indexfonds angelegt.

Immer mehr Privatanleger haben also ein ETF-Portfolio.

Doch was macht ETFs eigentlich so erfolgreich, wird sich mancher fragen?

Da sind zum einen die deutlich niedrigeren Kosten, durch die Investoren angelockt werden.

Denn es gibt kein Managementteam, das aktiv Anlageentscheidungen trifft.

Vielmehr bilden ETFs jeweils passiv einen Börsenindex ihrer Wahl nach.

Deshalb ist die Verwaltung eines Indexfonds deutlich billiger als die eines aktiv gemanagten Fonds.

Auch sind ETFs, die jederzeit an der Börse ge- und verkauft werden können, deutlich liquider als klassische Fonds, für die die Kapitalanlagegesellschaft in der Regel nur einmal am Tag einen Kurs feststellt.

Doch was das Pendel am meisten zugunsten der Indexfonds ausschlagen lässt, ist die Enttäuschung der Anleger über das, was aktive Fonds in der Regel einbringen:

Über einen Zeitraum von 10 Jahren schnitten 85 Prozent der klassischen amerikanischen Fonds schlechter ab als ihr Vergleichsindex (Benchmark).

Dagegen liefern Indexfonds zuverlässig die Marktrendite abzüglich ihrer geringen Verwaltungskosten von im Schnitt 0,37 Prozent p. a.

Doch das hat sich längst noch nicht bei allen Anlegern herumgesprochen:

Denn in Europa floss seit Anfang 2015 etwa sechsmal so viel neues Geld in aktive Fonds wie in ETFs.

Dagegen wurden in den Vereinigten Staaten mehr als 800 Milliarden Dollar aus klassischen Fonds abgezogen, die dann fast vollständig in ETFs angelegt wurden.

Ein ETF-Portfolio  sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger.

ETFs als eigene Anlageklasse

Ein ETF ist nicht nur ein börsengehandelter Investmentfonds, dessen Manager keine eigenen Investitionsentscheidungen trifft.

Selbst ein Indexfonds, der seinen Index physisch repliziert – also die im Index enthaltenen Wertpapiere auch tatsächlich kauft – erwirbt Wertpapiere nicht wie ein konventioneller Investmentfonds.

Denn wenn Anleger Anteile an einem ETF kaufen, gehen die Orders nicht an die Fondsgesellschaft.

Vielmehr geht sie an einen sogenannten Market Maker, der Angebot und Nachfrage abgleicht.

Dieser kann entsprechend der ETF-Konstruktion einen Korb von Vermögenswerten zusammenstellen und diesem nach Börsenschluss der Fondsgesellschaft anbieten, die dafür neue ETF-Anteile ausgibt.

Und weil zwischen Fondsgesellschaft und Market Maker kein Geld fließt, sondern Vermögenswerte getauscht werden, gibt es hier auch kein Steuerereignis.

ETFs waren nämlich ursprünglich für US-amerikanische Anleger als Steuersparmodell im Vergleich zu herkömmlichen Fonds konzipiert worden:

Wenn ein Fondsmanager eines US-amerikanischen Investmentfonds Wertpapiere verkauft hat, realisierte er Gewinne, die für den Anleger steuerpflichtig waren.

Und das selbst dann, wenn der Anleger mit dem Fonds per Saldo Verluste macht.

Also nochmal, weil es an dieser Stelle wichtig ist:

Weil bei Kauf bzw. Verkauf von ETFs zwischen Fondsgesellschaft und Market Maker Vermögenswerte getauscht werden und kein Geld fließt, kommt es hier nicht zu einem steuerlich relevanten Ereignis.

Und bei einem überwiegenden Angebot an ETF-Anteilen gibt der Market Maker im umgekehrten Fall ETF-Anteile an die Fondsgesellschaft zurück, wofür er einen Korb mit entsprechenden Vermögenswerten zurückerhält.

Dieser Prozess wird übrigens Creation-Redemption-Prozess genannt, bei dem ETF-Anteile geschaffen bzw. vernichtet werden.

Deshalb sind ETFs nicht gleich Investmentfonds, sondern können als eine eigene Anlageklasse bezeichnet werden, die ursprünglich als Steuersparmodell konzipiert wurde.

Auch deshalb kann die Anlageklasse Fonds durch ein ETF-Portfolio ergänzt werden.

Im Detail betrachtet sind ETFs gar nicht so einfach

ETF-Portfolio: ETFs sind gar nicht so einfach

Indexfonds sind nicht nur wegen des fehlenden Fondsmanagements und niedrigerer Vertriebskosten billiger als konventionelle Investmentfonds.

Sondern auch, weil die Risiken und Kosten für den Erwerb und den Verkauf der Vermögenswerte an den Market Maker übertragen werden.

Dieser wiederum muss seine Geschäfte absichern, so dass der Handel mit ETFs unmittelbar mit anderen Märkten verbunden ist, vor allem mit dem Terminhandel.

Solange nun der Börsenhandel in geordneten Bahnen verläuft, ist die Zwischenschaltung eines Market Makers kein Problem und sowohl kosten- als auch steuereffizient.

Problematisch wird es erst bei außergewöhnlichen Marktlagen, weil diese Konstruktion dann dazu führt, diese Marktlage zu verstärken:

Vor allem bei sogenannten Flash Crashs, wie zum Beispiel im August 2015:

Von einem „Flash Crash“ spricht man, wenn automatisierte Verkaufssignale in Form von Stopp-Loss-Orders in großem Ausmaß ausgelöst werden, zum Beispiel von Investment- oder Pensionsfonds.

Damals fiel der amerikanische Aktienindex S&P 500 nach der Handelseröffnung unvermittelt um 6 Prozent, wobei sich diese Kursverluste nur eine Viertelstunde später wieder in Luft aufgelöst hatten.

Doch im selben Zeitraum waren die Kurse zahlreicher ETFs, die den S&P 500 nachbilden, um zum Teil mehr als 30 Prozent gefallen.

Und dies hatte vor allem damit zu tun, dass die Market Maker nicht zu hohe Risiken eingehen wollten:

Sie haben den Wert der in den ETFs enthaltenen Aktien aufgrund der Marktbewegungen nicht korrekt berechnen können und hatten daraufhin vorsichtshalber den Wert der Kaufaufträge unter- und den der Verkaufsaufträge überschätzt, um nicht zu hohe Risiken einzugehen.

Und dieses Verhalten verstärkte den Abwärtstrend.

Erst eine fünfminütige Handelsunterbrechung führte dazu, dass sich die Märkte wieder fingen.

Diese Handelsunterbrechungen greifen automatisch dann, wenn der Preis für Vermögenswerte in kurzer Zeit um mehr als fünf Prozent fällt.

An jenem Tag im August war das bei ETFs über 600 Mal der Fall.

Wenn die Kosten der Absicherung für Market Maker zunehmen

Market Maker und ETF-Portfolio

Wenn also am Beginn eines Handelstages ein starker Verkaufsdruck für bestimmte ETFs besteht, steigt das Risiko für den Market Maker:

Er muss zu einem Zeitpunkt ETF-Anteile ankaufen, zu dem er sie eigentlich nicht haben will.

Fehlt die Nachfrage, muss er eine Position aufbauen, die er zwar am Abend gegen einen Korb an Vermögenswerten eintauschen kann.

Wobei jedoch unklar ist, was sie am Abend wert sein werden.

Dadurch steigen seine Absicherungskosten.

Deshalb gibt er sein Risiko an die Anleger weiter, in dem er die Kurse niedriger ansetzt als die der zugrundeliegenden Vermögenswerte zu diesem Zeitpunkt.

Wenn dann auch noch die Kurse stark in Bewegung sind, ist es technisch kaum möglich, Kurse zu stellen, die Bestand haben.

Das erklärt, warum ETF-Kurse im Flash Crash stärker fallen als die zugrundeliegenden Indizes.

Deshalb funktioniert der Handel mit ETFs umso besser, je besser der zugrundeliegende Markt funktioniert.

ETFs sind oberflächlich betrachtet, einfach zu verstehen, doch wenn man ins Detail geht, kann es kompliziert werden.

Unterschied zwischen ETFs und klassischen Investmentfonds

ETF-Portfolio: Unterschiede zu aktiven Fonds

Während es die Aufgabe eines ETFs ist, das Marktgeschehen laufend möglichst exakt abzubilden, sind klassische Fonds vor allem ihren Anlagegrundsätzen verpflichtet.

Fondsmanager aktiver Fonds sind nicht automatisch zum Verkauf verpflichtet, wenn als Folge fallender Kurse der Vermögenswerte im Fonds sich die Verkaufsaufträge häufen.

Zum einen halten Fondsmanager meist Liquidität vor, die sie einsetzen können.

Zum anderen müssen sie nur einmal täglich einen Rücknahmepreis stellen.

Während also ETF-Verkäufe automatisch bestimmte Verkäufe von Vermögensgegenständen auslösen, haben aktive Fondsmanager eine Wahl:

Zum einen werden nicht alle Fondsmanager dieselben Werte im selben Umfang verkaufen und zum anderen kann ein Fondsmanager auch nicht betroffene Wertpapiere verkaufen und so  Gewinne mitnehmen.

Die Auswirkungen werden bei klassischen Fonds also gedämpfter sein als bei ETFs.

Insgesamt gibt es also grundsätzliche Unterschiede in der Funktionsweise von aktiven Investmentfonds und ETFs, die dazu führen, dass wir von zwei unterschiedlichen Anlageklassen sprechen können.

Deshalb können aktive Fonds gut durch ein ETF-Portfolio ergänzt werden.

Können ETFs die Stabilität der Finanzmärkte gefährden?

Können ETFs dier Stabilität der Finanzmärkte erschüttern?

Bei stabilem Marktumfeld entwickeln sich börsengehandelte Indexfonds gut.

Der Zustrom von Anlegegeldern reißt nicht ab, sondern steigt weiter an.

Doch der falsche Gebrauch als Derivate-Ersatz birgt Sprengkraft.

Und zum Problem werden kann die zunehmende Liquidität, denn der Handel mit ETFs sorgt durchaus für höhere Liquidität.

Die Frage dabei ist jedoch, ob man diese Liquidität in weniger liquiden Marktsegmenten haben will?

Dort kann es zu einer Verengung des Marktes und Verwerfungen kommen, indem Erträge künstlich aufgebläht werden.

Dass liegt daran, dass  Indexfonds ein Konstruktionsproblem haben:

Es handelt sich um eine Verpackung für Vermögenswerte, die liquider ist als die zugrundeliegenden Vermögenswerte selbst.

Bekannt ist diese Problematik etwa von forderungsbesicherten Wertpapieren, kurz ABS.

Dabei werden wenig liquide Kredite in liquide Wertpapiere gepackt.

Als es zu Beginn der Finanzkrise zu Kreditausfällen kam, fielen die Preise dieser Wertpapiere stark, und dies verschärfte die Krise.

Obendrein waren diese liquiden Wertpapiere abermals in liquide Wertpapiere gepackt worden.

Und auch heute gibt es ETFs, die ETFs verfolgen.

Aktuell ist die Frage, ob nicht ohnehin die Zeiten zu Ende gehen, in der breite Aktienkäufe eine gute Strategie waren.

Nach Meinung von Experten wird eine Korrektur kommen, wobei offen ist, wann.

Erst kürzlich haben die Indizes an der Wall Street auf breiter Front nachgegeben, weil u. a. eine deutlichere und schnellere Zinserhöhung erwartet wird.

Deswegen ist es besser, wenn man sich auf beiden Seiten aufstellt.

Wenn die Musik aufhört zu spielen, wird es wieder auf Preise ankommen und Volatilitätsstrategien weniger beliebt sein.

Tatsächlich flossen in den vergangenen Wochen wieder in großem Umfang Mittel aus Low-Volatility-ETFs ab.

Dabei ist die Frage, ob diese Abflüsse Ursache einer höheren Volatilität waren oder eine Reaktion auf diese?

Auch regelbasiertes Handeln kann zum Problem werden

ETF-Portfolio

Doch es sind nicht die Indexfonds allein, die den Fachleuten mitunter Kopfzerbrechen bereiten.

Diesen geht es vielmehr um regelbasiertes Handeln an der Börse im Allgemeinen, oder „diskretionäres“ und „nicht diskretionäres“ Investieren.

Oder einfacher ausgedrückt, um die Vielzahl von Investitionsentscheidungen, hinter denen nicht mehr ein Mensch steht:

80 bis 90 Prozent des Handels erfolgt mittlerweile regelbasiert per Computer.

Und davon entfällt ein guter Teil auf ETFs.

Regelbasiertes Investieren ist notwendigerweise unscharf und nicht oder nur unvollkommen situationsangepasst.

Neue Regeln hätten in der Vergangenheit stets gut funktioniert, denn was schon einmal geschehen ist, kann man zukünftig wieder berücksichtigen.

Doch das wahre Leben verläuft anders:

Denn nichts geschieht an den Finanzmärkten zweimal auf dieselbe Weise, doch davon geht regelbasiertes Investieren aus.

Offen und umstritten bleibt letztlich, wie gefährlich passive Investmentprodukte wirklich sind.

In Japan etwa stecken derzeit rund zwei Drittel der Vermögenswerte in passiven Produkten und damit etwa doppelt so viele wie in den USA.

Doch von einer größeren Krisenanfälligkeit war bislang nicht die Rede.

Deshalb sind die Stimmen, die vor einer durch Indexfonds ausgelösten Finanzkrise warnen, derzeit nur eine kleine Minderheit.

Als ETF-Investor ist man da nicht wirklich gefährdet.

Denn der Hochfrequenz- oder Algorithmenhandel sorgt für deutlich mehr Volatilität an den Märkten als Indexfonds.

Und dass sich mögliche Kurseinbrüche heute rascher vollziehen, hat vielmehr mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der sich Informationen mittlerweile verbreiten.

So liegt auf der Hand, dass gehebelte Indexfonds, die mittels einer Derivatestruktur Marktbewegungen nachverfolgen, erheblich höhere Verlustrisiken bergen.

Auch dass es bei synthetisch replizierenden ETFs, die Indizes mit Hilfe von Derivaten nachbilden, im Ernstfall eher zu Schwierigkeiten kommen kann, weil eine Partei ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann (Kontrahentenrisiko), wird nicht bestritten.

Synthetische Produkte bringen insgesamt eine andere Risikostruktur mit sich.

Hier kommt es letztlich auf die Besicherung an.

Doch die ist in der Regel gut.

Selbst Schwellenländerfonds werden mit deutschen und amerikanischen Staatsanleihen unterlegt.

John Bogle, Gründer der Fondsgesellschaft Vanguard und Advokat des Index-Investments, fasste die Situation einmal in einem Interview wie folgt zusammen:

„Wir haben ein Marktsystem vor uns, das wir noch nie hatten. Das macht jede Vorhersage, wie sich Bewertungen entwickeln, besonders kurzfristig sehr, sehr schwer. Ich denke, diese rasch gehandelten ETFs stellen ein gewisses Risiko für den Markt dar, auch wenn ich nicht definieren kann, was das für ein Risiko ist.“

Dabei stellt sich die Frage, ob dieses Risiko durch das Instrument des Indexfonds selbst entsteht oder aber durch das Verhalten der Investoren?

Nach einer im „Review of Finance“ erschienenen Studie haben deutsche Anleger durch die Verwendung von ETFs die Wertentwicklung ihrer Portfolios verschlechtert.

Grund sei, dass sie ihr ETF-Portfolio falsch nutzten, indem sie etwa versuchten, kurzfristige Marktschwankungen auszunutzen, was auch bei Profis selten von Erfolg gekrönt ist.

Denn Market-Timing funktioniert nur selten.

Die durchschnittliche Haltedauer eines S&P-500-ETFs beträgt nur rund sechs Wochen.

Der charmante Vorteil des ETF ist dabei auch gleichzeitig die Gefahr:

Eigentlich sollte er Fonds leicht handelbar machen.

Tatsächlich werden sie aber sehr häufig wie Derivate genutzt.

Das kann vor allem misslich für Anleger sein, die Indexfonds tatsächlich als Ersatz für klassische Investmentfonds nutzen.

Merke: ETF-Blog.com empfiehlt dir stets Buy and Hold – also Indexfonds kaufen und sehr lange halten.

Dann wird sich dein ETF-Portfolio langfristig positiv entwickeln.

Verdrängen Indexfonds klassische Investmentfonds?

Die ersten Indexfonds

Der Zustrom von Anlegergeldern in Exchange Traded Funds (ETFs) und andere passive Anlageformen ist ungebrochen:

Im August 2020 betrug das verwaltete Vermögen laut BlackRock bereits 7.000 Mrd. USD.

Immer mehr Anleger haben ein ETF-Portfolio.

Fachleute machen sich angesichts dieser Tatsache Sorgen um die Liquidität der Börsen und damit letztlich um deren Stabilität.

2016 lagen in den Indexfonds des ETF-Anbieters Vanguard schon 6,8 Prozent der Aktien des S&P-500-Index.

Sechs Jahre zuvor waren es noch 3,3 Prozent.

Daher ist von „Phantomliquidität“ die Rede, die da ist, wenn sie nicht gebraucht wird, und weg ist, wenn sie benötigt wird.

So ist die Volatilität von Aktien, an denen Indexfonds einen höheren Anteil halten, bereits deutlich gestiegen.

Insgesamt sind die Anlagemärkte geprägt von fallenden Erträgen aktiv gemanagter Fonds, Mittelabflüssen in großem Umfang und einem Boom der Indexfonds (ETFs) und anderer passiver Investments.

Doch Fachleute sehen weiterhin Platz für beide Arten des Investierens:

Denn längst haben aktive Fondsmanager den Nutzen von ETFs für sich entdeckt.

„70 Prozent der Nachfrage kommt aus dem institutionellen Bereich“, so James Butterfill, Chefstratege von ETF Securities.

Aktive Manager nutzen ein ETF-Portfolio, um ihre Ansicht über die Richtung des Marktes umzusetzen.

Es ist eine Art von Arbeitsteilung:

Indexfonds sind dazu da, die Erträge einzufangen, die der Markt an sich bietet, das sogenannte Beta.

Der Anteil des Ertrags, der aus individuellem Anlegen kommt, das sogenannte Alpha, den sollen aktiv gemanagte Fonds einbringen.

Derzeit findet eine Marktbereinigung statt

Aktive Manager haben in der Vergangenheit ihre Aufgabe oft nicht hinreichend wahrgenommen.

Vor allem haben sich zu viele damit begnügt, ihrer Benchmark, dem Vergleichsindex, nachzulaufen.

Dabei spricht man von „Benchmark-Hugging“, frei übersetzt „Index-Schmusen“.

Doch ETFs machen nichts anderes als das, aber sie tun es sehr kosteneffektiv.

Eine Marktbereinigung tut aktiven Fonds gut, denn es gibt definitiv ein Überangebot.

Da konnte der durchschnittliche Manager gar nicht besser abschneiden als der Vergleichsindex, weil es nicht genug Alpha gab.

Denn am Ende war es ein Nullsummenspiel.

ETF-Portfolio: Die Jagd nach Alpha und Beta

Alpha und Beta durch optimiertes ETF-Portfolio

Letztlich haben ETFs auch eine Antwort darauf gegeben, ob sich die Jagd nach Alpha angesichts der Kosten des Fondsmanagements noch lohnt.

Letztlich muss eine neue Balance zwischen aktivem und passivem Investieren gefunden werden.

Fachleute denken da an einen Core-Satellite-Ansatz:

Dabei ist der Core ist der Markt, den man mit einem ETF-Portfolio abdecken kann.

Und der  Satellite ist das Alpha, das aktive Fonds bringen.

Das macht auch das aktive Investieren interessanter, weil man sich dann genauer überlegen wird,

  • wo man es einsetzt,
  • welches Risiko man eingeht und
  • welchen Ertrag man erwartet.

Doch wie kann man aktive und passive Fonds in einem ETF-Portfolio miteinander kombinieren?

Das Zusammenspiel von aktiven Fonds und ETFs im ETF-Portfolio

ETF-Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen

Die Meinung, dass aktives Management auch weiterhin gebraucht wird, ist u. a. in der aktuellen Marktverfassung begründet:

Solange die Volatilität niedrig ist, ist für aktive Fondsmanager wenig zu holen.

Wenn die Volatilität ansteigt, werden aktive Fonds wieder besser abschneiden.

Denn das gibt ihnen mehr Gelegenheit, Werte zu entdecken.

Wenn die Märkte vom Momentum bestimmt werden und Bewertungen weniger wichtig sind, entwickeln sich ETFs, die einen bestimmten Investmentstil verfolgen, gut – während es wertorientierte Investoren schwer haben.

Auch eine State-Street-Studie kommt zu dem Schluss, dass der Erfolg aktiven Managements zyklisch und vom Marktumfeld abhängig ist.

Aktive Fondsmanager hätten in den Bullenmärkten der vergangenen 25 Jahren stets schwächer abgeschnitten und dafür in den Bärenmärkten bessere Ergebnisse geliefert.

Grundsätzlich hielten sie sich stets in weniger effizienten Märkten am besten.

Am besten schlagen sich aktive Fonds, die eine starke Überzeugung vertreten, deshalb in weniger als 50 Aktien investiert sind und wenig traden.

Im Grunde also Fonds, die sich ganz dem Alpha verschrieben haben und nicht dem Beta hinterherlaufen.

Grundsätzlich gebe es auch eine Reihe von Investoren, die einen aktiven Fonds vorzögen, wenn er weniger volatil sei als der Index, heißt es bei State Street.

Darüber hinaus lassen sich längst nicht alle Anlageklassen indexieren.

3 Generationen: Indexfonds werden weiterentwickelt

3 Generationen an Indexfonds

Gleichzeitig haben sich ETFs weiter entwickelt.

Die erste Generation von ETFs war rein marktgewichtet.

Die zweite hat begonnen, Vermögenswerte fundamental zu gewichten, und die dritte bezieht Komponenten aktiven Managements ein.

Aktive ETFs wird die Anlageklasse genannt, in der sogenannte „Smart-Beta-ETFs“ versprechen, mehr als nur die Marktrendite, das Beta, zu erwirtschaften.

Bei diesen handelt es sich um die als zweite Generation bezeichneten ETFs, die traditionelle Indizes anhand bestimmter Faktoren umgewichten.

Zuspruch komme von zwei Seiten, heißt es in der State-Street-Studie.

Zum einen von aktiven Investoren, die kostengünstiger investieren wollen, und zum anderen von passiven Investoren, die mit den Ergebnissen simpler ETFs nicht mehr zufrieden seien.

Immerhin netto 15 Prozent aller Mittel, die in Europa und Nordamerika im vergangenen Jahr in Standardwerte-ETFs flossen, entfielen auf Smart-Beta-ETFs.

Ein Beispiel für die dritte Generation ist etwa der Robotics and Automation ETF von ETF Securities.

Dieser Index ist eine Kreation des Anbieters Robo Global, basierend auf einer eigenen Datenbank, die von einem Expertenteam gepflegt wird.

Insofern findet hier in gewisser Weise ein aktives Management statt, nur sind Änderungen im ETF-Portfolio hier Ausdruck von Änderungen im Anlageuniversum.

Letztlich findet auch hier eine Auslagerung statt, nämlich des Portfolio-Managements an einen Berater.

Das eigentliche Handeln bleibt regelbasiert, auch werden die Regeln weiter von Menschen gemacht.

Doch Menschen verändern hierbei die Grundlage, auf die die Regeln angewendet werden.

Auf diese Weise beginnen die Grenzen zwischen ETFs und aktiven Fonds zu verschwimmen.

Smart-Beta als Strategie fürs ETF-Portfolio

Kritiker werfen den Fondsgesellschaften, die aktive ETFs aufgelegt haben vor, damit ein Vehikel aus der Niedriggebührenfalle geschaffen zu haben.

Denn bei aktiven ETFs sind bis zu 3 Prozent Gebühren möglich, was die Gebühren klassischer aktiv gemanagter Fonds noch übertrifft.

Schließlich gibt es vor allem in den USA einen Gebührenkrieg bei ETFs, der in Richtung Null geht.

Doch was bringen Smart-Beta-ETFs unterm Strich?

Mit einer Wertentwicklung von 19 gegenüber 20 Prozent und einer Volatilität von 9 gegenüber 10 Prozent über zwölf Monate unterschieden sich Smart-Beta-ETFs im Bereich von Standardaktien im Ergebnis nicht wesentlich von traditionellen ETFs.

Dafür aber kommt die durchschnittliche Kostenbelastung dieser smarten ETFs mit 1,2 Prozent dem Gebührensatz traditioneller Investmentfonds schon recht nahe.

Das heißt: Gewesen sind vor allem Spesen.

Nur Spesen und kein ETF-Portfolio

Fazit: Diversifikation ist beim ETF-Portfolio das A & O

Konventionelle Indexfonds (ETFs) breiten sich immer mehr aus.

Zum Teil verdrängen sie aktive klassische Investmentfonds, die hohe Kosten haben und zum Teil nicht mal die Marktrendite bringen.

Dieser Trend wird aus den USA wohl immer stärker auch zu uns kommen.

Gleichzeitig sinken die Gebühren – zumindest konventioneller ETFs.

Anlageprofis nutzen mittlerweile verstärkt klassische Fonds und auch ETFs, um sowohl Alpha als auch Beta zu optimieren.

Smart-Beta-ETFs sind dagegen für die ihre Anbieter (Fondsgesellschaften) ein Weg aus der Falle niedriger Gebühren, doch ob man mit ihnen tatsächlich die Benchmark schlagen kann, bleibt abzuwarten.

ETFs sind nach wie vor ein spannendes Thema und mit einem ETF-Portfolio machen Privatanleger garantiert nichts falsch.

Dieser Blogartikel beruht unter anderem auf Informationen aus der Artikelserie „ETFs unter der Lupe (Teil 1 – 4)“ von Martin Hock.

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10 Gedanken zu „ETF-Portfolio: Was du noch nicht über Indexfonds weißt“

  1. Momentan sieht man ausgelöst von der Corona-Krise einen starken Verfall auch bei den Aktienindizes.Die diversen DAX-Varianten, S&P usw. haben seit einem Monat sehr ähnliche stark negative Verläufe . Dagegen gehen etliche ETFs geradezu durch die Decke.

    Bedeutet das, dass die Investoren zwar die Aktien aus dem Index verkaufen, dafür aber in die ETFs investieren?

    Antworten
        • Sie müssen sich diese ETFs schon mal genauer ansehen.

          Denn entweder sind es ETFs auf Gold bzw. Goldminen-Aktien oder es sind ETFs, die auf Short-Strategien setzen.

          Das sind ETFs, deren Kurse dann steigen, wenn die Kurse fallen.

          Dazu leiht sich der ETF Aktien und verkauft diese. Wenn die Kurse gefallen sind, werden die Aktien zurückgekauft und dem Entleiher zurückgegeben. Unterm Strich bleibt ein Gewinn, wenn die Kurse tatsächlich gefallen sind, andersherum ein Verlust, wenn die Kurse gestiegen sind.

          Also, das Phänomen ist hiermit aufgeklärt.

          Viele Grüße

          Jürgen

          Antworten
          • Das mit dem genauer ansehen ist für Einsteiger erst mal eine Herausforderung. Jedenfalls kann man zu der oft gelesenen Vereinfachung
            „ETF sind also eigentlich immer Indexfonds“
            auch feststellen:
            „Es sei denn sie sind keine und heißen nur so ähnlich. Dann können sie auch genau das Gegenteil sein.“

            Merci!

  2. „Investmentfonds und ETFs sind eigene Anlageklassen“. Diese Aussage ist inkorrekt. Es sind schlicht Vehikel, die Anlageklassen abbilden.

    Antworten
    • Das ist eine mögliche und auch die gängigere Sichtweise. Es gibt aber auch Autoren, die ETFs als eigene Anlageklasse betrachten, wie zum Beispiel Martin Hock auf FAZ.NET in der Artikelserie „ETFs unter der Lupe (Teil 1 – 4)“ (Ende 2017 und Anfang 2018 erschienen).

      🙂

      Antworten
  3. „ETF-Blog.com empfiehlt dir stets Buy and Hold – also Indexfonds kaufen und sehr lange halten“

    Im Rückblick betrachtet wäre ich mit buy and hold wohl alles in allem besser gefahren.

    Es erwischte mich am übelsten mit dem S&P 500. Ich hatte tatsächlich am Tiefpunkt im März 2009 massiv einen Etf auf eben jenen Index gekauft. Bei 20% Gewinn verkaufte ich das erste Drittel, bei 30% Gewinn das zweite Drittel. Bei 40% das dritte Drittel. Ich hatte gedacht, irgendwann muss der Index doch wieder kippen. Und dann kaufe ich billig nach.

    Er kippte aber nie. Wir haben bereits seit einiger Zeit den zweitlängsten Bullenmarkt aller Zeiten. Seitdem schaue ich den entgangenen Gewinnen hinterher und warte auf die Möglichkeit in einer Schwäche billig einzukaufen.

    Alles im Niedergang, man

    Markus (https://der-5-minuten-blog.de)

    Antworten

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